Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT)


allgemeine Informationen für Patienten

  • Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) bzw. Kernspin-Tomographie (KST) wird gern als Magnet-Röntgen bezeichnet.
  • Bei dieser Untersuchung wird jedoch keinerlei radioaktive bzw. Röntgen-Strahlung genutzt. Hier regt ein Magnetfeld Wasserstoffkerne also Protonen im menschlichen Gewebe an (sie "drehen" sich in eine Richtung), welche bei Abschaltung des Magnetfeldes diese Energie (Spin) wieder abgeben (sie "drehen" sich zurück). Je nach Spin entsteht mehrmals pro Sekunde ein Energie-Impuls. Durch computergestützte Datenverarbeitung wird aufgrund des Impulses ein Bild erzeugt, auf dem der Arzt vor allem Erkrankungen der wasser(stoff)haltigen Weichteile wie Gehirn und Nerven, innere Organe, Gefäße und natürlich Muskeln, Sehnen, Bänder, Kapseln, Schleimhäuten, Knorpel aber auch im Knochen deutlich besser als im normalen Röntgen-Bild erkennen kann. Lediglich "Kalk" erkennt man schlecht. Zusätzlich wird eine zu untersuchende Region "geschichtet" (Tomographie), so daß mehrere Bilder mit unterschiedlichen Grautönen entstehen. Durch Spritzen eines Kontrastmittels (z.B. Gadolinium) entstehen bessere bzw. kontrastreichere Bilder. In der Zukunft werden nicht nur farbige Bilder, sondern auch 3-D-Bilder entstehen.
  • Um zu diesen Aussagen zu kommen, muß sich der Patient leider in eine Röhre zwängen und minutenlang bei ohrenbetäubendem Lärm still liegen. Menschen mit Platzangst ist dies nicht oder nur unter "Betäubung" zu empfehlen. Es ist notwendig, alle metallischen Gegenstände abzulegen, da diese vom Magneten sehr stark angezogen und aufgeladen werden. Patienten mit Herzschrittmachern und speziellen Implantaten bzw. Splittern in der Nähe lebenswichtiger Organe sollten so nicht untersucht werden. Auch Kinder benötigen je nach Alter eine kleine Narkose und 1-2 Tage Krankenhausaufenthalt, damit sie "still" liegen.
  • So genannte offene MRT´s, welche für kleinere und neuerdings auch ambulante Untersuchungen (in einem Fahrzeug ist ein MRT installiert) und Patienten mit Platzangst entwickelt wurden, werden natürlich (noch) nicht von allen Kassen akzeptiert und kosten ca. 500 Euro.

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • MRT
  • Kernspintomographie bzw. KST
  • nuclear magnetic resonance or imaging bzw. NMR or NMI

Definition

  • spezielles apparatives diagnostisches Verfahren mit Nutzung von Radiohochfrequenz-Strahlung, welche von Wasserstoffkernen des Körper nach Anregung in einen energiereichen Zustand durch einen äußeren Impuls im Magnetfeld wieder abgeben und durch computergestützte Datenverarbeitung sichtbar gemacht werden

Historie

  • 1946 von Bloch und Purcell entdeckt, 1983 eingeführt

Voraussetzung

Aufklärung Feld
  • Magnetfeld und Ausrichtung der Drehachse, worum sich Atomkern mit ungerader Protonenanzahl in unbeeinflußter Orientierung dreht (Spin), Aussendung einer gepulsten Radiohochfrequenz-Strahlung und Auslenkung dieser Drehachsen mit Energieaufnahme je nach Art der physiko-chemischen Bindung des Wasserstoff-Atoms und Energieabgabe durch Übergehen in den energieschwächeren Zustand nach Weglassen dieses Impulses
Geräte
  • Empfänger mit Analog-Digital-Wandler, Akkumulator und Fourier-Transformation des Signals in longitudinale Relaxationen, welche die Zeit vom Abschalten des Impulses bis zum Erreichen der ursprünglichen Ausrichtung der Drehachsen im Feld beschreibt (T1) und transversale Relaxationen, welche den Verlust an Phasenkohärenz zwischen den Protonen beim Eintreffen des Impulses beschreibt (T2)
Kontrastmittel
  • Gadopentetsäure als Dimegluminsalz bzw. Gadolinium ®
Dokumentation
  • EDV mit Hard- und Software
  • Bildschirm zur Darstellung der T1- und T2-Sequenzen, wobei ein hoher Kontrast zu einem guten Bild in Graustufen führt
  • Drucker

Ziel

  • Dokumentation und Aussage über Diagnostik, Differentialdiagnostik, Verlauf und Prognose nahezu jede Erkrankung des Stütz- und Bewegungssystems sowie bei gezielten nicht durch CT-Aufnahmen zu diagnostizierter Fragestellung

Indikation

  • nahezu jede Erkrankung der nichtlufthaltigen Gewebe (Trauma, Infektion, Stoffwechsel, Tumor etc.), welche durch andere diagnostische Verfahren nicht zu diagnostizieren sind

Kontraindikation

absolut
  • Herzschrittmacher und Kardiovertierer bzw. Defibrillator
  • Cochlea-Implantate und Stapes-Prothesen
  • Neurostimulatoren

    relativ

  • Hirnaneurysma- u.a. ferromagnetische Clips
  • div. künstliche Herzklappen und Pumpen
  • Metalle im Untersuchungsgebiet
  • Schwangerschaft
  • nichtkooperativer Patient (Säuglinge, Kleinkinder, Kinder, Bewußtseinsstörung (hier ggf. kontrollierte Narkose nötig) bzw. psychiatrische Erkrankung)

Technik

  1. Entkleidung und Lagerung des Patienten
  2. bei KM-Gabe Legen eines i.v. Zugangs und Bereithalten der Notfallmedizin
  3. am Terminal Einstellung einer Sequenz

Methoden

  • Spin-Echo mit 3-8mm Schichtdicke
  • partielle Sättigungserhöhung
  • chemische selektive Suppression
  • schnelle Scan-Technik
  • spezielle Fettunterdrückung
  • variable Auslenkwinkel bzw. Gradienten-Echo (z.B. 70°)
  • Aufnahmen mit KM (z.B. Arthro-MR, Angio-MR)
LWS transversal und sagittal bei Spinalstenose aufgrund Hypertrophie des Lig. flavum, Spondylarthrose und erosiver Osteochondrosis vertebrae mit mediolateralem Nucleus pulposus prolaps links KG bei Meniskopathie Grad 4 medial (pars intermedia) mit reaktivem Spongiosaödem (bone bruise) mediales Tibiaplateau bei Chondromalazie

 

Literatur

  1. Baudisch E (1988) Grundlagen der Medizinischen Radiologie. Volk und Gesundheit, Berlin 128-31
  2. Hundeshagen H, Heintz P (1992) Kernspintomographie. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 45-8
  3. Greenspan A (1993) Skelettradiologie. 2. neubearb. Aufl. Chapman & Hall, London Glasgow Weinheim NewYork Tokyo Melbourne Madras 25-7
  4. Pschyrembel W (1986) Klinisches Wörterbuch. 255., völlig überarb. und stark erw. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 851-2
  5. Schubert R (2008) Indikationen zur MRT. ABW Wissenschaftsverlag, Berlin
 
      
Aktualisiert: 20.03.2011
 
 
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben