Prothesen

allgemeine Informationen für Kollegen


Synonym

  • orthopädische Prothetik

Definition

  • kontrollierte Anfertigung mit einem körpernahen Hilfsmittel und individuelle Versorgung einer amputierten Gliedmaße mit einem angepaßten Kunstglied als Körperersatz zur annähernden Wiedererlangung der Funktion (aufrechter Gang und taktile Gnosis)

Historie

  • 1969 führt O. Bock Modularbauweise ein

Voraussetzung

  • Anordnung und Rezept durch Arzt
  • technische Orthopädie mit Orthopädie-Mechaniker
  • geregelt durch das Medizinproduktegesetz
Stumpf
  • Wunde (abgeschlossene Heilung, reizlose Narbe)
  • Form (konisch nicht kolbig)
  • Kontakt (voll oder teilweise)
  • Belastungsfähigkeit (Endbelastungsfähigkeit)
Patient
  • Sofort- oder Frühversorgung (7-10 d postop.) bzw. Interimsprothese je nach LAPD-System nach Löhr, Pille und Anker

      Tab.1: LAPD-System zur Beurteilung des Aktivitätsgrades nach Amputation
    Familie/Gesellschaft auf Hilfe angewiesen 10
      fast selbständig 30
      starke Beanspruchung 60
    Beruf sitzende Tätigkeit 30
      leichte, gehende oder stehende Tätigkeit 50
      starke körperliche Belastung 80
    Freizeit gering 10
      durchschnittliche Aktivität 30
      Sport 80

  • geriatrische (bis 69), "jedermann" (zwischen 70 und 119) oder dynamische (ab 120 Punkte) Versorgung
Prothese
  • Schalen- oder Modularbauweise (exo- oder endoskelettal) aus Holz, thermoplastischen Kunststoffen und Gießharz-Laminaten mit Krafteinleitung (möglichst großflächig, gepolstert), Schaft (leicht und stabil), Gelenke (pendelnd oder mehrachsige Bewegungen, einrastbar) und Bodenkontakt durch Prothesenfuß (beweglich und stabil) bzw. Funktionsglied durch Prothesenhand

Ziel

  • Erhalt der Lebensqualität durch Wiederherstellung einer körperlichen Integrität und Teilnahme am privatem, beruflichen und gesellschaftlichen Alltag

Indikation

  • Compliance!

Kontraindikation

Technik

Fuß
  • Weichwandabstützung, gelegentlich leichte Pronation, Abrollhilfe und Erhalt der Funktion des OSG erwünscht (Einlagen- und Schuhe)
Unterschenkel
  • wegen Weichteilverhältnissen Weichwandinnenschaft und Vollkontakt erwünscht (Haftgel, Silicon-Liner u.a. spezielle Strümpfe aus Nylon oder Baumwolle)
  • Schaftadapter (Rohranschluß oder Justierkern) fürs shuttle lock
  • individuller Schaft als ETS (Electronic Test Schaft), Abformung mit SIT (supported ischium trochanteric)-Cast Gipsgerät und Kontrolle mit LASAR (laser assisted static alignement reference) Posture
  • US-Kurzprothesen mit Einbettungsformen
  • bei Gonarthrose bzw. Instabilität des KG Abstützung am OS mit Tuberaufsitz
Knie-Gelenk
  • wie US mit gegebener Endbelastung
Oberschenkel
  • auf Hüftbeugekontraktur und Lendenlordose achten, da sonst Gefahr der Vorlagerung mit Knieeinknickung und Sturz
  • immer Tuberaufsitz
  • früher queroval, heute längsovaler Schaft (flexibel) mit Umgreifung des Tuber ischii in CATCAM (contoured adducted trochanteric controoled alignement method)
  • Schaftadapter (Rohranschluß oder Justierkern) fürs shuttle lock
  • ACS (air contact system) nach Pohlig
  • individuller Schaft als ETS (Electronic Test Schaft), Abformung mit SIT (supported ischium trochanteric)-Cast Gipsgerät und Kontrolle mit LASAR (laser assisted static alignement reference) Posture
  • KG mit einachsiger (monozentrisch) oder mehrachsiger (polyzentrisch) Bewegung, manueller Feststellung, Bremse, hydraulisch oder pneumatisch einrastbar
  • bei kurzem Schaft als Modular-Kippschaft-Prothese
Hüft-Gelenk
  • Beckenkorb oder breiter Gurt
Becken
  • komplette Einfassung der Beckengegenseite und Abstützung am unteren Thorax
Schultergürtel
  • Schmuckarm
Schulter-Gelenk
  • Schmuckarm
  • Eigenkraftprothese mit passivem oder aktivem Greifarm
  • Fremdkraftprothese mit pneumatischem oder elektrischen Antrieb ggf. als myoelektrische Prothese
Oberarm
  • Schmuckarm
  • Eigenkraftprothese mit passivem oder aktivem Greifarm
  • Fremdkraftprothese mit pneumatischem oder elektrischen Antrieb ggf. als myoelektrische Prothese
Unterarm
  • Schmuckhand
  • mechanische Hand
  • Eigenkraftprothese mit passivem oder aktivem Greifarm über Bowdenzüge
  • Fremdkraftprothese mit pneumatischem oder elektrischen Antrieb ggf. als myoelektrische Prothese
Hand
  • Schmuckhand
  • Eigenkraftprothese mit passivem oder aktive Greifhand (hook)
  • Fremdkraftprothese mit pneumatischem oder elektrischen Antrieb ggf. als myoelektrische Prothese

Methoden

Fuß
  • bei Vorfuß meist aus Silikon
  • sonst Gießharz bzw. CFK-Rahmenschaft, bei Pirogoff-Stumpf Innenschuh mit vorderer Abstützung und hinterer flexibler Lasche
Unterschenkel
  • als Interimsprothese Saarbrücker Frühversorgungsprothese mit Manometer, OS- und US-Manschette, Gießherzrahmen und Stumpfendkissen
  • PTB (Patella-Tendon-Bearing)
  • KBM (Knie-Bettung-Münster nach Kuhn)
  • PTS (Prothèse tibiale supracondylienne)
  • entweder SACH (solid ankle cushioned heel) -Fuß (Zippel 1996), Normalgelenk-Fuß (z.B. Pedilan ®, Dynamik-Fuß, Fuß nach Greissinger oder Fuß mit hoher elastischer Rückstellkraft (z.B. C-Walk ®)
Knie-Gelenk
  • Standard Prothese nach von Botta (Weichwandinnenschaft, Formschlüssigkeit, hinterer Längsschlitz, Bodenkontakt mit Kondylenmassiv, bei erhaltener Patella rotationsstabil)
Oberschenkel
  • Interimsprothese nach Bock-Habermann mit Schaft aus verformbaren Thermoplast, Ventil, Sitzring, Adapter Wärmeschutz-Trikotschlauch und Stumpfend-Formkissen
  • querovaler Schaft mit Aufsitz auf Tuber ischii z.B. ISNY (Iceland-Sweden-New York) -Schaft
  • längsovaler Schaft (flexibel) in CATCAM- (contoured adducted trochanteric controoled alignement method)
  • KG mit einachsiger (monozentrisch) oder mehrachsiger (polyzentrisch) Bewegung, manueller Feststellung, Bremse, hydraulisch oder pneumatisch einrastbar (z.B. C-Leg ®)
Hüft-Gelenk
  • canadian hip bzw. Kanadisches Bein (Zippel 1996)
Schultergürtel
  • Schmuckarm mit einrastenden EBG und federndem Daumen an Thoraxschale
Schulter-Gelenk
  • bei Beidseitigkeit Simpson-Rahmen
Oberarm
  • Schulterkappe mit aktivem Greifarm (hook)
  • Heidelberger Armprothese mit pneumatischem Antrieb
Unterarm
  • mechanische Hand (hook)
Literatur
  1. Neff G (1992) Spezielle Stumpfformen. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 189-97
  2. Neff G (1992) Orthopädietechnische Versorgung. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 197-210
  3. Neff G (1999) Amputationen und prothetische Versorgung. In Mutschler W, Haas HP (Hrsg.) Praxis der Unfallchirurgie. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 927-59
  4. Niethard FU, Pfeil J (1992) Orthopädie. 2. überarb. und erw. Aufl. Hippokrates, Stuttgart 267-73
  5. Wolff R Zilch H (1989) Amputation, Prothesenversorgung. In Zilch H, Weber U (Hrsg.) Orthopädie mit Repetitorium. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 44-5
  6. Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni-Med, Lorch 83-6
      
Aktualisiert: 11.04.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben