Die Röntgen-Untersuchung


allgemeine Informationen für Patienten

  • Das Röntgen ist apparatives Verfahren mit Nutzung von Strahlung, welche den Körper durchdringen und nach deren Abschwächung durch geeignete Methoden (z.B. Schwärzung eines Filmes) sichtbar gemacht werden. Diese Strahlung entdeckte das Team von Prof. Dr. Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg am 08.11.1895 bei Versuchen mit Kathodenstrahlröhren und wurde als x-Strahlung bezeichnet.
  • Es dient zur Erkennung und Dokumentation von Veränderungen der Knochen, von Kalkeinlagerungen sowie zahlreicher anderer Störungen luftgefüllter Organe. Leider hat das "Röntgen" bei Erkrankungen der so genannten Weichteile, wozu Knorpel, Kapseln, Bänder, Sehnen, Muskeln, Nerven, innere Organe und nicht verkalkte Gefäße gehören, nicht den "Durchblick" und wird viel zu häufig und kritiklos bzw. ohne Behandlungskonsequenz eingesetzt. Zunehmend wird es von anderen Methoden wie Sonographie und Magnetresonanz- bzw. Kernspintomographie ersetzt.
  • Das Röntgen hat immer noch einen hohen Stellenwert bei der Diagnostik von Knochenbrüchen und deren Verlauf, bei der Dokumentation von Operationen an Knochen, Gelenken, Lunge und Darm sowie gutachterlichen Beurteilung von Erkrankungen bzw. Behinderungen seitens des Stütz- und Bewegungsapparates im Rentenverfahren und vor Gericht.
  • Es wird wegen der Nebenwirkungen der Strahlung, wodurch nachweislich noch keine Erkrankung bekannt geworden ist, zur Diagnostik nur nach Anordnung eines Arztes, Kontrolle durch eine(n) medizinisch-technische(n) Röntgen-Assistent(i)en bzw. Qualitätssicherung durch jeden röntgenologisch tätigen und fachkundigen Arzt (§ 16 RöV vom 08.01.1987) und nicht bei Verdacht auf Vorliegen einer Schwangerschaft durchgeführt. Jedes Röntgenbild sollte gespeichert (am besten gleich auf der Chip-Karte), befundet, dem Patienten erläutert und persönlich (und nicht mit der Post irgendwohin geschickt und dort über Jahre gespeichert) ausgehändigt werden.

spezielle Informationen für Kollegen

Synonym

  • x-ray

Definition

  • apparatives diagnostisches Verfahren der Radiologie mit Nutzung von Röntgen-Strahlen, welche den Körper durchdringen und nach deren Abschwächung durch geeignete Methoden (z.B. Schwärzung eines Filmes) sichtbar gemacht werden

Historie

  • am 08.11.1895 entdeckte das Team von Prof. Dr. Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg bei Versuchen mit Kathodenstrahlröhren eine neue noch unbekannte Strahlung, welche als x-Strahlung bezeichnet wurde (Baudisch 1988)

Voraussetzung

Aufklärung
  • mündliche Aufklärung bzw. Einweisung des Patienten

Strahlung

  • x- bzw. Röntgen-Strahlen als Form der elektromagnetischen Wellen (Photonen) mit einer Wellenlänge zwischen 6x10-6 und < 10-11 cm (zwischen UV-Licht und γ-Strahlung) und einer Energie zwischen 10 und 120 keV, welche durch Zusammenstöße energiereicher Elektronen aus einer Glühkathode mit Elektronen aus Atomen der Anode abgebremst werden, das Schleudern von Elektronen auf ein höheres Schalenniveau bewirken und durch Wiederbesetzung dieser Lücken (Elektronensprünge) entsteht

Geräte

  • Röhre mit Elektronenquelle aus Wolframdraht, Vakuum von ca. 10-6 Torr und Antikathode aus Molybdän, Keramik oder Graphit als Brennfleck (0,05x0,05-0,3x0,3mm) und Drehzahl (2800-16000 U/min), Generator mit Transformator für Röhrenspannung (25-150kV) und -strom (1-110mA), Kühlung aus Öl und Luft, Schutzmantel aus Öl und Blei, Filter aus Aluminium oder Kupfer und schließlich Schalttisch)

Filterung

  • Möglichkeiten zur Filterung wie Aufhärtung durch Abschwächung der max. Energie und Homogenisierung durch Erhöhung der mittl. Energie (z.b. 3mm Aluminium) und Schwächung dieser Strahlung durch Atome mit hoher Ordnungszahl (z.B. 1mm Blei-Gummi oder -Glas)
  • Raster

Dokumentation

  • EDV mit Hard- und Software
  • Bildschirm
  • Film
  • Drucker
  • Qualitätssicherung durch jeden röntgenologisch tätigen und fachkundigen Arzt (§ 16 RöV vom 08.01.1987)

Kontrastmittel

  • nach Speck (Keyl 1992)


Ziel

  • Dokumentation und Aussage über Diagnostik, Differentialdiagnostik, Verlauf und Prognose nahezu jede Erkrankung des Stütz- und Bewegungssystems

Indikation

  • (vgl. hintere Umschlagseite aus Bittner und Roßdeutscher 1996)
Erkrankung Indikation Methode
Angina pectoris, RR-Verlust Cor pulmonale, Embolie, Ödem Thorax p.a.
Dyspnoe, Hämoptoe Pneumonie, Ödem, Hämatopneumothorax Thorax p.a.
Trauma Brustkorb Rippenfraktur, Pneumothorax Thorax ⊥
akutes Abdomen Spiegelbildung Abdomen leer i.S
akutes Abdomen freie Luft Abdomen leer i.LS
Trauma Kopf Fraktur Schädel ⊥
Trauma WS Fraktur, Gefügestörung WS-Abschnitt ⊥
Rückenschmerz mit Anamnese und Befund akute oder chronische WS-Erkrankung WS-Abschnitt ⊥
Trauma Extremität Fraktur Region ⊥
regionaler Schmerz mit Anamnese und Befund akute oder chronische Erkrankungen des Knochens oder Gelenkes Region oder Gelenk ⊥
gezielte Fragen zur Funktion bzw. Gutachten Funktion bzw. genauere Darstellung eines Abschnitts Region ⊥, als Tomographie, schräg, in Funktionsstellung oder unter Streß
  • nach Dihlmann für Funktions-Aufnahmen der WS (vgl. S. 13-14 aus Wirth 1992)

Kontraindikation

absolut

  • Nichteinwilligung des ansprechbaren Patienten

relativ

  • Schwangerschaft
  • cave KM-Allergie

Technik

  1. Entkleidung und Lagerung des Patienten
  2. Einstellung der Blende (entspricht dem Format des Filmes) sowie des Focus-Film-Abstand (in cm)
  3. bei KM-Gabe Legen eines i.v. Zugangs und Bereithalten der Notfallmedizin
  4. am Schalttisch Einstellen der Belichtungszeit (in ms), der Röhrenspannung (in kV) und der -stromstärke (in mA)
  5. Maßnahmen zum Strahlenschutz (Abstandsgesetz)

Methoden

Summations- oder Nativ-Aufnahmen

  • meist in 2 senkrecht zueinanderstehenden Ebenen (⊥) als Standard
    Bild: Unterschenkel frontal Bild: Unterschenkel seitlich
    Röntgen-Bild bzw. -Foto Unterschenkel und Rückfuß links in 2 Ebenen (⊥) bei unfallbedingter Spiral-Fraktur Tibia distal und Fibula proximal (hier zweite Summationsaufnahme angefertigt)

Spezial-Aufnahmen

Belastungs- oder Funktions-Aufnahmen

  • bei Fragestellungen zu Pathologien in standardisierten oder individuellen Gelenkstellungen und wenn Summations- oder Nativ-Röntgen nicht aussagekräftig, z.B. Handwurzel d.p. in Ulnardeviation, in Radialdeviation oder unter Faustschluß, DRUG nach Geyer und Luzius (das Röntgen der Hand), Symphyse p.a. im Einbeinstand (das Röntgen des Beckens), Defilé der Patella tangential (das Röntgen des Knies), Vorfuß im Stehen d.p. und seitl. (das Röntgen des Fußes)

gehaltene bzw. Streß-Aufnahmen

  • unter Schmerztherapie bei nicht knöchernen Fragestellungen und wenn Summations- oder Nativ-Röntgen nicht aussagekräftig, z.B. Kapsel-Band-Apparat des ACG, EBG, DRUG, Daumengrund- und -sattel-Gelenkes, KG, OSG und des Chopart-Gelenkes) mit der Hand (cave: Strahlenschutz) oder in speziellen Techniken (z.B. nach Rippstein) bzw. Geräten (z.B. Apparat nach Scheuba)

Tomographie


  Bild: Tomogramm Brustwirbel
 Tomogramm bzw. -graphie seitlich Brustwirbel 12
mit Fraktur nach Sturz bei Osteopenie

Zonographie

  • mit kreisförmiger Bewegung der Röntgen-Röhre (Greenspan 1993)
  • hierzu zählt auch das OPG
    Bild: Zonogramm Gebiß

Scanographie

  • mit Blende von 1,5mm zur Längenmessung zweier Extremitäten (Greenspan 1993)

Teleradiographie oder Orthoradiographie

  • bei Beinlängendifferenz (Wirth 1992)

Durchleuchtung oder Kinematographie

  • intraoperationem
  • bei minimal-invasiver Technik bzw. interventioneller Radiologie (gepulste Radiofrequenztherapie)
  • bei Biopsie
  • mit KM bei Arthro-, Myelographie, Magen-Darm-Passage (MDP) etc.

Aufnahmen mit KM

  • Arthrographie, Bursographie, Gangliographie, Tenographie, Fistulographie, Nukleo- bzw. Diskographie, Myelographie, Angiographie als Arteriographie, Lymphographie, Phlebographie

Subtraktionsverfahren

semiquantitative Aufnahmen

 

Literatur

  1. Baudisch E (1988) Grundlagen der Medizinischen Radiologie. Volk und Gesundheit, Berlin 72-113
  2. Bittner RC, Roßdeutscher R (1996) Radiologie. In Schäffler A, Renz U (Hrsg.) Leitfaden. Gustav Fischer, Stuttgart Jena NewYork
  3. Dihlmann W (1987) Gelenke- und Wirbelverbindungen. 3. überarb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork
  4. Greenspan A (1993) Skelettradiologie. 2. neubearb. Aufl. Chapman & Hall, London Glasgow Weinheim NewYork Tokyo Melbourne Madras
  5. Keyl, W (1992) Röntgenkontrastmitteluntersuchungen. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 23-38
  6. Wirth CJ (1992) Röntgennativdiagnostik. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 12-23, 1041-7
 
      
Aktualisiert: 21.08.2012
 
 
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben