Blutverdünner

allgemeine Informationen für Patienten


  • Blutverdünner sind neben den Blutdrucksenkern die am häufigsten verschriebenen Medikamente. Das liegt einerseits an der besseren Diagnostik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Tatsache, dass die meisten Menschen an ihren Folgen sterben.
  • Blutverdünner hemmen die Blutgerinnung, die zu Thrombosen und damit zu Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Lungenembolie bzw. zum Tod führen können.
  • Sie werden zur Prophylaxe nach Operationen und therapeutisch bei Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen, Thromboseneigungen bzw. Gefäßerkrankungen eingesetzt.
  • Leider gibt es das wirksame Aspirin®, eines der am häufigsten eingenommenen Präparate, schon oder nur frei verkäuflich (auch im Internet bzw. ausländischen Supermärkten ohne Rezept), sind neuere Pharmaka sehr teuer, beachten Patienten trotz bzw. gerade wegen der Einnahme die Risiken wie Streß, Rauchen, langes Sitzen (v.a. im Flugzeug) sowie Wassermangel nicht und verursachen Vitamin-K-Blocker starke Nebenwirkungen wie Knochenschwund und zusätzliche Gefäßverkalkung (Arterienverkalkung bzw. Artheriosklerose).

allgemeine Informationen für Kollegen


Synonym

  • Antikoagulantien
  • Blutgerinnungshemmer

Einteilung

  1. Fibrinolytika
  2. Heparinoide und Dicumarol bzw. Cumarine
  3. andere

Heparine/Heparinoide

Grundlagen
  • aus Mastzellen im perikapillären BG bzw. "Gift" des Blutegels (hirudes medicinalis)
  • Heparansulfat ein schwefelsäure-reiches Glykosaminoglykan
  • kleinste Einheit Tetrasaccarid mit mehreren negativ geladenen Sulfatresten
  • keine konstante Anzahl von Sulfatresten (deswegen nur Angabe bezüglich der Wirkssamkeit in internationalen Einheiten bzw. I.E.)
Wirkung
  • gerinnungshemmend durch Aktivierung von Glykoprotein Antithrombin III, welches sich an aktivierte Faktoren (z.b. Xa und IIa) deutlich schneller bindet und hemmt
  • Protamin hebt durch zahlreiche positive Ladungen Wirkung des Heparin mit seinen negativen Ladungen auf
Indikation
  • Thrombose und Embolie
  • disseminierte intravasale Gerinnung (DIG) bei Verbrauchkoagulopathie
  • Dialyse und extrakorporaler Kreislauf
Einteilung
unfraktioniertes Heparin (UFH)
  1. Heparin
    • Galenik (i.v., s.c.)
    • Dosis (2 - 3 x 5000 - 7500 I.E./d zur Prophylaxe und 5000 I.E. als Bolus sowie 1000 I.E./h bis zur Verdopplung der PTT zur Therapie)
    • NW (Blutungsrisiko, Allergie, Haarausfall (selten), Osteoporose (wenn 6 Monate mehr 15000 I.E./d))
    • KI (SAB, ICH, SDH, EDH, 12 h vor LP, SPA, PDA, Abortus imminens, schwere Retinopathien)
    • Pharmaka (Calciparin®, Liquemin®, Vetren®)
niedermolekulares Heparin (NMH)
  1. Certoparin
    • Dosis (x 0,5 (3000 I.E.) ml/d zur Prophylaxe)
    • Pharmaka (Mono-Embolex®)
  2. Dalteparin
    • Dosis (x 0,2 (2500 oder 5000 I.E.) ml/d zur Prophylaxe)
    • Pharmaka (Fragmin P®, Fragmin Forte®)
  3. Enoxaparin
    • Dosis (x 0,2 (2000 I.E.) oder 0,4 (4000 I.E.) ml/d zur Prophylaxe)
    • Pharmaka (Clexane®)
  4. Nadroparin
    • Dosis (1 - 2 x 0,2 (1900 I.E.), 0,3 (2850 I.E.), 0,4 (3800 I.E.), 0,6 (5700 I.E.) oder 0,8 (7600 I.E.) ml/d zur Prophylaxe bzw. Therapie)
    • Pharmaka (Fraxiparin®)
  5. Reviparin (Clivarin®)
  6. Tinzaparin (Innohep®)
andere
  1. Danaparoid (Orgaran®)

Vitamin K Antagonisten Dicumarol bzw. Cumarine

Grundlagen
  • in der Leber wirken sogenannte K-Vitamine bzw. Phyllochinone (K1 Phytomenadion, K2 Difarnesylnaphtochinon, K3 Menadion) als Coenyzm bei der Synthese der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X
  • im Knochen benötigt Osteocalcin Vitamin K zur Aktivierung, um Kalzium einzubauen
Wirkung
  • Hemmung der Wirkung von Vitamin K durch Verhinderung der Rückführung des bei der Carboxylierung entstehenden Vitamin K-Epoxid in die reduzierte Form
NW
  • Blutungsrisiko
  • Knochenschwund
Indikation
  • Prophylaxe und Therapie schwerer Thrombosen und Embolien
KI
  • Hirnaneurysma, SAB, ICH, SDH, EDH
  • vor Punktion, Injektion, Operation
  • akutes Ulkus
  • schwere Thrombopenien
  • dekomp. Hepatopathien
  • schwere Retinopathien
  • Stillzeit
Einteilung
Warfarin
Phenprocoumon
  • Galenik (oral)
  • Dosis (Erhaltungsdosis = 15% Initialdosis, nach Gerinnungswert durch Labor (z.b. Quick, PTT, INR))
  • Pharmaka (Falithrom®, Marcumar®)

andere

  • Bivalirudin Angiox®
  • Argatrophan Argatra®
  • Fondaparinux Arixtra®
  • Rivaroxaban Xarelto®

biologische Präparate

  • Antithrombin III
  • Protein C
      
Aktualisiert: 06.04.2010
 
 
 
 
 
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben