KälteBehandlung bzw. Kryotherapie

allgemeine Informationen für Kollegen


Definition

  • alle Anwendungen <34 °C mit lokaler Erniedrigung der Körpertemperatur und Wärmeentzug

Voraussetzung

Aufklärung

  • mündliche Aufklärung bzw. Einweisung des Patienten (Auskleiden, Lagerung, Kältegefühl)

Medien

  • Spray, Eis, Gel, Peloide in entsprechenden Behältnissen sowie Kühlsysteme mit Propanolol für lokale Kälteanwendungen
  • Kammern für systemische Kälteanwendungen

Arten

  • eiskalt (<0 °C)
  • brunnenkalt (0-15 °C)
  • kalt (15-30 °C)
  • kühl (30-33 °C)

Ziel

  • Linderung des akuten Schmerzes und Minderung der Aktivität der entzündlichen Begleitreaktion durch Absenken der Empfindlichkeit des Nocizeptors bzw. der myofaszialen Schmerzschwelle, spinale Hemmung der Schmerzleitung durch gate control nach Melzack und Wall (Der Schmerz) und anhaltender Effekt durch reflektorische Vasokonstriktion sowie Verlangsamung des Stoffwechsels und damit der entzündlichen Begleitreaktion
  • antispastischer Effekt durch reaktive Hyperämie nach kurzer Kryotherapie

Indikation

  • jede akute geschlossene Wunde
  • postoperativ in Traumatologie und Orthopädie
  • degenerative Erkrankungen der Knochen, Gelenke und Weichteile mit entzündlichen Begleitreaktionen (dolor, tumor, rubor, calor)
  • adjuvant zur schmerzhaften Mobilisation

Kontraindikation

  • Ablehnung durch Patienten
  • insuffiziente Sensibilität bzw. Compliance
  • septische Infektion (besonders der Harnwege)
  • Kälteempfindlichkeit bzw. -allergie
  • spastische Angitiden und dekompensierte AVK
  • Angina pectoris ?

Technik


Kältespray

  • Chlorethyl-Spray

Eis (0 °C)

  • Eischips
  • Eisbeutel

Kältekompressen (0 °C)

  • Eiskompressen

chemische Kompressen (0 bis -18 °C)

  • Gel-Kompressen

Kaltgas (Dampf) (-30 bis -180 °C)

  • Kaltluft (Kammer)
  • Stickstoff

Methoden

  • Chlorethyl-Spray, Eischips, -beutel, -kompressen, Gel-Kompressen, Peloide und Tücher für Stöckli-Wickel, Auflagen und Verbände mit notwendigem Trägerwechsel
  • automatisierte Daueranwendung (Kryolangzeittherapie) durch Kühlsystem mit schmelzwasserfreier Kühlflüssigkeit (Propanolol), Schlauchsystem und Auflagen in unterschiedlichen Größen und Formen
  • Kaltluft- und Stickstoff-Kammern bei akutem Schub einer Erkrankung des rheumatischen Formenkreises
  • alle Wasseranwendungen < 34 °C (Wasser- bzw. Hydrotherapie)
  • manuelle Kryotherapie vor und nach Mobilisationen bzw. Eismassage (Die Massage, Manualtherapie bzw. manuelle Medizin (MT bzw. MM))

Literatur

  1. Albrecht S (1997) Kryotherapie als Analgesietechnik in der direkten, postoperativen Behandlung nach elektivem Gelenkersatz. Z Orthop 135 45-51
  2. Kröling P (1992) Kryo-Hydro-Thermotherapie. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 136-41
      
Aktualisiert: 30.07.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben