Die Biopsie


allgemein Informationen für Patienten

  • Eine Biopsie ist eine Probeentnahme (PE) bzw. diagnostische Entnahme (DE) von Zellen aus einem erkrankten Gewebe zur weiteren Untersuchung in einem Labor. Schon die Blutentnahme kann man als Biopsie bezeichnen. Ansonsten werden Proben aus Organen, Gewächsen, Entzündungen usw. gewonnen. Es ist die wichtigste Untersuchung von erkrankten Zellen am Patienten. Hier können nicht nur "Krebs", sondern auch andere Erkrankungen (Entzündungen, Rheuma, Stoffwechselstörungen usw.) erkannt werden. Durch moderne Verfahren können auch aus bestimmten Zellen Gene bei Erbkrankheiten isoliert und charakterisiert werden.
  • Im Rahmen der schriftlichen Aufklärung und Vorbereitung des Patienten, wozu die Dokumentation des Untersuchungsbefundes gehört, sollten bisherigen Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall-Untersuchung, Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Szintigraphie sowie Behandlungen überprüft werden. Denn schon von der Wahl des Ortes der Biopsie hängt mitunter der weitere Behandlungsverlauf ab.
  • Zur Ausschaltung des Schmerzes, welcher beim "Entnehmen" entsteht, wird meist eine örtliche Betäubung durchgeführt. Oft werden Biopsien im Rahmen einer Operation durchgeführt. Im Rahmen einer so genannten Schnellschnittdiagnostik, was mitunter nur wenige Minuten dauert, kann der Operateur je nach Biopsieergebnis sofort handeln.

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • Probeentnahme (PE)
  • diagnostische Entnahme (DE)

Definition

  • Gewinnung einer Gewebeprobe zur apparativen in-vitro-Diagnostik (Labor, Mikroskopie) und feingeweblichen Untersuchung (Histologie, Zytologie, Immunologie, Genetik)

Historie

  • 1935 Beschreibung einer Technik zur Sternalpunktion durch Dameshek (Pechet 1991)

Voraussetzung

Aufklärung
  • schriftliche Aufklärung bzw. Einweisung des Patienten Lagerung Ort
    • entweder Operationssaal oder separater Raum, kein Gipsraum, kein Verbandszimmer, regelmäßige Reinigung des Raumes und Desinfektion der patientennahen Gegenstände bzw. nach Kontamination mit Material
    Hygienekleidung
    • Kleidung (Kopfschutz, Atemschutz, Kittel und sterile Einmal-Handschuhe)
    Desinfektion
    • entweder im Rahmen einer Operation (Die Operation) oder 3 x hintereinander als Wischdesinfektion mit Desinfektionsmittel (Desinfektionsmittel), wobei auf das Benutzen von sterilen Einmal-Handschuhen und des "Wischens" Wert gelegt wird, sowie Abdeckung mit sterilem Lochtuch
    Lokalanästhetikum Material
    • geeignete (z.T. apparativ kontrollierte) Spritzen, Nadeln (Kanüle, Venüle, Flexüle, Vim-Silverman-Nadel, Illinois-Nadel, Jamshidi-Nadel, Menghini-Nadel) oder OP-Besteck (Akin 1991, Pechet 1991, Wayne 1991)
    • Transportmedium (Reagenzien, Thermobehälter Nährmedien bei Mikroorganismen, Fixier- und Lösungsmittel)
    • Fixierung von Gewebeproben (z.B. Formalin)
    Dokumentation
    • von einfachen Methoden (visuelle Analyse (vgl. Tab 9 Synovialanalyse S. 87 aus Schattenkirchner 1992), Mikroskopie) bis zum automatisierten Labor mit Möglichkeit der chemischen, zytologischen, mikrobiologischen, immunologischen und physikalischen (z.B. Kristalle) Untersuchung

    Ziel

    • Diagnostik, Differentialdiagnostik und Prognose von systemischen, malignen sowie klinisch und makroskopisch nicht zu unterscheidenden Erkrankungen
    <

    Knochen


    Synovia aus Gelenk

    • das entscheidende pathologische Kriterium des Gelenkergusses
    • untersucht wird Farbe und Transparenz bzw. Trübung (per Inspektion durch Punkteur), Viskosität (durch Punkteur und Labor), Zellzahl mit Anteilen an Leukozyten bzw. neutrophilen Granulozyten (normal ca 25%), Monozyten und Lymphozyten zwecks Anteil und Dominanz, Gehalt an Metaboliten wie Protein, Glucose, Enzyme, Interleukine, Antikörper, Kristalle wie Urat, Calcium-Pyro-Phosphat, Hydrox(yl)-Apatit, Cholesterin und Mikroorganismen (tot oder lebend) durch apparative Analyse (Zählungen, Messungen und Graphie), individuelle Analyse per (Polarisations)-Mikroskop (Zählungen und Beschreibungen)
    • dokumentiert wird zusätzlich Volumen (Miehle 1999)
    • (siehe Abb. 6.26 aus Bullough und Vigorita 1987)

      Bild: Synovialanalyse

    Muskel


    Organe einschl. Schleimhäute


    Zahn(anteile)


    Drüsen


    Lippe

    Indikation

    Kontraindikation

    absolut
    • Nichteinwilligung des ansprechbaren Patienten
    relativ
    • Gerinnungsanomalie
    • lokale Hautinfektion
    • Nichtaufklärung (schriftlich)
    • nichtkooperativer Patient (S, KK, K, Bewußtseinsstörung bzw. psychiatrische Erkrankung)

    Technik

    1. entweder im Rahmen einer Operation oder Entkleidung und Lagerung des Patienten
    2. Untersuchung der Punktionsstelle
    3. entweder im Rahmen einer Operation oder Desinfektion, Abdeckung, Anästhesie
    4. Punktion, Aspiration, Entnahme von Gewebe (PE bzw. DE)
    5. Naht ( Der Wundverschluß ) bzw. Verband

    Methoden

 

Literatur

  1. Akin CM (1991) Punktion von Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnenansätzen. In Vander Salm TJ, Cutler BC, Brownell Wheeler H (1991) Invasive Techniken am Krankenbett. VCH, Weinheim 555-70
  2. Bullough PG, Vigorita VJ (1987) Orthopädische Krankheitsbilder. Thieme, Stuttgart New York
  3. Miehle W (1999) Rheumatoide Arthritis. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 81-4
  4. Pechet L (1991) Knochenmarkaspiration/ Knochenmarkbiopsie. In Vander Salm TJ, Cutler BC, Brownell Wheeler H (1991) Invasive Techniken am Krankenbett. VCH, Weinheim 523-42
  5. Schattenkirchner M (1992) Laboratoriumsdiagnostik. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 83-87
  6. Wayne ES (1991) Nadelbiopsie von Weichteilgeweben. In Vander Salm TJ, Cutler BC, Brownell Wheeler H (1991) Invasive Techniken am Krankenbett. VCH, Weinheim 489-97
  7. Wirth CJ (1992) Nadelbiopsie. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 91-2
 
      
Aktualisiert:18.09.2012
 
 
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben