Wasserbehandlung bzw. Hydrotherapie

allgemeine Informationen für Patienten


  • Die Wasserbehandlung bzw. Hydrotherapie stellt die Anwendung des Wassers in allen Aggregatzuständen (fest, flüssig und gasförmig) zur Prophylaxe, Therapie, Training und Rehabilitation von Erkrankungen dar.
  • Sie ist seit dem 5. Jh vor unserer Zeitrechnung bekannt und erfuhr im 18. und 19. Jh durch die Gebrüder Hahn, durch Prießnitz, Schroth und Pfarrer Johann Sebastian Kneipp ("meine Wasserkur") eine erste naturwissenschaftliche Grundlage.
  • In fester und flüssiger Form kommt Wasser bei der Kühlung, in flüssiger Form bei der Erwärmung und Anregung der Durchblutung sowie in gasförmiger Form bei der Schleimlösung der Atemwege zur Anwendung.
  • Dabei werden die verschiedensten Träger (Tücher und Lappen für Waschungen, Abreibungen, Abklatschung, Wickel, Aufschläge, Auflagen und Kompressen, Brausen und Düsen für Güsse und Blitzgüsse, Eimer, Schüsseln und Wannen, Schwimmbecken für Bäder, Wassergymnastik und Schwimmtherapie sowie letztendlich die Natur bzw. das Gelände für spezielle Anwendungen (Wassertreten, Taulaufen, Schneegehen, Thalasso- und Brandungstherapie) genutzt.
  • Durch Zusatz von Arzneien in Form von Tees, Aufgüssen (Einführung in die Phytotherapie) usw. kann eine weitere Wirkung über Darm, Haut und Lunge erreicht werden.
  • Im Vordergrund steht dabei eigentlich das Immunsystem (Störungen des Immunsystems) und nicht die Muskulatur.
  • Nicht nur im Rahmen einer Rehabilitation (Die Rehabilitation), Kur bzw. Kurlaub sollte die Wasserbehandlung, welche aufgrund der einzuhaltenden hygienischen Maßnahmen (Verbreitung von Erregern) teuer geworden ist, täglich angewendet werden. So sollten nicht nur die moderne (meist warme) Dusche, sondern auch andere Anwendungen täglich daheim genutzt werden (Kaltduschen, wechselwarme Fußbäder, Sauna, Dampfbäder bzw. Inhalationen usw.).

spezielle Informationen für Kollegen


Definition

  • Anwendung des Wassers in allen Aggregatzuständen (fest, flüssig und gasförmig) zur Prophylaxe, Therapie. Rehabilitation von Erkrankungen und Training des Gesundheitszustandes (Cordes 1988)

Historie

  • 500 v. Chr. Kurzentrum in Pergamon
  • 4. Jh. V. Chr. erwähnt Hippokrates Bäder und Waschungen zu Heilzwecken
  • im Mittelalter Beruf des Baders
  • im 17./18. Jh. empfahl J. Floyer Übergüsse und Trinkkuren
  • 1745 veröffentlichen S. Hahn und J. S. Hahn ein Werk über die Kraft des Wassers
  • im 19. Jh. errichtete V. Prießnitz eine Wasserheilanstalt in Gräfenburg/ Schlesien und J. Schroth erprobt seine Trinkkur
  • 1886 veröffentlicht Pfarrer J. S. Kneipp "meine Wasserkur"

Voraussetzung

  • Grundregeln der Hydrotherapie nach Vogler und Krauss sowie allgemeine Leitsätze zur Kaltwasserbehandlung nach Kneipp (S. 209-10 aus Kolster und Ebelt-Paprotny 1996)
  • (Die Rehabilitation)

Behandlungsplan

  • Abschwellung, Entstauung, Kreislaufstabilisierung, Immunstärkung

Medien

  • Wasser in fester (bei Kryotherapie (Kälte- bzw. Kryotherapie)), flüssiger (bei Kryo-, Thermo- (Wärme- bzw. Thermotherapie) und Balneotherapie (Bäder- bzw. Balneotherapie)) sowie in gasförmiger (bei Thermo-, Balneo- und Aerosoltherapie) Form
  • Tücher und Lappen für Waschungen, Abreibungen, Abklatschung, Wickel, Aufschläge, Auflagen und Kompressen
  • Bäderabteilung mit Brausen und Düsen für Güsse und Blitzgüsse, Duschen (kalte, heiße, wechselwarme, Dampf- oder Schottische Duschen) sowie Eimer, Schüsseln und Wannen (Bäder- bzw. Balneotherapie)
  • Schwimmbecken für Wassergymnastik (Die Krankengymnastik (KG)) und Schwimmtherapie
  • Natur bzw. Gelände für spezielle Anwendungen (Wassertreten, Taulaufen, Schneegehen, Talassotherapie, Brandungstherapie)
  • Zusätze (Arnika, Baldrian, Eichenrinde, Fichtennadel, Heublume, Kalmus, Kamille, Kastanie, Latschenkiefer, Lavendel, Rosmarin, Salbei, Schwefel, Thymian und Zinnkraut bzw. Ackerschachtelhalm) (Cordes 1988, Kolster und Ebelt-Paprotny 1996)
  • Strom (Ultraschall und Elektrotherapie)

Ziel

Indikation

Kontraindikation

Technik

Methoden

  • Ganzkörper-, Oberkörper-, Unterkörper-, Leib- und Teilwaschungen
  • Arm-, Bein-, Rücken-, Brust-, Bauch- und Ganzabreibungen bzw. -abklatschungen
  • Prießnitz-Umschläge bzw. Kneipp-Wickel wie Ganz-, 3/4-, Gelenk-, Hand-, Arm-, Hals-, Brust-, Kreuz-, Leib-, Rumpf-, Hüft- bzw. T-, Bein-, Fuß- und Wadenwickel mit warmen Heublumen-, Haferstroh-, Kamille-, Eicherinde-, Zinnkraut-, Kochsalz- bzw. kalten Essig- und Lehmwasser-Zusätzen
  • Spanischer Mantel mit und ohne Zusätze
  • Güsse bzw. Blitzgüsse (z.B. Kneipp-Güsse wie Knie-, Schenkel-, Unter-, Arm-, Ober-, Rücken- Voll-, Nacken- und Gesichtsguß)
  • Duschen (z.B. Dampf- oder Schottische Duschen)

Literatur

  1. Cordes JC (1988) Physiotherapie. 4. Aufl. Verlag Volk und Gesundheit, Berlin 46-58
  2. Kolster B, Ebelt-Paprotny G (1996) Physiotherapie. 2. neu bearb. Aufl. Jungjohann, Neckarsulm Lübeck Ulm 207-25
  3. Knauth K, Reiners B, Huhn R (1986) Physiotherapeutisches Rezeptierbuch. 4. überarb. Aufl. Volk und Gesundheit, Berlin
  4. Kröling P (1992) Kryo-Hydro-Thermotherapie. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 136-41
      
Aktualisiert: 30.07.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben