Die Morphine

allgemeine Informationen für Patienten


  • Morphine sind chemische Stoffe bzw. Substanzen, welche einerseits aus Opium, dem Saft des Schlafmohns, gewonnen bzw. isoliert wurden und andererseits synthetisch hergestellt werden. Opiate sind aus dem Opium extrahierte Alkaloide mit morphinähnlicher Wirkung und Opioide synthetische Substanzen. Zu den natürlichen Morphinen zählen Codein, Thebian, Papaverin und Noscapin. Alle gehören zu den zentralen Analgetika und wirken direkt am Zentralnervensystem (ZNS) als Schmerzmittel. Je nach ihrer Wirkung (Schmerzlinderung) und Nebenwirkung (Schwitzen v.a. Nachtschweiß, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit, Euphorie, Atemlähmung, Blutdruckabfall) unterscheidet man zwischen schwachen und "normal" verschreibungspflichtigen sowie starken und "über Betäubungsmittel-Rezept" verschreibungspflichtigen Morphinen. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO ein klares Schema zur medikamentösen Schmerztherapie vorgegeben hat, sorgen die Budgetierung der Kassen und die Angst der Menschen, daß Morphium "letzter Ausweg bei Krebs" bedeutet, für einen unzureichenden Einsatz bzw. eine nicht ausgereifte Morphinisierung eines Schmerzpatienten. Morphin macht abhängig, aber unter kontrollierter Einnahme in Zusammenarbeit mit Ärzten (am besten mit Zusatzbezeichnung Schmerztherapie) nicht süchtig!

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • zentrale Analgetika
  • Opiate
  • Opioide
  • "M"

Historie

  • 1803 Sertürner isoliert aus Opium Morphin

Grundlagen

  • aus Opium werden neben Morphin (10-17%), Codein (0,7-4%) ein Methylmorphin, Thebian (0,5-2%) dem Vorläufer der halbsynthetischen Morphine sowie Benzylisochinoline wie Papaverin (0,5-1%) sowie Noscapin (2-9%) isoliert
  • Opiate sind aus dem Opium extrahierte Alkaloide mit morphinähnlicher Wirkung und Opioide halbsynthetische und synthetische Substanzen

Einteilung

  1. schwache Opioide

    Tramadol

    • Galenik (oral, supp, i.m.)
    • 1/10 Wirkstärke zu Morphium
    • Dosis (je nach Galenik Wirkung 3-12h, also 2 - 6 x 50 - 200 mg, bis max. 400mg/d,
    Nebenwirkungen
    • Schwitzen v.a. Nachtschweiß, Vertigo, Nausea, Vomitus, Emesis, Mundtrockenheit, Miosis, Krampfbereitschaft, Euphorie, Atemdepression, Kreislaufdepression, Spastik der glatten Muskulatur)
    • KI (Stillzeit, K unter 1 LJ, NW, Abhängigkeit, Sucht)
    • nicht BTM-rezeptpflichtig
    • Pharmaka (Amadol ®, Tramal ®, Tramundin ®)

    Tilidin/Naloxon

    • Galenik (oral)
    • 1/5-1-10 Wirkstärke zu M
    • Dosis (ab 14. LJ nur oral, nicht als Tropfen, besser als Retardform 8-12h wirksam, Dosisverhältnis 12,5:1, also tgl. 2 - 6 x 50/4 - 200/16 mg, max. 600/48 mg/d)
    • NW (vgl. Tramadol)
    • nicht BTM-rezeptpflichtig
    Nebenwirkungen
    • vgl. Tramadol, jedoch geringer bzw. bei höherer Dosis
    • KI (vgl. Tramadol, K unter 14. LJ)
    • Pharmaka (Andolor ®, Tilidalor ®, Valoron ®)
  2. Codein/Dihydrocodein

    • Galenik (oral)
    • 1/5 bzw. 150% (3:2) Wirkstärke zu M,
    • Wirkung (Analgetika, Antitussiva)
    • Dosis (wirkt 4 bzw. 12h, 2 - 6 x 30 - 60 mg/d, max. 400mg/d bzw. 0,3mg/kg KG (ca. 200mg/d)
    Nebenwirkungen
    • häufig zu Beginn der Behandlung Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, leichte Kopfschmerzen, Müdigkeit, bei höheren Dosen oder bei besonders empfindlichen Patienten dosisabhängige Verschlechterung der Fähigkeit zur optischen Fixierung von Gegenständen (visomotorische Fähigkeiten), Verschlechterung der Sehleistung, Verminderung des Atemantriebs (Atemdepression), krankhafte Hochstimmung (Euphorie)
    • seltener Juckreiz, Hauterscheinungen, Kurzatmigkeit, Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Ohrgeräusche.
    • Besonderheiten: Codein kann, insbesondere bei Einzeldosen über 60 mg, den Muskelspannungszustand der Eingeweidemuskulatur (glatte Muskulatur) erhöhen.
    • Bei hohen therapeutischen Dosen oder bei Vergiftungen können Ohnmachtsanfälle und Blutdruckabfall auftreten.
    • Bei Patienten mit vorbestehenden Lungenfunktionsstörungen muss mit dem Auftreten von Lungenödemen gerechnet werden.
    • bis 100mg nicht BTM-rezeptpflichtig
    • Pharmaka (Codeinum phosphoricum ®, DHC ®, Paracodin ®)

    Tapentadol

    • Galenik (oral)
    • Wirkung (mittelstark analgetisch, für alle Schmerzarten)
    • Dosis (als Retardform zunächst 2 x tgl. 50mg (max. 500mg/d), alternativ zu Opioiden, schrittweise absetzen)
    Nebenwirkungen
    • sehr häufig Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerz, Übelkeit, Verstopfung
    • häufig Appetitverminderung, Angst, depressive Stim-mung, Schlafstörungen, Nervosität, Ruhelosigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen, Zittern, unwillkürliche Muskelzuckungen, Erröten, Atembeschwerden, Erbrechen, Durchfall, Verdauungsstörungen, Juckreiz, vermehrtes Schwitzen, Hautausschlag, Schwäche, Müdigkeit, Gefühl der Körpertemperaturveränderung, trockene Schleimhäute, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
    • gelegentlich Überempfindlichkeitsreaktionen, Gewichtsverlust, Orientierungsstörungen, Verwirrtheitszustand, Aufregung, Wahrnehmungsstörungen, abnorme Träume, Übersteigerung, Bewusstseinsverminderung, Beeinträchtigung des Erinnerungsvermögens, Denkstörungen, Ohnmacht, Abstumpfung, Gleichgewichtsstörung, Sprechstörung, Schmerzunempfindlichkeit, nervliche Missempfindung, Sehstörungen, Herzschlagveränderungen, niedriger Blutdruck, Bauchbeschwerden, Nesselsucht, Harnverhalt, Harnfluss, Sexualstörungen, Entzugsbeschwerden, Befindlichkeitsstörung, Reizbarkeit
    • selten Arzneimittelabhängigkeit, abnormes Denken, Krampfanfall, Vorstufe zur Ohnmacht, Gangstörungen, Unterdrückung der Atemfunktion, Magenentleerungsstörung, Trunkenheitsgefühl, Entspannung
    • KI (Dosis reduzieren bei Nephro- und Hepatopathie, nicht <18a)
    • Pharmaka (Palexia ®)
    weiter schwache Opioide
    • Pethidin (Dolantin ®)
    • Pentazocin (Fortral ®)
    • Dextropropoxyphen (Develin ®)
    • Nefopam (Ajan ®)
    • Nalbuphin (Nubain ®)
    • Flupirtin (Katadolon ®, Trancopal ®) (Muskelentspannungsmittel)

  3. starke Opioide

    Oxycodon

    Nebenwirkungen
    • sehr häufig Atemdepression, Bronchospasmus, Miosis, Juckreiz, Hautrötungen, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung,
    • häufig Schwitzen, Schüttelfrost, Stimmungsveränderungen, verminderte intellektuelle Leistungsfähigkeit, Verwirrtheit, verminderte Aktivität, Mundtrockenheit, Durstgefühl, Schluckbeschwerden, Blasenentleerungsstörungen, Harndrang, schnelle Ermüdbarkeit, Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen, Bauchschmerzen, Durchfall, Schluckauf, Magenbeschwerden, Appetitabnahme, Blutdrucksenkung, Angst, Depression, Euphorie, niedriger Blutdruck, Hautausschlag,
    • gelegentlich Krämpfe, Dämpfung des Hustenreflexes, Wassereinlagerungen im Gewebe, allergische Reaktionen, körperliche Abhängigkeit mit Entzugssymptomen, Veränderung der Wahrnehmung wie Halluzinationen, Geschmacksstörungen, Sehstörungen und Hörstörungen; veränderte Muskelspannung, Zittern, unwillkürliche Muskelanspannung, herabgesetzte Empfindung von Sinnesreizen, Koordinationsstörungen, allgemeines Unwohlsein, Mundgeschwüre, Zahnfleischentzündungen, Blähungen, Pulsbeschleunigung, Gefäßerweiterungen, vermehrtes Husten, Rachenentzündung, Schnupfen, Veränderung der Stimme, verminderte sexuelle Lust, Impotenz, Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen
    • selten Gewichtsveränderungen, erhöhte Lichtempfindlichkeit mit Auftreten von Hauterscheinungen, Störungen des Tränenflusses, epileptische Krampfanfälle, Zahnfleischbluten, Zahnveränderungen, gesteigerter Appetit, Teerstuhl, trockene Haut, Lippenherpes, Blut im Urin, Ausbleiben der Regelblutung, Erkrankungen der Lymphknoten, Austrocknung des Körpers, Erinnerungslücken, Durstgefühl, Schluckbeschwerden, Herzklopfen, Ohnmacht,
    • sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie), Hautausschläge, Abschälen der Haut, Darmverschluss, Sprachstörungen
    • Pharmaka (Oxygesic ®)

    Morphin

    • Galenik (oral, supp, s.c, i.m., i.v.)
    • Dosis (bei K 0,05 - 0,2 mg/Kg, dauernd 1mg/h bzw. 2 - 4 x 5 - 300 mg, max. 600 mg/d ?)
    Nebenwirkungen
    • sehr häufig Benommenheit, Atemdepression, Stimmungsveränderungen, Übelkeit, Mundtrockenheit,
    • häufig Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Antriebsdämpfung, Erregung, Veränderung des Entscheidungsverhaltens, Wahrnehmungsstörungen, Wahnvorstellungen, Alpträume, Pupillenverengung, Erbrechen, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Schwitzen, Überempfindlichkeitsreaktionen, Nesselsucht, Juckreiz, Schwierigkeiten beim Wasserlassen,
    • gelegentlich Blutdruckveränderungen,
    • selten Gesichtsrötung, Herzklopfen, starker Blutdruckabfall, Herzrasen, Herzschlagverlangsamung, erhöhter Hirndruck, Bronchialkrämpfe, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallenkoliken, Nierenkoliken,
    • sehr selten Zittern, Muskelbeschwerden, Krampfanfälle, Schmerzüberempfindung (bei hoher Dosierung), verschwommenes Sehen, Atemnot, Bauchschmerzen, Hautausschlag, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Muskelkrämpfe,
    • aber auch Erregung, Angstgefühl, Nervosität, Schlaflosigkeit, Zappeligkeit, Zittern, Magen-Darm-Beschwerden, Abhängigkeit,
    • Pharmaka (Capros ®, MSI ®, MSR ®, MST ®, Sevredol ®)

    Buprenorphin

    Nebenwirkungen
    • sehr häufig Müdigkeit
    • häufig Hitzegefühl, Schweißausbrüche, Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, Pupillenverengung, niedriger Blutdruck, Atemunterdrückung, Übelkeit und Erbrechen,
    • gelegentlich Überempfindlichkeitsreaktionen, Desorientierung, Nervosität, Depression, Psychose, Wahnvorstellungen, Persönlichkeitsstörung, Hochstimmung (Euphorie), Verstimmung, Unruhe, Erschöpfung, Mundtrockenheit, verwaschene Sprache, Koma, Zittern, Krämpfe, fehlende Muskelsteuerung, Doppeltsehen, Sehstörungen, Bindehautentzündung, Ohrensausen, Bluthochdruck, Herzrasen, Herzschlagverlangsamung, Hautblaufärbung, Herzreizleitungsblockierung (AV-Block), Atemnot, Atemstillstand, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Missempfindung, Juckreiz, Hautausschlag, Blässe, Nesselsucht, Blasenentleerungsstörungen,
    • sehr selten anaphylaktischer Schock, Bronchialkrämpfe, Gesichtsschwellungen (Quincke-Ödem),
    • aber auch Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Ohnmacht, Blutdruckabfall, Hepatose,
    • Pharmaka (Temgesic ®, Transtec ®)

    Fentanyl

    • Galenik (transdermal, s.c, i.m., i.v.)
    • Dosis (einmalig 0,05 - 0,5 mg, dauernd 0,25 - 0,75 µg/h als therapeutisches transdermales System bzw. TTS)
    • Pharmaka (Fentanyl ®, Durogesic ®)

    Piritramid

    • Galenik (i.m., i.v.)
    • Dosis (- 4 x 0,05 - 0,2 mg/Kg bzw. 7,5 - 22,5 mg (einmalig 10 mg/min oder dauernd 0,5 - 3 mg/h), max. 72 mg/d)
    • Pharmaka (Dipidolor ®)

    weitere starke Opioide

    • Sufentanil (Sufenta ®)
    • Alfentanil (Rapifen ®)
    • Hydromorphon (Palladon ®)
    • (Levo)-Methadon (L-Polamidon ®, Methaddict ®)

Literatur

  1. Freye E (1995) Opioide in der Medizin. 3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg NewYork London Paris Tokyo Hongkong Barcelona Budapest
  2. Marx A (1999) Grundlagen der Schmerztherapie. In Schockenhoff B (Hrsg.) Spezielle Schmerztherapie. Urban & Fischer, München Jena
      
Aktualisiert: 21.06.2012
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben