Korrektur des Innenballens bzw.
Hallux valgus

allgemeine Informationen für Patienten


  • Die Korrektur der Innenballens bzw. Hallux valgus ist eine Operation, welche immer häufiger durchgeführt wird. Die Tatsache, daß es bis heute weit über 100 verschiedene Methoden gibt, zeugt von der Suche nach der optimalen Methode.
  • Leider sorgen die Schwerkraft der Erde, der aufrechte Gang des Menschen, das moderne Schuhwerk mit zu hohem Absatz und zu schmaler Spitze sowie die nachlassende Kraft der Bein- und Fuß-Muskeln für immer neue Gründe und Formen dieser guten Operation.
  • Sie hat das Ziel, die "Frostbeule" zu beseitigen (Abtragung des schmerzhaften "Ballens"), den Schmerz unter den anderen Zehen zu lindern und den Spreizfuß zu "schmälern" (Einrichten und Stabilisieren des ersten Mittelfußknochens) sowie das Großzehen-Grundgelenk vor vorzeitigem Verschleiß (Die steife Großzehe bzw. Hallux rigidus) zu bewahren (Lösen der Weichteile bzw. "release" und Raffung der Gelenkkapsel bzw. "shifting").
  • Zur Vorbereitung genügt ein Röntgen-Bild, welches allerdings unter stehender Belastung angefertigt werden sollte.
  • Zur Nachbehandlung, welche wegen der möglichen Schwellung (aufgrund der Erdanziehungskaft) durch Einblutungen aus dem Knochen immer bei möglichst strenger Bettruhe und Hochlagerung des Fußes stattfinden sollte, gehört ein Vorfußentlastungsschuh bzw. VES, mit dem die Ferse belastet werden kann und zwei Unterarm-Gehstützen bzw. UAGS (Hilfsmittel), damit das Aufstehen und Gehen schrittweise möglich wird. Je nach Wundheilung (Wundbehandlung und-verschluß) werden die Fäden entfernt, eine spezielle Hallux-Schiene getragen und die Krankengymnastik unter Fortsetzung der Thromboseprophylaxe begonnen. Nach durchschnittlich 6 Wochen und unauffälligen Röntgen-Kontrollen darf mit neuen Einlagen bzw. Schuhzurichtungen schrittweise voll belastet werden. Allerdings sollte man über die Schuhe nicht nur nachdenken, sondern auch flacher und breiter gestalten. Spezielle Schienen nützen dann auch nichts mehr.

spezielle Informationen für Kollegen


Voraussetzung

Ziel

  • Korrektur der Achsenabweichung des I. Strahls des Fußes (Reposition zu den Sesambeinen) sowie der Fehlstellung bzw. Deformität des Großzehen-Grund-Gelenkes (GZGG) bzw. Metatarso-Phalangeal-Gelenkes I (MTPG I)
  • Prophylaxe einer sekundären Arthrose des GZGG bzw. MTPG I

Indikation

  • Hallux valgus mit
    • therapieresistenter bzw. Arthralgie GZGG bzw. MTPG I sowie lokalem Schmerz über Metatarsale I und Pseudoexostose einschl. Dermo-, Burso- und Osteoarthropathien einschl. Infektionen
    • Transfermetatarsalgie und Kompromittierung der Kleinzehen (Deformität, Clavus, Schwielen u. a. Hyperkeratosen) im Rahmen des Spreizfußes,
    • Pedalgie bzw. Tarsalgie im Rück- und Mittelfuß mit funktionellen Störungen einschl. Blockierungen, muskulären Dysbalancen, rezidivierenden Instabilitäten und Schuhkonflikten einschl. Hyperkeratosen durch Insuffizienz des I. Strahls im Rahmen des Knickfußes

Kontraindikation

  • (Die orthopädisch-unfallchirurgische Operation)
  • mittel- und höhergradiger Arthrose des MTPG 1 bzw. GZGG
  • primäre und sekundäre (v.a. diabetische) Neuro-, Osteo- und Angiopathien bzw. Multimorbidität
  • nicht ausgeschöpfte Orthopädie-Technik (v.a. Schuhzurichtungen und Nachtschienen)
  • hohes Schuhwerk
  • somatoforme Störungen einschl. Psychosomatosen, Schmerzgedächtnis und Schmerzkrankheit

Technik


Prinzip

  • Gleichgewicht zwischen aktiven und passiven Abduktoren und Adduktoren (entspr. release M. adductor und lat. Kapsel bzw. shifting med. Kapsel nach Abtragung Pseudoexostose und Bursitis)
  • Reposition des Metatarsale-I-Köpfchens über die Sesambeine unter Beachtung der Länge und Rotation (entspr. Osteotomie MT I und release lig. transversum)
  • evtl. Stabilisierung der Basis des I. Strahls bei Hypermobilität des I. Tarsometatarsal-Gelenkes (TMT)
  • evtl. Korrektur eines Hallux valgus interphalangeus

Methode


Zugang

  • Längsschnitt über GZGG bzw. MTPG I und optionaler proximaler Erweiterung zwischen EHL-Sehne und Scheitelpunkt des Hallux (Pseudoexostose)
  • schrittweises Vorgehen auf GZGG bzw. MTPG I durch Haut mit Hautmesser, Unterhaut mit Tiefenmesser, Faszien mit Messerstiel unter Darstellen bzw. Schonen von Gefäß-Nervenbündeln oder Kauterisieren bzw. Ligatur derselben (evtl. Excision der Bursa)
  • laterales release durch Zugang nach lateral (optional über zweitem Hautschnitt längs intermetatarsal I und II) unter Hilfe von Wundspreizer und distalem kleinen Haken nach Langenbeck

Weichteil-Eingriff (mediales shifting und laterales release)

  • nach Petersen (1888) laterales release
  • nach Silver (1923) soft tissue tendon balance durch lat. Kapsulotomie, Y-flap und med. shifting
  • nach McBride (1928) zusätzliche Mobilisation und Resektion laterales Sesambein, Transposition des M. adductor von Grundphalanx auf MT I
  • weitere Modifikationen nach Schede (1927), Silverskjöld (1927), nach Balog und Erlacher (1928) mit Transfer des M. adductor, nach Hiss (1931) Transfer des M. abductor, nach Krukenberg (1932) Transfer M. extensor hallucis longus nach medial auf Grundphalanx und M. extensor hallucis brevis nach medial auf MT 1 sowie und nach von Stein (1938)
  • nach Joplin (1950) Transfer des M. extensor digiti minimi
  • nach de Vries (1959) Mobilisation ohne Resektion des Sesambeins
  • nach Lelièvre (1967) zusätzliche Medialisierung der Sesambeine (Durchtrennung des Lig. transversum),
  • neben Y-flap gibt es T-flap, L-flap, U-flap,

Resektion der Pseudoexostose

  • nach Payr (1894) u.a. Resektion des Pseudfoexostose
  • nach Schede und Stiller sparsame (an der Diaphyse tangential liegend) Abtragung mit möglichem Erhalt der Nute zum GZGG bzw. MTPG I

Korrektur-Osteotomie am Metatarsale I

bei geringem Intermetatarsal-Winkel (IMW) kleiner 15° und größerem proximalem Artikulationswinkel (PAW)
  1. subkapital
    • nach Reverdin (1881) neben Resektion der Pseudoexostose Keil-Osteotomie (sub)kapital mit medialer Basis
    • nach Barker (1884) wie Reverdin mit Erhalt der lateralen Kortikalis
    • nach Peabody (1931), Funk und Wells wie Reverdin, jedoch distaler
    • nach Green (1977) Modifikation von Reverdin L-förmige Osteotomie zur Prophylaxe von Adhäsionen plantar
    • nach Laird (1977) Modifikation von Green Durchtrennung der lateralen Kortikalis mit zusätzlicher Transposition des distalen Fragmentes und Derotation des Kopfes durch zweiten Keil aus plantarer Osteotomie
    • nach Todd (1981) Modifikation von Laird mit Keil aus 1. Osteotomie je nach Elevation des Hallux
    • nach Fenton und McGlamry (1982) reverse buckling unter Einschluß der Sehnen und postoperativer Quengelverband bzw. Schiene
    • nach Zyzda und Hineser (1989) Interposition des Keils nach 180° Drehung bei nötiger Verlängerung des MT 1
  2. distal (chevron)
    • nach Schotte (1929) mit erstmaliger v-förmiger chevron-Osteotomie mit nach proximal zeigender Spitze als Modifikation der basisnahen Osteotomie nach Kotzenberg
    • nach Austin und Leventen (1962) Modifikation von
    Schotte mit chevron-Osteotomie und nach distal zeigende Spitze von 60°

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    • nach Youngswick u.a. Autoren zahlreiche Modifikationen bei zu langem, zu kurzem bzw. eleviertem und plantarisiertem MT 1 sowie zu großem PAW
    • nach Hill und Marek (1990) als Kompromiss zwischen Reverdin und Austin
  3. distal (trapez)
    • nach Hohmann (1923) mit subkapitaler Trapez-Osteotomie mit medialer Basis zur Derotation, Transposition und Winkelkorrektur (DTW-Osteotomie) und Transposition des M. abduktor hallucis (immer Verkürzung des MT 1)
    • nach Kramer Modifikation von Hohmann durch parossäre K-Draht-Fixation
    • nach Roux (1920) und Mitchell (1954) subkapitale OT mit Erhalt eines lat. Sporns (immer Verkürzung des MT 1)
    • nach Wilson (1963) mit subkapitaler Schräg-Osteotomie nach lateral-proximal (immer Verkürzung des MT 1) und Modifikation nach Helal (1972) und nach Bösch (1988) mit subkapitaler Schräg-Osteotomie nach lateral-distal
    • nach Magerl (1982) mit subkapitale OT und DTW nach medial und plantar

    bei größerem IWM > 15° und ger. PAW
  4. proximal
    • nach Loison (1901) basisnahe Keil-Osteotomie mit lateraler Basis (immer mit Verkürzung des MT 1)
    • Modifikationen nach Balacescu (1903), Sorrel (1922), nach Trethowan (1928) OT mit Implantation von Keil aus Pseudoexostose mit medialer Basis zur Verlängerung, nach Golden (1961) mit lat. Sporn, nach Trott (1972) mit Transfer M. adduktor durch Bohrloch im MT 1
    • Modifikation durch Fixation an Basis MT 2







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    • mit bogenförmiger Osteotomie
  5. diaphysär
    • nach Ludloff (1918) von dorsal-proximal nach plantar-distal schräge Osteotomie
    • nach Juavara (1919) von medial-distal nach lateral-proximal schräge OT mit ger. Verkürzung
    • oder Mau (1926) von dorsal-distal nach plantar-proximal
    • nach Meyer (1926) z-förmige scarf-Osteotomie mit Verzahnung ("Laschung") der Fragmente nach Korrektur
    • zahlreiche Modifikationen (z.B. Osteotomie von proximal medial nach distal lateral) bei zu langem, zu kurzem bzw. eleviertem und plantarisiertem MT 1









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    bei größerem IMW > 15° und größerem PAW
    • nach Logroscino (1948), nach Baker (1953) und Lange (1962) Doppel-Osteotomien
    • nach Mann (1992) Kombination von distalem Weichteileingriff einschl. Durchtrennung lig. profundum zw. Sesambein und MTK II sowie proximaler Osteotomie


Korrektur-Osteotomie an Phalangen

  • nach Akin (1925) zur Korrektur eines Hallux valgus interphalangeus mit Staple (z.B. QuickFix Small Staple System von Arthrex)





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Arthroplastik bzw. Resektion von Grundphalanx und/oder MTK 1

  • nach Keller (1912) und Brandes (1929) Modifikation von Riedel (1886) und Rose (1897) mit Resektion von Teilen der Grundphalanx und Arthroplastik des MTK 1 sowie Gelenkinterponat bei höhergradiger Arthrose mit Schmerzen und schlechter Knochenqualität
  • nach Hueter (1871) und Mayo (1908) Modifikation von Liston (1835) mit Resektion des MTK 1
  • weitere Modifikationen Lexer 1917, Heymann 1922, Elmslie 1926, Barnard 1930, Kruimel 1931, Bade 1940, Kreglinger 1943, Platzgummer und Jud 1952, Russe 1953, Prignacchi und Zanasi 1957, Lelièvre 1967, Miller 1974

Korrektur-Osteotomie am Cuneiforme mediale

  • nach Dreesmann (1928) Keil-Osteotomie mit Modifikation nach Fowler mit Implantation von Keil aus Pseudoexostose mit medialer Basis zur Verlängerung
  • nach Kleinberg (1932) zusätzlich an Basis MT 1

Arthrodese des TMT-Gelenk I

  • nach Lapidus (1934 und 1960) als Modifikation nach Albrecht (1911), Truslow (1925) und Durman (1957)







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Arthrodese des MTPG 1 bzw. GZGG

  • nach McKeever (1952)

Literatur

  1. Austin DW, Leventen EO (1981) A new osteotomy for hallux valgus. Clin Orthop; 157: 25
  2. Balacescu J (1903) Un caz de hallux valgus simetric. Rev Chir; 7: 128
  3. Hills RS, Marek IJ (1990) Modifikation of the Kalish osteotomy to correct the proximal articular set angle. J Am Podiatr Med Assoc; 80:424
  4. Hohmann G (1921) Symptomatische oder physiologische Behandlung des Hallux valgus? Münch Med Wochenschr; 33: 1042
  5. Juavara E (1919) Nouveau procede pour la cure radicale du "hallux valgus". Presse Med; 40: 395
  6. Logroscino D (1948) Il trattamento chirurgico dell'alluce valgus. Chir Organi Mov; 32: 173
  7. Loison M (1901) Note sur le traitment chirugicale du hallux valgus d'apres l'etude radiographique de la deformation. Bull Soc CHir Paris; 27: 528
  8. Ludloff K (1918) Die Beseitigung des Hallux valgus durch die schräge planto-dorsale Osteotomie des Metatarsale I. Arch Klein Chir; 110: 364
  9. Marcinko DE (1994) Hallux valgus. Ullstein-Mosby, Berlin
  10. Mau C, Lauber HAT (1926) Die operative Behandlung des Hallux valgus (Nachuntersuchungen) Dtsch Z Chir; 197: 363
  11. Reverdin J (1881) Anatomie et operation de l`hallux valgus. Int Med Congr
  12. Trethowan J (1923) Hallux in Choyce cc (ed). A System of Surgery. NewYork, PB Hoeber
  13. Younswick F (1982) Modification of the Austin bunioectomy for treatment of metatarsus primus equinus associated with hallux limitus. J Foot Surg; 21: 114
      
Aktualisiert: 05.11.2012
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben