Die Gelenkpunktion


allgemeine Informationen für Patienten

  • Die Punktion eines Gelenkes mit einer hohlen Nadel (Kanüle) dient der Entlastung des Gelenkinnenraumes bei Ansammlung von Flüssigkeit durch Einblutung oder Entzündung. Gleichzeitig kann so eine Diagnose gesichert werden. Nur bei starker schmerzhafter Gelenkschwellung mit Bewegungseinschränkungen oder nachgewiesener Ansammlung von Flüssigkeit im Gelenk durch Sonographie oder Magnetresonanztomographie sollte ein Gelenk punktiert werden. Es besteht immer das Risiko einer Gelenkentzündung bzw. Arthritis. Darüber hinaus können so Procain, Lokalanästhetika, Glucocorticoide bzw. Kortison oder Knorpelmittel in einen Gelenkinnenraum bei Gelenkerkrankungen hineingebracht und "Pillen" einschließlich deren Nebenwirkungen auf Magen, Darm, Leber und Nieren eingespart werden.
  • Nach Aufklärung bzw. Einweisung sowie Lagerung des Patienten auf einer Liege mit Einmalunterlage in einem separaten Raum ("Spritzenzimmer") nutzt der Arzt, welcher entsprechende Kleidung und sterile Einmal-Handschuhe trägt, ein sogenanntes Injektionsbesteck, Desinfektionsmittel, Einweg-Tupfer oder -Platten, Einweg-Spritzen und -kanülen.


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  • Gelegentlich ist eine örtliche Betäubung notwendig. Bei Gelenkpunktionen zur Gewinnung einer Schleimhautprobe ( Die Biopsie) kommen spezielle Spritzen bzw. ein Operationsbesteck in Frage (Die Gelenkspiegelung).


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spezielle Informationen für Kollegen

Synonym

  • intraartikuläre Punktion sive Injektion

Definition

  • Kanülierung eines Gelenkspaltes zur Entlastung eines Ergusses oder Installierung eines Medikamentes in das Gelenk

Voraussetzung

  • vgl. Leitlinien der DGOT (amwf@uni-duesseldorf.de)

Aufklärung

  • schriftliche Aufklärung bzw. Einweisung sowie Lagerung des Patienten

Material

  • separater Raum, kein Gipsraum, kein Verbandszimmer, regelmäßige Reinigung des Raumes und Desinfektion der patientennahen Gegenstände bzw. nach Kontamination mit Material (Bernau et al. 1999)
  • Liege mit wasserundurchlässiger Einmalunterlage (Bernau et al. 1999)
  • Kleidung (Kopfschutz, Atemschutz mit 99%iger Filterung, Kittel ohne weite Ärmel und sterile Einmal-Handschuhe) (Bernau et al. 1999)
  • Injektionsbesteck (Stauschlauch, Fingerling oder Handschuh, Desinfektionsmittel (Desinfektionsmittel), Einweg-Tupfer oder -Platten, Einweg-Spritzen und -kanülen zum Aufziehen und zur Injektion (Kanülen der Neuraltherapie)
  • bei Punktion zur Gewinnung der Synovia (Die Biopsie) geeignete Spritzen (Kanüle, Venüle, Flexüle u.a.)
  • Transportmedium (Reagenzien, Thermobehälter Nährmedien bei Mikroorganismen, Fixier- und Lösungsmittel)

Pharmaka

Desinfektion

  • hygienische Händewaschung mit Seife ausreichend, Desinfektion des Punktionsgebietes mit Desinfektionsmittel 3 x hintereinander mit jeweils neuem sterilem Tupfer bzw. steriler Platte (dabei immer kleine-res Gebiet abwischen und potentielle kontaminierte Gebiete zuletzt) bis zur Asepsis) und sterile Abdeckung mittels Lochtuch

Indikation

Diagnostik

Therapie

  • Entlastung von Erguß und Entfernung Hämarthros und Pyarthros
  • Lavage eines Gelenkes
  • medikamentöse Schmerztherapie und Entzündungshemmung, Chondroprotektion, antiinflammatorische Therapie mit Interleukin 1-Rezeptor-Antagonist (Orthokin ®) oder chemische bzw. radioaktive Synovialektomie bzw. Synoviorthese

Kontraindikation

Ziel

  • Diagnostik, Differentialdiagnostik und Therapie von Arthritis, Arthrose und Arthropathie

Technik

Methoden

  • (alle Abb. ohne sterile Abdeckung zur besseren Darstellung der Topo-Anatomie aus Pieper 1992)

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Fingergelenke

MCP 1-5, IP 1, PIP und DIP 2-5
  • von dorsal
  • nie von dorsolateral oder -medial
    (cave: Gefäß-Nerven-Strang)


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Handgelenk (RKG)
  • von dorsoradial
  • von dorsoulnar
  • nie von volar oder radial

    (cave: Artt. radialis et ulnaris sowie
    Nn. medianus et radialis superficialis)


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Ellenbogengelenk (EBG)
  • radiohumeral von lateral
  • humeroulnar von dorsoradial
  • nie von dorsoulnar (cave: N. ulnaris)


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Schultergelenk (GHG)
  • von posterior (soft-spot)
  • von anterior (cave: N. muskulocutaneus)


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Hüftgelenk (HG)
  • von anterior (cave: V, Art. et N. femoralis)
  • von lateral


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Kniegelenk (KG)
  • von suprapatellar-lateral
  • von infrapatellar


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oberes Sprunggelenk (OSG)
  • von anterior medial
  • von anterior lateral
  • nie von median (cave: Art. tib.
    ant. et N. peroneus superficialis
    et profundus)


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Zehengelenke
  • meist MTP 1 (seltener 2-5, IP 1, PIP und DIP 2-5)
  • von dorsal
  • nie dorsolateral oder -medial (cave: Gefäß-Nerven-Strang)


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Literatur

  1. Bernau A, Heeg P, Rompe G, Rudolph H (1999) Intraartikuläre Punktionen und Injektionen. Dt. Ärztebl. 96: 1528-30
  2. Bernau A, Heeg P, Rompe G, Rudolph H (1999) Intraartikuläre Punktionen und Injektionen. In: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie und Berufsverband der Ärzte für Orthopädie (Hrsg.) Leitlinien der Orthopädie Deutscher Ärzte Verlag, Köln 135-8
  3. Bitsch T (1995) Klinikleitfaden Rheumatologie. Jungjohann, Neckarsulm Lübeck Ulm 54-9
  4. Krämer KL, Stock M, Winter M (1993) Klinikleitfaden Orthopädie. 2. erw. Aufl. Jungjohann, Neckarsulm 26-7
  5. Pellegrini R, Schmitz H, Zohmann A (1996) Schmerzbehandlung mit Xyloneural®. 3. Aufl. Gebro Broschek, Fieberbrunn
  6. Pieper M (1992) Lipotalon® Atlas der intrartikulären Injektionstechnik. Medizin & Markt. München
  7. Wirth CJ (1992) Intraartikuläre Injektionstherapie. In Jäger M, Wirth CJ (hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 178-9
  8. Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni Med, Lorch 58-60
 
      
Aktualisiert:15.09.2012
 
 
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben