Die Ultraschall-Untersuchung


allgemeine Informationen für Patienten


  • Der für das menschliche Ohr hörbare Schall ist eine me-chanische Schwingungen der Luft und anderer Materie zwischen den Frequenzen 15 und 20.000 Hertz. Der für uns im Gegensatz zu Hund und Fledermaus nicht mehr hörbare Ultraschall ist eine Schwingung von mehreren Tausend bis Millionen Hertz.
  • Ultraschall kann mit einem Quarz, welcher "unter Strom" gesetzt wird, erzeugt werden. Bei der Ultraschall-Untersuchung bzw. Sonographie wird künstlich erzeugter Ultraschall über einen Schallkopf sowie Kontaktgel in den Körper eingebracht. Da die einzelnen Gewebe (Haut, Fett, Muskeln, Organe, Hohlräume (Galle, Blase, Blutgefäße, Gelenke, Blutergüsse, Sehnenscheiden und Zysten)) den Schall unterschiedlich weiterleiten bzw. reflektieren, kann diese Reflexion im Schallkopf wieder registriert werden. Über einen Computer entsteht aus den verschiedenen Eigenschaften der Reflexion ein graustufiges oder gar farbiges Bild (neuerdings mit 3D-Effekt).
  • Die Sonographie ist im Gegensatz zum Röntgen strahlungsfrei, da hierbei keine für den Menschen gefährliche Gamma-Strahlung frei wird. Sie ist jedoch weniger erfolgreich bei Untersuchungen von Knochen, knochengeschützten bzw. luftgefüllten Organen wie Hirn, Lunge und Darm. Ihr Vorteil liegt wie beim Magnet-Röntgen ( Magnetresonanztomographie) in der Darstellung der verschiedenen Bindegewebsarten, Häute, Organe und Blutgefäße.
  • Sie ist aber nicht so teuer und kann gerade bei bewegten Organen (z.B. Muskeln und Sehnen, Herz und Schlagadern) in jeder Sprechstunde als "verlängerter" Arm des Arztes schon bei Neugeborenen, die nun mal nicht ruhig liegen können, gute Ergebnisse bringen ( Ultraschall-Untersuchung der Säuglingshüfte). Ob und wie oft diese Untersuchung eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen darstellt, liegt am Budget der Kassen, dem einheitlichem Bewertungsmaßstab (EBM) und im Ermessen des untersuchenden Arztes. Man muß ihn nur vorher fragen.

spezielle Informationen für Kollegen

Synonym

  • Sonographie

Definition

  • apparatives diagnostisches Verfahren unter Nutzung der Reflexion von Schallwellen an Grenzflächen von Gewebestrukturen

Historie

  • um 1800 Versuche mit Fledermäusen durch Ballanzani
  • 1880 Entdeckung des Piezoelektrischen Effekts durch J. und P. Curie
  • nach Untergang der Titanic 1912 Erarbeitung des Echolot-Verfahrens durch A. von Sternberg
  • zwischen 1938 und 1942 erste Versuche zur Ultraschalldiagnostik durch Gebrüder Dussig
  • 1954 Einführung einer Wasservorlaufstrecke durch J. G. Holmes
  • 1965 erste sonographische Untersuchungen an Extremitäten durch Howry
  • seit 1980 Entwicklung und Standardisierung der Sonographie der Säuglingshüfte durch R. Graf, P. Schuler, U. Dorn und F. U. Niethard

Voraussetzung

Aufklärung

  • mündliche (bei größeren invasiven Maßnahmen schriftliche) Aufklärung bzw. Einweisung des Patienten

Schall

  • Ultraschall als mechanische Schwingungen bzw. periodische Schwankung der Dichte einer Materie in einem für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbaren Frequenzbereich (oberhalb 20 kHz) mit geradliniger (eher longitudinal) Ausbreitung, einer Amplitude (entspricht dem Druck in Pascal bzw. der Lautstärke als Pegel gegenüber einem Bezugswert in Dezibel bzw. Phon), einer vom Medium abhängigen Geschwindigkeit (z.B. Wasser 1500m/s, Luft 333m/s), mit einer bestimmten Frequenz und Wellenlänge (zwischen 1 und 12 MHz sowie 1,5 und 0,13 mm) sowie Energie (5x10-2 bis -3 W/cm2)

Geräte

  • Schallquelle aus Schwingquarz bzw. keramischen Elementen (z.B. Bariumtitanat), welcher unter gezielter Änderung einer vorgegebenen elektrischen Spannung Schall aussendet (piezoelektrischer Effekt)
  • Medium mit bestimmter Dichte und Elastizität, woraus sich Schallgeschwindigkeit und -widerstand (akustische Impedanz) sowie Grenzfläche mit Impedanzunterschied, woraus sich Brechung (abhängig von Einfallswinkel), Streuung (abhängig von Oberfläche), Beugung und Absorption (abhängig von Frequenz) und somit Interferenz und Reflexion ergeben
  • Empfänger mit Schwingquarz bzw. keramischen Piezoelementen (z.B. Bariumtitanat), welcher unter Einfluß des Schalls mit bestimmter Energie (bis zu 10-10 W/cm2) bzw. Zeitverzögerung (bis zu 1:1000) elektrische Spannung erzeugt
  • Scanner (Sector oder Parallel) mit Möglichkeit der Punktion von Gewebe zur bioptischen Entnahme oder Injektion
  • Kontakt-Gel zur Vermeidung eines zu großen Impedanzsprunges von Schallkopf zur Haut des Patienten

Dokumentation

  • EDV, Bildschirm mit Graustufen, Drucker zur Dokumentation

Ziel

  • Diagnostik, Differentialdiagnostik, Verlauf und Prognose zahlreicher Er-krankungen von parenchymatösen Organen, Haut, Nerven und Gefäße sowie Bindegewebe einschl. Knorpel bzw. knorpelige Organe

Indikation

  • nahezu jede Raumforderung der nichtlufthaltigen und nichtknöchernen Gewebe (Hämatom, Erguß, Ganglion, Zyste, Hygrom, Abszeß, Tumor etc.), welche durch andere invasive diagnostische Verfahren mit Strahlung nicht zu diagnostizieren sind

Kontraindikation

absolut

  • Nichteinwilligung des ansprechbaren Patienten

relativ

  • nichtkooperativer Patient (Bewußtseinsstörung bzw. psychiatrische Erkrankung)
Technik
  1. Entkleidung und Lagerung des Patienten
  2. Untersuchung der Region
  3. Aufbringen des Kontakt-Gels
  4. Aufforderung zur Atmung bzw. Anhalten des Atmens in Exspirations- oder Inspirationsstellung sowie zur Bewegung bestimmter Körperareale

Methoden

Impulsschall oder Sonographie

  • A-mode (amplitude) als eindimensionale Amplitudendarstellung eines Schallimpulses im Oszilloskop (z.B. Echoencephalographie)
  • B-mode (brightness) als zweidimensionale Helligkeitsdarstellung der Energie eines Schallimpulses in Graustufen
Bild: Sonogramm 1

B-Bild einer rechten Säuglingshüfte von lateral nach Graf (Typ I)
Bild: Sonogramm 2

B-Bild eines linken Kniegelenkes im suprapatellaren Längsschnitt mit Erguß
(Distanz zwischen Patella und Femur vergrößert sich unter Kontraktion des Quadriceps im rechten Bild)


B-Bild einer linken Achillessehne in Längs- (linkes Bildpaar)
und Querschnitt (rechtes Bildpaar) bei Tendovaginitis mit ger. echoarmen Saum


Bild: Sonogramm 5

B-Bild einer Schulter in Innenrotation nach Hedtmann mit echoarmen Herd im Bereich der
Rotatorenmuskulatur bei Periarthropathia humeroscapularis Duplay


  • M-mode (motion) als doppelte Darstellung bewegter Grenzflächen in Form eines B-Bildes auf der x- und der Zeitablenkung auf der y-Achse (z.B. Echocardiographie)
  • realtime Sonographie als hochfrequentes B-Bild durch schnell bewegte Schallimpulse (entweder durch kontinuierliche Bewegung der Quelle (Compoundverfahren) oder rotierende Quellen (Sector-Scan) oder mehrere Quellen (Parallel-Scan) bei fast allen nichtknöchernen und nichtlufthaltigen Weichteilstrukturen (Haut, Subkutis, Lymphknoten, Fett, Muskel, Sehne, Gelenke und Schleimbeutel, Organe wie Schilddrüse, Brustdrüse, Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Blinddarm, Niere, Harnwege, Blase, Vorsteherdrüse, Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter sowie Serosa und Schleimhäute)

Dauerschall oder Doppler-Sonographie

  • durch dauerhaften Schall Darstellung einer Differenz der veränderten Schallfrequenz durch bewegte Impedanzunterschiede (Doppler-Effekt) in einem A- bzw. B-Bild (M-mode)
  • als nichtdirektionales Verfahren (zur RR-Messung an Artt. radialis, ulnaris, tibialis posterior et dorsalis pedis)
  • als direktionales Verfahren (nahezu aller arteriellen und venösen Gefäße einschl. Hirnarterien) (vgl. arterielle Ver-schlußkrankheit.doc)

Duplex-Sonographie

  • Kombination von realtime Sonographie der Weichteilstrukturen mit Doppler-Sonographie der Gefäße in einem B-Bild mit Helligkeitsabstufungen und farbiger Darstellung der bewegten Impedanzen

anderes

  • sonographiegestützte Punktion oder Injektion
 

Literatur

  1. Baudisch E (1988) Grundlagen der Medizinischen Radiologie. Volk und Gesundheit, Berlin 126-8
  2. Graf R (1989) Sonographie der Säuglingshüfte. In Otte P, Schlegel KF (Hrsg.) Bücherei des Orthopäden. Bd. 43 Enke, Stuttgart
  3. Melzer C (1992) Ultraschalldiagnostik. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 60-77
  4. Pschyrembel W (1986) Klinisches Wörterbuch. 255., völlig überarb. und stark erw. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 1736
 
      
Aktualisiert:27.07.2009
 
 
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben