Die Massage

allgemeine Informationen für Patienten


  • Die Massage ist eine mechanische Behandlung des Weichteilgewebes mit der Hand. Sie stellt die historische Form der Behandlung dar!
  • Aus dem instinktiven Berühren und Ablecken einer Wunde zur Schmerzlinderung haben sich verschiedene Massagen aus China und Japan (Akupressur, Tuina, Shiatsu), Ägypten und Indien (Einreibung mit Ölen und Salben) entgegen dem christlich geprägtem Mittelalter entwickelt. Neben der klassischen Massage haben sich in Europa nun spezielle Techniken (Periost-, Bindegewebsmassagen und Lymphdrainagen) zur Untersuchung und Behandlung von Funktionsstörungen der Weichteile (Das Bindegewebe) einschl. Muskulatur, der Knochenhaut und des Darmes etabliert. Parallel haben sich v.a. in den USA Verfahren der manuellen Medizin (manus = Hand) wie die Chirotherapie bzw. Chiropraktik und Osteopathie, (Manualtherapie bzw. manuelle Medizin (MT bzw. MM), AK und manuelle Medizin) etc. entwickelt.
  • Dabei kann man Veränderungen erfühlen und ertasten. Somit lassen Störungen von Lymphe, Muskeln und Darm direkt sowie vegetative Zusammenhänge (Verspannung, Verquellung, u.a. Phänomene) indirekt diagnostizieren und behandeln.
  • Leider ist aus technischen Gründen die menschliche Hand wertlos bzw. zu teuer geworden, lassen die Fähigkeiten der Masseure (bis auf Sehschwache und Blinde) nach und nehmen instinktiv psychische Gründe für Massagezuwendungen bei Streß-Syndromen zu, ohne das Erfolge zu verbuchen sind.
  • In der Sportmedizin und Rehabiliation ist die Massage bzw. Lymphdrainage unentbehrlich.
  • In der Naturmedizin erlangt sie bei vegetativen Syndromen in ihren speziellen Formen und Anwendungen neue Impulse.

spezielle Informationen für Kollegen


Definition

  • Beeinflussung von Tonus, Turgor, Narben und Zirkulationsstörungen des Weichteilgewebes durch Dehnungs-, Zug- und Druckreize (Kolster und Ebelt-Paprotny 1996)

Historie

  • 1813 entwickelt Ling die klassische Massage
  • 1843 beschreibt Froriep die rheumatische Schwiele
  • 1893 beobachtet der englische Neurologe Head segmentbezogene Sensibilitätsstörungen (Hyperästhesie und -algesie) der Haut bei Erkrankungen der inneren Organe
  • 1917 beobachtet der schottische Chirurg Mackenzie segmentbezogene Störungen (Hypertonus) der Muskulatur bei Erkrankungen der inneren Organe Krankheitszeichen
  • 1929 führt Frau Elisabeth Dicke eine erste Bindegewebsmassage im Eigenversuch bei einer arteriellen Durchblutungsstörung des Beines erfolgreich durch und demonstriert dies 1938 Kohlrausch, welcher mit Frau Teirich-Leube 1953 den Verlauf der Zonen und Grundlagen der Reflexzonenmassage beschreibt
  • 1938 beschreibt Hansen mit van Staa reflektorische und algetische Krankheitszeichen und 1962 mit Schliack die segmentale Innervation innerer Organe
  • 1949 diagnostiziert und therapiert Kibler innere Erkrankungen über ihre dermatologischen Störungsfelder

Voraussetzung

  • Kenntnis über Reflexzonen nach Head (1898), Mackenzie (1917), Hansen (1938), Kibler (1949) sowie Kohlrausch (1953) (Sachse und Schildt-Rudloff 1997)
  • (Die Rehabilitation)

Ziel

  • Entstauung und Förderung der Durchblutung
  • Regulation des Muskeltonus, des Hautturgors und der Gewebstrophik
  • Lösung von Verklebungen der Weichteilschichten

Indikation

  • palpatorisch diagnostizierte und reproduzierbar schmerzhafte Veränderungen in den Schichten des Weichteilgewebes (Senn 1992)

Kontraindikation

  • akutes Trauma mit schmerzhaftem Bruch (Fraktur), Verrenkung (Luxation), Riß (Ruptur) sowie Einblutung (Hämatom)
  • sympathische Reflexdystrophie
  • dekompensierte Angiopathie und Thrombose
  • maligner Hypertonus und dekompensierte Herzinsuffizienz
  • Malignome

Technik

  • Ausstreichen (Effleurage) als Einhand-, Hand-über-Hand- sowie zirkelförmigen Streichungen
  • Kneten und Rollung (Petrissage)
  • Reiben (Friktion) als Harken-, Knöchel-, Hobel- und Sägegriff mit Sonderform der deep friction nach J. Cyriax
  • Erschüttern (Vibration)
  • Klopfen (Tapotement)
Bild: Stuhl zur speziellen Lagerung (z.B. bei nicht möglicher Bauchlagerung)

Methoden (eine Auswahl)

  1. Bindegewebsmassage nach Dicke (1942) und Teirich-Leube (1957)
  2. Bürstenmassage
  3. Querfriktion nach Cyriax
  4. Sportmassage nach Denser
  5. Elektromassage
  6. Fußreflexzonentherapie nach Fitzgerald
  7. Segmentmassage nach Gläser und Dalicho (1949)
  8. klassische Massage nach Ling
  9. Schlüsselzonenmassage nach Marnitz (1972)
  10. Akupunktmassage nach Penzel (1993)
  11. manuelle Segmenttherapie nach Quilitzsch (1986)
  12. Reflexzonenmassage
  13. Kombinationsmassage nach H. Schoberth (1978)
  14. Stäbchenmassage
  15. Unterwasser-(Druckstrahl)-Massage (UWM)
  16. manuelle Lymphdrainage nach Vodder (1936)
  17. Punktmassage nach Vogler
  18. Periost- und Kolonmassage nach Vogler und Krauss (1953)
  19. Wasser-Druckstrahl-Massage
  20. Vakuummassage
Bild: Gerät bzw. Wasserbett zur Applikation einer Massage einschl. Nacken und Waden mit Einstellung von Orten und Segmenten

Literatur

  1. Kolster B, Ebelt-Paprotny G (1996) Physiotherapie. 2. neu bearb. Aufl. Jungjohann, Neckarsulm Lübeck Ulm 171-206
  2. Sachse J, Schildt-Rudloff K (1997) Wirbelsäule - Manuelle Untersuchung und Mobilisationsbehandlung. 3., überarb. Aufl. Ullstein Mosby, Berlin Wiesbaden
  3. Senn E (1992) Massage. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. Neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 133-6
  4. Soyka M, Meholm D (2000) Physiotherapie bei Wirbelsäulenerkrankungen. Urban & Fischer, München Jena 41-166
  5. Teirich-Leube H (1957) Grundriß der Bindegewebsmassage. Gustav Fischer, Stuttgart
      
Aktualisiert: 30.07.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben