Die Fußdruckmessung bzw. Ganganalyse

allgemeine Informationen für Patienten

  • Die Fußdruckmessung bzw. Ganganalyse wird u.a. als Podoskopie (=sehen), Podometrie (=messen) bzw. Podographie (=zeichnen) bezeichnet.
  • Mit Hilfe von Spiegeln, Messeinrichtungen (Messplatte, Laufband, Meßsohlen usw.), Computer, Papier, Drucker bzw. Video werden die Fußsohlen und ihre Auftrittsfläche bzw. Druckbelastung pro Fläche (visuell, graphisch mit und ohne Farbabstufungen sowie als 3-D-Bild) dargestellt.
  • Im Rahmen einer computergestützten Analyse werden beim Stehen und Gehen mit oder ohne spezielle Schuhe bzw. Sohlen im eigenen Schuh Informationen einmalig erhalten bzw. mehrere Bilder übereinander gelegt und ein farbiges Summationsbild bzw. eine graphische Auswertung (Messkurve) erzielt.
  • Noch detaillierter ist die Ganganalyse per Video. Nicht nur bei Fußbeschwerden können so Fehl- oder Überlastungen von Haut, Weichteil- bzw. Bindegewebe, Gelenken und Knochen bei gleichzeitiger Störungen der Nerven, Muskeln und Sehnen besser als im Röntgen (Die Biopsie) dargestellt werden. Hier werden zusätzlich funktionelle Aspekte beim Gehen (Störungen des Ganges bzw. Hinken) berücksichtigt.
  • Es können nicht nur die zu oft diagnostizierten Senkfüße Spitzklumpfuß, Hackenhohlfuß, Knickplattfuß, Spreizfuß und Metatarsalgie) ausgeschlossen, sondern zu anderen Fußfehlbelastungen oder -fehlformen unterschieden werden.
  • Schließlich werden maßgeschneiderte Einlagen- und Schuhe bei Fußproblemen sowie gezielte Kraftübungen bei muskulären Störungen kontrollierbar.
  • Nahezu jeder Orthopädie, Podologe (ein medizinischer Fußpfleger) und Orthopädie-Schuhmacher bietet diese individuelle Gesundheitsleistung, welche nicht von den gesetzlichen Krankenkassen akzeptiert werden, an.

    allgemeine Informationen für Kollegen


    Voraussetzung

    Kenntnisse und Fähigkeiten Definition des Gehzyklus in der Ganganalyse
    • neben Schritt- bzw. Doppelschrittlänge Stand- und Spiel- bzw. Schwungbeinphase mit Fersen-, Fußsohlen-, Mittelfußköpfchen- und Zehenkontakt sowie Entlastung, Einzel- und Doppelbelastung bzw. Gewichtsübernahme
    Parameter
    • Fläche der belasteten Fußsohle eines gesunden Erwachsenen: ca. 150cm2, bei Zehenspitzenstand (eigentlich Mittefußköpfchenstand) ca. 50 cm2
    • Last der Fußsohle eines gesunden Erwachsenen: ca. 0,5 kg/cm2, bei Zehenspitzenstand (eigentlich Mittefußköpfchenstand) ca. 1,2 kg/cm2 Druck entspricht der Kraft pro Fläche, welche abh ängig von Zeit ist (z.B. Gang oder Sprung zwischen 100 und 300 N/cm2)
    Geräte
    • von "Blaupapier" über Podometer, Podoskop bzw. Trittspurgeräte, Analysesysteme bis Ganglabor mit Oberflächen-EMG, Videometrie (Oberflächenmarker, Reflektoren, Kameras) und Meßplatten

      Bild: Messplatte mit EDV
      Messplatte mit EDV


    Dokumentation
    • EDV mit Hard- und Software
    • Bildschirm zur Darstellung aller gespeicherten Parameter
    • Drucker

    Podoskopie/ -metrie

    • Ansicht der statisch belasteten Fußsohle mit Stand (auch Einbeinstand) über zwei winklig zueinander gestellte oder einen semipermeablen Spiegel bzw. eines Abdrucks (früher Gips, heute: Papier oder Trittschaum) bzw. Ausmessung des Fußabdrucks auf Papier oder Trittschaum (früher Gips, welcher heute noch im Rahmen der Einlagen- und Schuhversorgung durch den Orthopädie-Schuhmacher angefertigt wird)

      Bild: Podoskop
      Podoskop

      Bild: Trittschaum mit Abdruck
      Trittschaum mit Abdruck

    Podographie

    • zusätzlich zur statischen Pedo- bzw. Podoskopie/ -metrie dynamische Druckverteilungsmessung plantar während des Ganges
    • in Einlage, Fußsohle eines spezielle präparierten Schuhs bzw. auf Gangunterlage bzw. unter Meßplatte Einbau von mechanischen bzw. elektrischen Sensoren (in Einlagen ca. 9/cm2)
    • Transformation des Impulses
    • Darstellung diverser Parameter (Moment-, Summations- und Maximaldruck, Druckverteilung) über farblich bedrucktes Papier oder Bildschirm
    • zusätzliche graphische Darstellung von kinetischen Parametern (z.B. Bodenreaktionskraft)

    Ganganalyse

    • zusätzlich zur dynamischen Pedo- bzw. Podographie Addition bzw. Vergleich von Impulsen über Vor-, und Rückfuß bzw. mediale Achse (Großzehe, Mittelfußköpfchen I und mediale Ferse) und laterale Achse (Mittelfußköpfchen V, Längsgewölbemitte und laterale Ferse)
    • Darstellung der Gelenk-Kinematik
    • Oberflächen-EMG der wichtigsten am Gehzyklus beteiligten Muskeln
    • Summation aller o.g. Parameter beim Stehen (auch Einbeinstand) und Gehen in ein Ort-Zeit-Kurve und Darstellung aller o.g. Parameter über farblich bedrucktes Papier oder Bildschirm mit zusätzlicher graphischer Darstellung von Parameter wie Hauptbelastungsflächen und -linien
 

Literatur

  1. Becker HP, Rosenbaum D, Claes L, Gerngroß H (1997) Dynamische Pedographie zur Abklärung der funktionellen Sprunggelenkinstabilität. Unfallchirurg 100: 133-9
  2. Debrunner HU, Hepp WR (1994) Orthopädisches Diagnostikum. 6. neubearb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork
  3. Mann RA (1980) Surgical implications of biomechanics of the foot and ankle. Clin. Orthop 146: 111-8
  4. McRae R (1995) Klinisch orthopädische Untersuchung. 3. Aufl. Gustav Fischer, Stuttgart Jena NewYork
  5. Mittlmeier T (1995) Funktionsstörungen des Fußes nach Verletzung diagnostische Möglichkeiten. Krankengymnast 10: 1410-24
  6. Pisani G (1998) Fußchirurgie. Georg Thieme, Stuttgart New York
  7. Rabl CRH, Nyga W (1994) Orthopädie des Fußes. 7., neu bearb. Aufl. Ferdinand Enke, Stuttgart
  8. Zwipp H (1985) Die antero-laterale Rotationsinstabilität des oberen Sprunggelenkes. Unfallheilk. 177
      
Aktualisiert: 22.01.2014
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben