Der Verband

allgemeine Informationen für Patienten

  • Was wäre die Heilung von Wunden ohne (bunte) Pflaster. Es bewirkt nicht nur bei Kindern Wunder…
  • Es ist eine Tatsache, dass Erkrankungen der Bewegungsorgane hin und wieder Ruhe bzw. eine dreidimensionale Korrektur benötigen.
  • So heilen Wunden (Die Wunde) unter einem Verband besser, da z.T. lebensbedrohliche Blutungen gestillt, die Gerinnung angeregt und sekundäre Infektionen bzw. erneute Verletzungen durch Überlastungen minimiert werden. Jeder Mensch sollte im Rahmen der 1. Hilfe einen Verband anlegen können und gelegentlich in den Sani-Kasten vom eigenen Auto sehen (Der Unfall). Je nach Art einer Erkrankungen bzw. Verletzung sind natürlich spezielle Zusätze wie Medikamente (Desinfektionsmittel, Antibiotika), Chemikalien, Saugvorrichtungen und Schläuche, Schienen u.a. flexible und starre Materialien wie Metalle, Plaste und Gipse nötig. Da der Verband Nebenwirkungen wie Abschnürungen von Gefäßen durch zu hohen Druck von außen mit Thrombosen (Thrombose und Embolie), Allergien durch chemische Zusätze usw. in sich birgt, muß dieser in individuellen Abständen kontrolliert, neu angelegt bzw. gewechselt oder gar verändert werden.
  • Zu den Verbänden zählen neben den klassischen Verbänden aus Wundpflaster, Tupfer, Mull, Binde und Gips (mit denen nicht nur Knochenbrüche (Knochenbildung und -heilung, Knochenbruch bzw. Fraktur), sondern auch Sehnen-, Bänder- und Kapselverletzungen (Bindegewebs- bzw. Sehnen-Riß, Gelenkverletzung bzw. Luxation) zur besseren Heilung gebracht werden) auch spezielle Klebungen (Tape-Verband), Gestelle (Bandagen- und Orthesen) und Lagerungen auf Tüchern, Schienen, Bänken und Polstern, der kaum noch angewendete "Streck" bei Knochenbrüchen und Gipse mit denen ein Operationserfolg gesichert bzw. eine Verformungen korrigiert werden kann. Sehr erfolgreich sind die so genannten Klumpfußgipse (Der Spitzklumpfuß) und Hüftdysplasiegipse (Die Hüftdysplasie).

allgemeine Informationen für Kollegen


Definition

  • Behandlung von Wunden sowie Schutz, Lagerung, Ruhigstellung durch Stützung und Fixation von erkrankten Körperteilen mit Möglichkeit der Korrektur durch Extension und Redression (Weise und Weller 1989)

Voraussetzung

Verbandstoffe
  • Pflaster, Mull, Kompressen aus natürlichen Faserstoffen (Leinen, Baumwolle, Zellstoff), Vlies, synthetische Faserstoffe (Polyamid, Polyester, Polyurethan, Polyvinyl) sowie als synthetische Sprühverbände
Medikamente Saugung
  • bei sezernierenden Wunden bzw. Ergüssen (Körperhöhlen und Gelenke) durch spezielle Stoffe bzw. durch ständigen bzw. wechselnden Unterdruck über Schläuche und Absaugvorrichtungen
Tücher, Schläuche, Gurte, Stricke und Bänder
  • als Notfallbehandlung zur Abdeckung von offenen Wunden, temporären Abschnürung (max. 2h) einer lebensbedrohlichen Blutung und Schienung eines verletzten Körperteils (Vgl. 1. Hilfe bzw. Sani-Kasten im Kfz)
Schienen
  • Schienen nach Böhler, Kramer, von Volkmann, Braun und andere Gegenstände, die stark genug sind, ein Körperteil ruhigzustellen
Polsterstoffe
  • Watte, Schaumstoff bzw. -gummi und Polsterbinden zur Prophylaxe einer Druckschädigung von Haut- und Weichteilgewebe an Knochenvorsprüngen, Gewährleistung einer gewissen Restdurchblutung bzw. Temperaturisolation
Extensionsvorrichtungen
  • Pflaster, Manschetten, Gamaschen bzw. Vorrichtungen ( Glisson -Schlinge, Mayfield - oder Crutchfield -Klammer oder Gardner-Wells -Zange, halo-Weste sowie Kirschner -Draht bzw. Steinmann -Nagel), um durch eine Kraft bzw. Gewicht sowie eine Rolle Zug auf ein Körperteil auszuüben
Binden, Zügel und Bandagen
  • (dauer)elastische, Schlauch-, Kompressions-, Pflaster-, Zinkleim-. Papier- bzw. Kreppbinden sowie Zügel und Bandagen zur Fixierung von Verbandstoffen und Medikamenten, Kompression von Schwellung, Ödem, Blutung und Erguß sowie zur Stützung von Körperteilen (Der Tapeverband)
Gipse und Kunststoffe
  • Gips als Schnell-, Streu- bzw. Kunstharz-Gipsbinden bzw. Cast o.ä. zur Stabilisierung, Ruhigstellung und Fixierung von instabilen, zerstörten oder deformierten Körperteilen (Der Gipsverband)
Hülsen und Schellen
  • spezielle gepolsterte Hülsen bzw. Schellen (Gips, Gips- und Kunststoffen, Metall, Plastik, Leder) sowie Vorrichtungen (Gewinde, Gurte mit eingedrehten Stäben), um ein Körperteil bzw. versteiften Gelenk zu mobilisieren (Der Quengelverband, Bandagen- und Orthesen)

Ziel

  • Restitutio einer offenen und geschlossenen Wunde bzw. einer Erkrankung mit notwendiger Lagerung, Extension, Stützung, Fixation oder Redression

Indikation

  • nahezu jede offene aber auch geschlossene Wunden sowie bei Brüchen (Frakturen), Verrenkungen (Luxationen), Rissen (Rupturen), Verstauchungen (Distorsionen), Zerrungen (Distension) und Prellungen (Kontusionen) von Knochen, Gelenken und Weichteilen mit notwendiger Ruhigstellung
  • Prophylaxe eines erneuten Traumas im Rahmen der Therapie, Rehabilitation bzw. Rekonvaleszenz
  • Überlastungsschaden von Knochen, Gelenken und Weichteilen (Infraktionen, Fissuren, Subluxationen, Instabilitäten, Tendo- und Myopathien)

Kontraindikation

  • Nichtaufklärung (ggf. schriftlich)
  • Nichteinwilligung des ansprechbaren Patienten
  • nichtkooperativer Patient
  • Kompressionsverband ab 2h
  • Stütz-, Fixation- oder Redressionsverband bei möglicher operativer Stabilisierung bzw. Wundverschluß und Verkürzung der Ruhigstellung durch frühfunktionelle Behandlung sowie manifester Angiopahtie (mit Ischämie oder Stase und Hypoxie bzw. Hypercapnie) als AVK oder Thrombose

Technik

  1. Wundverband
  2. Lagerungs-, Schienungs- bzw. elastischer Verband
  3. Druck- oder Kompressionsverband
  4. Extension bzw. Streckverband
  5. Funktions-, Stütz- bzw. Tapeverband
  6. Mobilisations-, Redressions- bzw. Quengelverband
  7. Retentions-, Fixations- bzw. Gipsverband

Methoden

Wundverband
  • Pflasterspray, Heft- oder Wundpflaster
  • Verbandsstoff mit möglicher Abgabe von Medikamenten und Befestigung mit Pflasterzügel (meist gekreuzt)
  • spezielle Klebeverbände bzw. Folien mit Möglichkeit der Absaugung von Sekret, Blut, Erguß etc.)
Lagerungs-, Schienungs- bzw. elastischer Verband
  • Knoten- (Schifferknoten o.ä.) und Wickeltechniken für Tücher (Kopf- Stirn-, Augen-, Ohr(en)-, Kiefer-, Kinn-, Achsel-, Schulter-, Ellenbogen-, Hand-, Hüft-, Gesäß-, Knie-, Fersen- und Fußverband) (Engelhardt 1991)
  • Lagerungstechniken für Tücher (z.B. Armtragetuch), Binden (Schienen nach Böhler, Kramer, von Volkmann)
  • klassische Verbände mit elastischen (auf Längszug) Binden in diversen Wickeltechniken
Bild: Zinkleimverband
elastischer Zinkleimverband bei Bursitis präpatellaris
Druck- oder Kompressionsverband
  • Druckerzeugung durch mehr Gegenstände, Auflagen, stärkere Pflasterzügel oder dauerelastische Binden mit Wickeltechniken (Umschlag-, Kornähren-, Schildkröten- oder Kreuzgang von distal nach proximal)
  • Zügel oder Bandagen bei einer lebensbedrohlichen Blutung aus einem spritzendem Gefäß an bekannten Druckpunkten der Arterien (z.B. Art. temporalis, carotis, brachialis, radialis, ulnaris, femoralis, poplitea, tibialis posterior, dorsalis pedis) für max. 2h sowie zur Kompression von Schwellung, Ödem, Blutung und Erguß
Extension bzw. Streckverband
  • Pflaster-Extension nach Bryant (Wolff und Zilch 1989)
  • apparative Techniken ( Glisson -Schlinge, Steinmann -Nagel bzw. Kirschner -Draht-Extension über Schraubenzugapparat nach Böhler bzw. über Umlenkrolle und Gewicht nach Klapp) (Brückner 1981)
Funktions-, Stütz- bzw. Tapeverband

Mobilisations-, Redressions- bzw. Quengelverband

Retentions-, Fixations- bzw. Gipsverband

Literatur

  1. Brückner H (1981) Frakturen und Luxationen. 4. bearb. Aufl. Volk und Gesundheit, Berlin 32-43
  2. Engelhardt GH (1991) Wunden. In Engelhardt (Hrsg.) Unfallheilkunde für die Praxis. 2. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin New York 54-82
  3. Weise K, Weller S (1989) Verbandlehre. In Reifferscheid M, Weller S (Hrsg.) Chirurgie. 8. neubearb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart New York 65-74
  4. Wolff R, Zilch H (1989) Behandlungsmethoden. In Zilch H, Weber U (Hrsg.) Orthopädie mit Repetitorium. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 30-1
  5. Zechel HG (1992) Verbandstechnik. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart New York 111-25
      
Aktualisiert: 28.06.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben