Die Elektroneuro- und -myographie (ENG/EMG)

allgemeine Informationen für Patienten

  • Die Elektromyographie (EMG) bzw. Elektroneurographie (ENG) ist eine Untersuchungsmethode mit Registrierung von Strömen in einem oder mehreren Muskeln bzw. Nerven.
  • Dabei werden zu einem die Willküraktivität eines Muskels mit Oberflächen- oder Nadelelektroden aufgezeichnet. Zum anderen können aber auch unwillkürliche Spontanaktionen des Muskels (z.B. Zittern oder Zucken) sowie die elektrische Leitfähigkeit des Nervensystems (vom einzelnen Nervenast bis zum Areal im Hirn) gemessen und aufgezeichnet werden.
  • Dies hilft bei der Diagnostik von
    1. Lähmungen und Gefühlsstörungen nach Schlaganfall, Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen des Nervensystems (Zuckerkrankheit bzw. Diabetes, Knochenkrebs und -metastasen),
    2. Erkrankungen der Wirbelsäule bzw. Bandscheibenerkrankung (Wirbelsäule und Rumpf) mit Störungen des Rückenmarks bzw. der Nervenwurzeln, welche nicht durch eine körperliche Untersuchung sowie apparative Techniken geklärt werden können.
    3. Störungen der Haltung von Kopf, Hals, Rumpf und Becken sowie des Ganges (Fußdruckmessung bzw. Ganganalyse, Störungen des Ganges bzw. Hinken, Störungen der Haltung)
  • Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, einen akuten vom chronischen Schaden am zentralen Nervensystem einschl. Rückenmark sowie an den einzelnen Nerven zu unterscheiden und Hinweise auf die oben genannten Ursachen zu finden bzw. deren Verlauf mit und ohne Behandlung zu dokumentieren.

allgemeine Informationen für Kollegen


Synonym

  • EMG und ENG

Definition des EMG

  • diagnostisches Verfahren der Elektrophysiologie mit Ableitung von Spannungsänderungen eines Muskels bzw. seiner Muskelaktionspotentiale (MAP) durch Oberflächen- oder Nadelelektroden (Remke und Lennert 1974, Klingelhöfer und Spranger 1997)

Voraussetzung

Aufklärung
  • schriftliche Aufklärung bzw. Einweisung des Patienten
Strom
  • Rechteckimpuls mit Dauer zwischen 0,1 und 1 ms, einer Frequenz zwischen 0,5 und 500/s und einer Amplitude bis zur supramaximalen Nervenreizung als Stimulation
Material
  • Oberflächenelektroden, wobei Kathode und Anode 2-3 mm auseinander liegen, zur Reizung
  • Nadelelektroden zur Ableitung
Dokumentation
  • EDV mit Hard- und Software
  • Bildschirm zur Sichtbarmachung der Reizes und der Antwort
  • Lautsprecher zur Hörbarmachung der Reizes und der Antwort
  • Drucker bzw. Schreibgerät

Ziel

  • Differentialdiagnostik und Prognose neurogener sowie myogener Erkrankungen

    Bild: EMG-plot
    Abb. 1: a) normales EMG, b) bei Myopathie, c) bei Neuropathie,
    aus Lemke und Rennert 1974

Indikation

  • Erkrankungen von α-Motoreuron, Wurzel (Radikulopathie), Plexus (Plexopathie) bzw. Nerven (Mono- oder Polyneuropathie bzw. PNP)
  • Erkrankungen von motorischer Endplatte und Muskel (Myopathie)

Kontraindikation

Technik

  1. Entkleidung und Lagerung des Patienten
  2. Untersuchung des Muskels im Vgl. zur Gegenseite
  3. Desinfektion
  4. Einstich mit Beurteilung der Einstichaktivität (fehlt bei Kompartmentsyndrom)
  5. Beurteilung der Ruhe- bzw. Spontanaktivität (keine bei gesundem ruhenden Muskel, Fibrillationen als scharfe Welle bei neurogenen Störungen, Faszikulationen als plötzliche unwillkürliche Entladung mit unregelmäßiger Frequenz, Pseudomyotone Entladungen als repetitive Entladung mit konstanter Frequenz (5-100Hz) bei Nadelverschiebung sowie Myotone Salven als repetitive Entladung mit ansteigender oder abfallender Frequenz und Amplitude bei Nadeleinstich, bei Willküraktivität und bei Myotonie)
  6. Aufforderung zur Muskelkontraktion und Beurteilung des MAP nach Amplitude (erhöht bei neurogenen Störungen, erniedrigt bei Myopathien), nach Phasen bzw. der Zahl der Durchgänge durch die Nullinie (vermehrt bei neurogenen Störungen) sowie nach Interferenzmuster bei initialer sowie maximaler Aktivität (mind. 20 Einheiten an 3 Einstichstellen)
        Bild: EMGs aus Mumenthaler

        siehe Abb. 2.8 aus Mumenthaler 1986

Methoden

  • Oberflächen-EMG
  • Nadel-EMG
  • ENG mit Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)
  • (S)SEP, AEP, VEP und andere evozierte Potentiale
 

Literatur

  1. Klingelhöfer J, Spranger M (1997) Neurologie und Psychiatrie. In Schäffler A, Renz U (Hrsg.) Klinikleitfaden. Gustav Fischer, Ulm Stuttgart Jena Lübeck 78-81
  2. Lemke R, Rennert H (1974) Neurologie und Psychiatrie. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 13-21
  3. Mumenthaler M (1986) Neurologie. 8. neubearb. Aufl. Thieme, Stuttgart New York
  4. Rosemeyer B (1992) Elektromyographie. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 77-83
      
Aktualisiert:24.01.2014
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben