Die orthopädisch-unfallchirurgische
Operation

allgemeine Informationen für Patienten

  • Die Operation stellt einen Eingriff in die körperliche Integrität eines Menschen durch Eröffnung seiner Körperoberfläche mit chirurgischen Instrumenten durch einen Arzt bzw. eine bewilligte Körperverletzung dar. Bei Nichtvolljährigen, in lebensbedrohlichen Situationen sowie bei Bewußtseinseinschränkungen muß ein Vormund bzw. der Arzt allein und ggf. schnell, d.h. binnen wenigen Minuten entscheiden.
  • Vor jeder Operation kommt es auf die Beurteilung des Verlaufs und der Prognose der Krankheit im Vergleich zur konservativer Behandlung sowie die ausführliche und schriftliche Aufklärung des Patienten an. Zur eigentlichen Vorbereitung gehören
    • die Dokumentation des Untersuchungsbefundes und/oder Status praesens,
    • der bisherigen Diagnostik sowie Therapie (siehe Berichte und Befunde bzw. elektronische bzw. Kartei-Akte und in ungewisser Zukunft auch auf der Chip-Karte?),
    • die Nüchternheit von mind. 6 Stunden (jeder Mageninhalt kann bei Narkosen plötzlich erbrochen werden und schwere Lungenentzündungen hervorrufen),
    • die normale Seifen- Waschung und evtl. Rasur (aber nur am Tag der Operation) sowie
    • die entsprechende Op- Kleidung ohne abnehmbaren Haar- und Körperschmuck, Piercing, Brille, Gebiß- u.a. Prothesen.
  • Zur Ausschaltung des Schmerzes, welcher beim "Aufschneiden" entsteht, wird eine Vollnarkose, eine "rückenmarksnahe" oder örtliche Betäubung (die Schmerztherapie) durch den Operateur oder einen Narkose -Arzt durchgeführt.
  • Der Operations- bzw. OP-Saal unterliegt strengen Hygienevorschriften, welche peinlichst kontrolliert werden. Nachdem der Patient auf dem Tisch liegt, die Narkose "sitzt", Operateur und Assistenz Kopftuch, Mundschutz, Op-Kleidung einschl. sterilen Kittel und Handschuhe tragen bzw. sich "gewaschen" haben, die Op-Schwester sterile, d.h. keimfreie Instrumente auf einem Tisch ausgebreitet hat, das Op-Gebiet "abgewaschen" und schließlich alles steril abgedeckt wurde, sprechen nur noch Skalpell, Pinzette, Haken, Schere, Klemme, Zange, Säge, Bohrer, Meißel, Nadeln, Nadelhalter und Nahtmaterial (Wundbehandlung und -verschluß).
   
Bild: OP am Ballen
    beendete Vorbereitung für eine Operation am Ballen (bei bereits laufender Narkose erfolgt jetzt der "Schnitt")
  • Natürlich kommen Kamera, Bildschirm, Drucker und Video sowie Röntgen (C-Bogen, Bildschirm und Printer) und Implantate aller Art zur Anwendung. Am Ende entscheiden Aufwachphase, Schmerztherapie, Wundheilung und Narben (das Störfeld) über den eigentlichen Erfolg.

allgemeine Informationen für Kollegen

Definition

  • Eingriff in die körperliche Integrität eines Patienten durch Eröffnung seiner Körperoberfläche mit chirurgischen Instrumenten und Veränderung der Anatomie durch einen (teil)approbierten Arzt mit Gebietsanerkenung bzw. unter Assistenz eines Arztes mit Gebietsanerkennung nach aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand unter Voraussetzung der Indikationsstellung, schriftlichen Aufklärung des mündigen Patienten bzw. seiner Berechtigten

Voraussetzung

Indikationsstellung
  • Beurteilung des Verlaufs und der Prognose der Krankheit im Vergleich zu konservativer Behandlung
  • Erläuterung je nach Krankheitssituation über Zeitpunkt, Art, Verlauf und Risiko einer Operation (allgemeines wie Alter, Blutarmut (Anämie), Gerinnungsanomalien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselentgleisung, Über- (Adipositas) oder Unterernährung (Kachexie) und spezielles wie Infektion, Thrombose, Embolie, Verletzung von Nerven, Gefäßen und Organen mit Infarkt und Organversagen) je nach Dringlichkeit des Eingriffs bzw. AZ des Patienten
Aufklärung
  • mündliches Einverständnis des mündigen Patienten bzw. eines Erziehungsberechtigten oder Vormunds (auch telefonisch) bei dringlicher Indikation
  • Gegenzeichnung durch aufklärenden Arzt mit entsprechender Erfahrung sowie des mündigen Patienten bzw. mind. einer seiner Erziehungsberechtigten oder Vormund bei elektivem Eingriff 24 h vor Operation
Vorbereitung
  • Status praesens, Lokalbefund, Diagnostik (Labor, Röntgen, Sono, CT, MRT, Szinti, Angio, Biopsie etc.)
  • Nüchternheit, Waschung, Rasur, Kleidung, Schmuck, Gebiß etc.
Anästhesie
  • Prämedikation am Vortage bzw. je nach Dringlichkeit
  • Vollnarkose mit verschiedenen Beatmungsformen und -geräten oder Lokalanästhesie
Saal
  • Belüftung und Klimatisierung
  • Schleuse für Patient, Personal und Instrumente sowie Abfall
  • Tisch, Beleuchtung, Druckluft, Strom, Saugung
Operation
  • Vorbereitung (Lagerung auf Rücken, Seite, Bauch, sitzend z.B. in beach-chair-Position, Blutleere oder -sperre an Arm oder Bein, spezielle Halterungen für Hände (Handtisch, Gummikissen und -zügel), Arme und Beine (z.B. bei Gelenkspiegelung bzw. Arthroskopie))
  • Waschung (chirurgische Händewaschung der Hände und Unterarme bis über das Olecranon mit Seife und gel. Bürstung bzw. Reinigung der Fingernägel zur Antispesis, Trocknung und Einreiben von Desinfektionsmitteln mehrmals hintereinander an Händen und Unterarmen bis unter das Olecranon, an Händen und Unteram sowie an Händen für insgesamt 5 min bis zur Asepsis),
  • Desinfektion des Op-Gebietes mit Desinfektionsmittel) 3 x hintereinander mit jeweils neuem sterilem Tupfer oder Platte (dabei immer kleineres Gebiet von innen nach außen abwischen und potentielle kontaminierte Gebiete zuletzt) bis zur Asepsis und sterile Abdeckung
  • Operation (von Schnitt bis Naht, ggf. als Arthroskopie (Kamera, Bildschirm, Drucker und Video) sowie mit Röntgen (C-Bogen, Bildschirm und Printer) unter Nutzung von Kontrastmittel (das Röntgen)
  • Aufwachphase (von Naht bzw. sterilem Wund- bzw. Kompressionsverband einschl. elastischer bzw. lymphatischer Thromboseprophylaxeverbände und -lagerungen im Aufwachbereich bzw. bei Notwendigkeit auf Intensivstation bzw. ITS)
Instrumente Skalpell
  • mit runder, halbrunder und spitzer Klinge für Haut und Tiefe
Pinzette
  • anatomisch, chirurgisch sowie Splitterpinzette
Haken
  • nach Langenbeck, Hohmann, Müller, Roux bzw. scharfe und stumpfe Wundhaken (Ein-, Zwei-, Drei-, Vier- und Mehrzinker)
  • Selbsthalter mit und ohne Gelenk
  • Tasthaken für Arthroskopien
Schere
  • nach Metzenbaum (Präparierschere), Cooper (gerade und gebogene Fadenschere), Wiechel (Rüsselschere), Listen (Knochenschere)
Klemme
  • nach Overholt-Geissendörfer (Ligaturklemme), Backhaus und Allis (scharfe Klemmen), Kocher (chirurgische Klemme), Pean (anatomische Klemme)
Zange
  • nach Bircher, gerade und gebogene Kornzange nach Maier, Faßzange, Biopsiezangen, Biegezange, Repositionszangen in unterschiedlicher Größe
Säge
  • oszillierende, Amputations- oder Knochensäge
Bohrer und -futter
  • Handbohrer, starre und flexible Bohrer, gekurvte Ahle bzw. Pfriem (auch für arthroskopische Mikrofrakturierungen des Knorpels,
Meißel
  • gebogener und gerader Meißel nach Lambotte, Hohlmeißel, Kastenmeißel
Katheder, Sonden und Nadeln
  • nach Nelaton, Thiemann, Dennis, Miller-Abott, Schmieden, Dechamps, Kocher, Reverdin sowie Knopfsonden (die Biopsie)
Nadelhalter
  • nach Hegar, Mathieu-Kocher, Redwitz
andere
  • Löffel (scharfer Löffel in unterschiedlichen Größen)
  • Stanze nach Luer, ducktail, "Katzenkopf", für Arthroskopien
  • Hammer, Schlitzhammer
  • Schränkeisen, Biegepresse
  • Spatel, Elevatorium, gerades und gebogenes Rasparatorium
  • Gewebeschutz nach Böhler
  • Meniskotom
  • Mono- und Bipolar für Elektro-Koagulation
  • Sauger
  • Pumpe für Arthroskopie
  • shaver

Ziel

  • Restitutio ad integrum

Indikation

  1. Notfall (sofort)
  2. dringlich (<6h)
  3. bedingt dringlich (Tage)
  4. elektiv (Wahleingriff)
  5. palliativ (cave: Lebensqualität)

Kontraindikation

  • Nichtaufklärung (schriftlich)
  • Nichteinwilligung des kooperativen Patienten bei dringlichen, elektiven und paliativen Eingriffen
  • Gerinnungsanomalie
  • lokale Hautinfektion
  • AZ

Technik

  • Punktion, Arthroskopie mit Entlastung, Lavage, Drainage,
  • Inzision und Spaltung
  • Debridement, Mobilisation und Manipulation
  • Präparation, Rekonstruktion
  • Excision, Enukleation und Excochleation
  • Resektion und Exstirpation
  • Glättung bzw. shaving , Mikrofrakturierung, Arthroplastik,
  • Reposition, Refixation, Osteosynthese,
  • Implantation und Transplantation,
  • Amputation und Replantation,
  • Ligatur und Koagulation,
  • Naht (Wundbehandlung und -verschluß)

Methoden

  • (diverse ausgewählte Operationen bzw. Orthopädie\speziell*)

Komplikation

 

Literatur

  1. Müller M (1994) Chirurgie. 2. Aufl. Med. Verlags- und Informationsdienst, Breisach 1-2
  2. Müller-Lange, P. und F. M. Hasse: Klinikleitfaden Chirurgie. Jungjohann Verlag, Neckarsulm, Stuttgart (1995)
  3. Reifferscheid M (1989) Die Lehre von der Wunde. In Reifferscheid M, Weller S (Hrsg.) Chirurgie. 8. neubearb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart New York 28-40
  4. Reding R, Wolff H, Kiene S (1984) Grundlagen der Chirurgie. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 25-35
  5. Schmitt W (1979) Allgemeine Chirurgie. 9. Aufl. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 249-330
      
Aktualisiert: 03.04.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben