Gelenkspiegelung bzw. Arthroskopie

allgemeine Informationen für Patienten


  • Die Arthroskopie bzw. ASK ist eine Gelenkspiegelung, bei der ein Gelenk quasi von innen betrachtet wird.
  • Unter den Bedingungen einer Operation wird ein Arthroskop mit einer Optik in ein Gelenk über einen relativ kleinen Hautschnitt eingebracht, und eine Kamera macht dank immer besseren Lichtes (derzeit Xenon-Licht), Monitor und EDV ein Bild möglich, welches auch fotografiert und ausgedruckt werden kann.
  • Heutzutage wird dabei kontinuierlich physiologische (den Körperflüssigkeiten angepaßte) Kochsalz-Lösung oder spezielle Zucker-Lösungen automatisch durchgespült, um klare Sicht zu erhalten. Es blutet natürlich, wenn Haut und Schleimhaut verletzt werden.
Bild 1: Arthroskopie-Turm sogenannter Arthroskopie-Turm mit Spülflüssigkeit im Beutel, Bildschirm, Lichtquelle, Spülpumpe, Motor für "Rasierer" (shaver) und Drucker (daneben Sauger)
   Bild 2: Arthroskopie-Turm
   in den Abb. erkennt man oben von links nach rechts die Knorpelrückfläche der Kniescheibe, den Innenmeniskus, das vordere Kreuzband ohne bzw. mit Haken-Test, in der Mitte von links nach rechts das hintere Kreuzband (nur mit Haken zu ertasten), den äußeren Kniespalt, ausgefransten Knorpel und gering aufgewellten bzw. aufgeweichten Knorpel sowie unten von links nach rechts erweichten Knorpel ohne und mit "Schlaglöchern"
  • Anschließend ist die Bewegung und Belastung je nach Behandlungsergebnis im Rahmen einer Rehabilitation oder Krankengymnastik (KG) eventuell unter Schutz einer Bandage bzw. Vorbeugung einer Thrombose möglich.
  • Natürlich werden inzwischen fast alle Gelenke des Menschen "gespiegelt".

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • ASK - Gelenkspiegelung

Historie

  • 1918 führt K. Tagaki wahrscheinlich die erste Arthroskopie an einer Leiche mit einem Zystoskop durch
  • 1919 führte Eugen Bircher eine ASK mit einem Laparoskop durch
  • 1920 führte M. Watanabe die erste diagnostische ASK beim Menschen durch
  • 1921 berichtet Bircher über therapeutische ASK mit O2 und N2 bei 18 Pat. in Vollnarkose und LA
  • 1925 entwickelt Kreuscher eine Technik bei Meniskopathien
  • 1931 führten Finkelstein und Mayer eine arthroskopische Biopsie durch
  • 1931 beschrieb Burman die ASK von KG, HG, OSG und SG und nutzte eine Spülvorrichtung
  • 1937 versuchen es Sommer mit einem Thorakoskop und 1938 Vaubel bei RA
  • 1949 nehmen Suckert, 1955 Hurter und 1956 Imbert die ASK wieder auf
  • 1950 benutzte van Heel Lichtfaserkabel
  • 1955 führte Watanabe die erste arthroskopische Entfernung eines Tumors, 1961 eines freien Körpers und 1962 eines Lappenrisses durch
  • 1960 führt Hopkins ein Linsensystem ein
  • 1971 berichtet W. Casscells über 150 ASK im KG
  • 1973 berichtet Glinz über Akut-ASK
  • 1974 beginnt Imhof mit arthroskopischer Chirurgie
  • 1980 führte Henning die erste arthroskopische Meniskusnaht durch
  • 1981 berichtet Dandy über eine arthroskopische Kreuzbandplastik

Voraussetzung

Arthroskop
  • starre Rohre in verschiedenen Durchmessern (von 1,7 bis 6,5 mm) mit Linsensystem, Optik (geradeaus und abgewinkelt (30, 70, 90 sogar 120°) sowie Zugang für Licht und SpÜlsystem
Licht
  • "kaltes" Licht (z.B. Xenon) über flexibles Lichtfaserkabel
Spülsystem
  • meist physiologische Kochsalzlösung über Motor (Rollerpumpe) angetrieben und unter Druck (60 - 200 mm Hg) ins Gelenk gebracht bzw. unter Sog wieder abgezogen
  • gel. auch Gas (meist O2 oder N2)
Kamera und Bildschirm
  • mit Vergrößerung als Monitoring
Dokumentation
  • Standard-Bogen (z.B. der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Arthroskopie bzw. AGA)
  • EDV mit Hard- und Software?
  • Video
  • Drucker

Ziel

  • Diagnostik, Differentialdiagnostik und Therapie von Gelenkerkrankungen

Indikation

Diagnostik
  • von meniskalen, patellaren, ligamentären und synovialen Symptomen
  • Biopsie
Therapie
  • Lavage eines unklaren, symptomatischen und blutigen Ergusses
  • Therapie von akuten und chronischen Symptomen (bei traumatischen, inflammatorischen, metabolischen, degenerativen und idiopathischen Gelenkerkrankungen)

Kontraindikation

Technik

Kniegelenk (KG)
  • Zugang von anterolateral (Standard nach Jackson und Watanabe), zentral, suprapatellar-lateral, anteromedial, medial, lateral, patellar-lateral und suprapatellar-medial
Schultergelenk (GHG)
  • von posterior
  • von anterior (cave: N. muskulocutaneus)
oberes Sprunggelenk (OSG)
  • von anterior medial
  • von anterior lateral
  • nie von median (cave: Art. tib. ant. et N. peroneus superficialis et profundus)
Ellenbogengelenk (EBG)
  • radiohumeral von lateral
  • humeroulnar von dorsoradial
  • nie von dorsoulnar (cave: N. ulnaris)
Handgelenk (RKG)
  • von dorsoradial
  • von dorsoulnar
  • nie von volar oder radial (cave: Artt. radialis et ulnaris sowie Nn. medianus et radialis superficialis)
Fingergelenke (MCPG, PIPG und DIPG)
  • meist von dorsal
  • nie von dorsolateral oder -medial (cave: Gefäß-Nerven-Strang)
Hüftgelenk (HG)
  • von anterior (cave: V, Art. et N. femoralis)
  • von lateral
Gelenke der Fußwurzel
  • von dorsolateral
  • von medial
Zehengelenke (MTPG, PIPG und DIPG)
  • meist von dorsal
  • nie dorsolateral oder -medial (cave: Gefäß-Nerven-Strang)
Kiefer-Gelenk (KFG)

Methoden

Komplikation

 

Literatur

  1. Glinz W (1999) Der steinige Weg der Arthroskopie … . In Heller G, Altenburger R (Hrsg.) Innovationen in der Chirurgie. Sympo Med, München 1-7
  2. Hempfling H (1987) Der Arthroskopiekurs Nürnberg. Teil 7a
  3. Imhof A (1990) Schwierigkeiten und Komplikationen der arthroskopischen Meniskuschirurgie. Z. Orthop. 128: 295-300
  4. Kohn D (1992) Arthroskopie. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 88-91
      
Aktualisiert: 03.04.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben