Korrektur und Versteifung der
Wirbelsäule bzw. Spondylodese

allgemeine Informationen für Patienten


  • Diese Operationen sind eine der aufwendigsten und schwierigsten Operationen in der orthopädischen Chirurgie.
  • Sie haben das Ziel, eine Verkrümmung der Wirbelsäule (Die Skoliose, Der Rundrücken bzw. Kyphose), welche trotz Korsett fortschreitet bzw. Komplikationen wie chronischer Schmerz, Hohlnacken bzw. Unfähigkeit den Horizont zu sehen ohne die Knie zu beugen, Einengung der Organe im Brustkorb mit Luftnot und zu niedrigem Blutdruck sowie Reizung einzelner Nerven verursachen kann, zu begradigen. Bei Kindern und Heranwachsenden kann damit das Wachstum "gerader" und bei Erwachsenen bzw. Greisen das Leben "aufrechter" gestaltet werden.
  • Bei einem Wirbelsäulengleiten (Das Wirbelgleiten bzw. Spondylolisthesis), welches angeboren oder durch Leistungssport bzw. Bandscheibenleiden erworben ist, bei einer eitrigenEntzündung bzw. Wirbelbruch (Verletzungen der Wirbelsäule), welcher durch einen Unfall oder eine Geschwulst (Krebs und Metastasen der Wirbelsäule) entstanden ist, können diese Operationen eine Wirbelsäule wieder aufrichten und nach Entfernung kranken Gewebes wieder stabilisieren, damit das Leben ohne Querschnitt weitergeht.
  • Die Angst vor einem Querschnitt nach solch einer Operation ist oft unbegründet und hängt eher von der zugrundeliegenden Erkrankung (Das Bandscheibenleiden, Die Recessus- und Spinalstenose) ab.
  • Je nach Grunderkrankung der Wirbelsäule bzw. Komplikationen der Nerven muß eine z.T. jahrelange Rehabilitation erfolgen um den Erfolg zu untermauern. Dazu gehören auch die Gestaltung einer behindertengerechten Wohnung (evtl. auch betreutes Wohnen), die Teilhabe am Arbeitsleben, ein behindertengerechter Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz, Hilfsmittel für Fortbewegung einschl. Kraftfahrzeuge, ein Korsett, eine Schmerztherapie sowie tägliches eigenständiges Üben sowie wöchentliches Schulen und Krafttraining der Rumpf-Muskeln (Krankengymnastik).

allgemeine Informationen für Kollegen


Synonym

  • Korrektur-Osteotomie und Fusion der WS

Historie

  • 1930 berichtete Goldstein über Skoliose-Operation
  • 1962 Harrington (Australien)
  • 1973 Dwyer (USA)
  • 1975 Zielke (BRD)
  • 1982 Luque (Brasilien)
  • 1984 Cotrel und Dubousset (Frankreich)

Voraussetzung

Ziel

Indikation

Kontraindikation

Technik


dorsal
  • Fixateur interne
  • Hakenplatte
  • Hakenschraube
  • DKS-System (Teil des USIS ©)
ventral
  • Transplantat (Rippe, Fibula etc.)
  • Span (kortikospongiös)
  • Verbund-Osteosynthese mit Knochen-Zement (Palacos ©)
  • Platten (Rohr-, H-, VSP- etc.)
  • Schrauben und Draht
  • Körbchen (MOSS ©)
dorsoventral
  • Fixateur interne und Platte (USIS ©)

Methode


Fusion

nach Gschwend
  • dorsale Cerclage mit Schrauben und Span occipitocervical bis C2
nach Brattström
  • dorsale Cerclage mit Span occipitocervical bis C2
nach Brooks-Southwick
  • dorsale Cerclage mit Span atlantoaxial
nach Gallie
  • dorsale Cerclage mit Span atlantoaxial
nach Magerl
  • dorsale Schraube, Cerclage mit Span C2/3
nach Harms und Schmelze
  • ventrale Platte C1/2
nach Cloward
  • ventral mit rundem Dübel aus Beckenkamm
nach Smith-Robinson
  • ventral mit flachem Dübel aus Beckenkamm
nach Wiltse
  • dorsal mit Span lumbal
nach Scott
  • dorsal mit Cerclage (direct repair) lumbal
nach Harrington und Tulles
  • dorsal mit Distraktionsstäben lumbal
nach Buck et al.
  • dorsal mit Schraube lumbal
nach Morscher
  • mit Hakenschraube lumbal
nach Louis
  • mit Schmetterlingsplatte lumbal
nach Gill
  • dorsal mit LE und Foraminotomie lumbal
nach Louis
  • ventral mit Judet-Schraube lumbal
Skoliose

nach Harrington
  • mit Stab und bisegmentaler (je einem cranialen und caudalen Haken unter- oder oberhalb eines WB) Distraktion auf konvexer Seite der Skoliose unter Operation (wegen Gefahr der Läsion des RM Aufwachtest und geschulter Aufforderung nach Bewegen der Hände und Füße durch Patienten) und Fixation in Kerben mit splint sowie zusätzlicher Spongiosaplastik und cerclage zwischen Dornfortsätzen und WB mit postoperativem Gips für ca. 6 Monate, Korsett für weitere 6 Monate und paralleler KG
nach Matzen
  • mit Arthrodese der kleinen Wirbelgelenke durch Spongiosa und cerclage an paraspinal angelagerte Späne (Matzen und Matzen 1988)
nach Luque
  • mit 2 biegbaren Stäben (vgl. Rush-pin) und Wachstumslenkung durch cerclage um die WB entlang eines Stabes (vgl. Symbol der Orthopädie) sowie Spongiosaplastik und cerclage zwischen Dornfortsätzen ohne postoperativem Gips bzw. Korsett jedoch paralleler KG bei Gefahr der weiteren Rotation der vorderen WS-Abschnitte mit "Kurbelwellenphänomen"
nach Cotrel-Dubousset (CD)
  • mit 2 Stäben und polysegmentaler Distraktion auf konvexer sowie Kompression auf konkaver Seite der Skoliose unter Operation bei gleichzeitigem Aufbau einer physiologischen Sagittalschwingung und Fixation in Gewinde sowie zusätzlicher Spongiosaplastik zwischen Dornfortsätzen und WB ohne postoperativem Gips, jedoch paralleler KG
nach Dwyer
  • mit Anfrischung des ZWR und Anlage eines Titankabels von konvex an der Primärkrümmung (Matzen und Matzen 1988)
nach Zielke
  • ventral Derotationsspondylodese (VDS) mit je einer Schraube im WK (lateral von konvexer Seite) und Kompression mit Fixation in Stab mit Gewinde bei gleichzeitigem Aufbau einer physiologischen Sagittalschwingung sowie Derotation mit zusätzlicher Spongiosaplastik zwischen WK nach Ausräumung und Anfrischung des ZWR (ventrale Derotationsspondylodese bzw. VDS) mit postoperativem Gips für ca. 6 Monate, Korsett und paralleler KG
Kyphose

nach Bradford
  • ventrale Transplantation einer vaskularisierten Rippe
nach Lindseth und Stelzer
  • dorsale Resektion von WK und Fusion zweier Hälften
nach Dunn
  • dorsale lumbosacrale Korrektur mit Stab nach Luque
nach Galveston
  • dorsale lumbopelvine Korrektur mit Stab nach Luque
nach Hsu-Yau-Leong bzw. Zielke
  • dorsale Korrektur nach Resektion von WB bzw. Gelenke mit USIS
nach Mason und Urist
  • dorsoventrale Korrektur nach Kolumnotomie und Halo-System
Lordose

nach Bradford
  • ventrale Späne
WK-Ersatz

nach Askani-Zielke
  • dorsaler Fixateur
nach Polster
  • ventrales intersegmentales Gewinde
nach Harms
  • Körbchen

Literatur

  1. Bauer R, Kerschbaumer F, Poisel S (1991) Orthopädische Operationslehre. Bd. I Wirbelsäule. Georg Thieme, Stuttgart NewYork
  2. Bauer R, Kerschbaumer F (1992) Wirbelsäule und Brustkorb. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 675-79
  3. Dubousset J, Cotrel Y (1989) Die CD-Instrumentation in der Behandlung von Wirbelsäulendeformitäten. Orthopäde 18: 118
  4. Dwyer AF (1973) Anterior Instrumentation for scoliosis. Israel J. med. Sci. 9: 805
  5. Harrington PR (1962) treatment of scoliosis. Correction and internal fixation by spine instrumentation. J. Bone Jt. Surg. 50-A: 848
  6. Luque ER (1982) The correction of postural curve of the spine. Spine 7: 270
  7. Zielke K, Pellin B (1975) Ergebnisse operativer Skoliosen- und Kyphoskoliosen-Behandlung beim Adoleszenten über 18 Jahre und beim Erwachsenen. Z. Orthop. 113: 157
      
Aktualisiert: 16.08.2011
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben