Der Gipsverband

allgemeine Informationen für Kollegen


Synonym

  • Fixationsverband

Definition

  • immobilisierende Behandlung von erkrankten Körperteilen durch Retention bzw. Fixierung mit nahezu absoluter Ruhigstellung (Zechel 1992)

Historie

  • 1851 erfindet Mathyssen die Gipsbinde (Debrunner 1995)

Voraussetzung

Aufklärung
  • mündliche Aufklärung bzw. Einweisung des Patienten
Geräte
  • Gipsraum mit Wasserbecken, warmen und kaltem Wasser, Gipsabscheider, Zubereitungsfläche, Messer, Schere, Holzbrett, Gummischlauch, Stütz- und Polsterkissen, Liege, Stuhl, Gipsschürzen, Handschuhe, Aufklärungsbögen, Regalschrank, Gipswerkzeug (oszillierende Säge, Gipsschere, Keil, Gipsspalter)
Materialien
  • Gips als Schnell-, Streu- bzw. Kunstharz-Gipsbinden bzw. Cast o.ä.
  • Watte, Schaumstoff bzw. -gummi und Polsterbinden zur Prophylaxe einer Druckschädigung von Haut- und Weichteilgewebe an Knochenvorsprüngen
  • (dauer)elastische, Schlauch-, Kompressions-, Pflaster-, Zinkleim-. Papier- bzw. Kreppbinden

Ziel

  • Restitutio einer Erkrankung mit notwendiger Retention bzw. Fixierung und möglicher Ent-, Teil- oder Vollbelastung

Indikation

  • Risse (Rupturen), inkomplette (Fissuren) und komplette Brüche (Frakturen), Verrenkungen (Luxationen) von Knochen, Gelenken und Weichteilen mit nahezu absoluter Ruhigstellung
  • Sicherung des operativen Ergebnisses sowie Prophylaxe eines erneuten Traumas im Rahmen der Therapie, Rehabilitation bzw. Rekonvaleszenz
  • Bild: zirkuläre Unterarmgipsindikation
    Indikation zum zirkulären Unterarmgips für 4 Wochen bei Zustand nach operativer Teilarthrodese eines drohenden Handgelenk-Kollapses (SLAC-Wrist) rechts (bisher für 2 Wochen mit Unterarm-Longuette während Wundheilung versorgt)
  • Entzündungen von Knochen, Gelenken und Weichteilen
  • (schrittweise) Korrektur von angeborenen und erworbenen Fehlstellungen beim heilenden und wachsenden Skelett

Kontraindikation

Technik

1. Entkleidung und Lagerung des Patienten bzw. der Gelenke in Funktionsstellung
2. Wundverband
3. evtl. Schlauchbinde
4. Polsterung der Druckschäden-gefährdeten Regionen (Acromion, Clavicula, Epicondyli humeri, Olecranon, Procc. styloidei radii et ulnae, Sternum, Spina scapulae, Spinae dorsales columnae vertebrales, Os sacrum, Spinae et Christa iliacae, Trochanter major et Condyli femori, Patella, Caput fibulae, Tibia, Malleoli, Tuber calcanei u.a.) ansonsten Bild: Anlage Polsterbinde
nach Entfernung des Nahtmaterials und der Unterarm-Longuette Anlage der Polster-Binde
5. evtl. Kreppbinde
6. Anwickeln von Longuette in L- oder U-Form (in unterschiedlicher Breite, 4-, 8- oder 12-lagig), zirkuläre Gipstouren (ggf. in unterschiedlicher Breite) und ggf. mit anschließender Spaltung (cave: Gummischlauch) oder "Einwickeln" von Stabilisatoren (z.B. Gestell bei Thoraxabduktionsgips) Bild: Anlage zirkulärer Verband
in korrekter Stellung der Finger- und Handgelenke (durch Teilarthrodese vorgegeben) Anlage eines zirkulären Verbandes mit Cellacast ®
7. Halten (cave: Holzbrett) mit nie ruhenden, sondern ständig reibenden Händen (cave: Dellen und Druckstellen) bzw. Quengeln (Der Tapeverband)
8. Aushärten
9. Glätten von Ecken, Kanten und Rändern
10. Thromboseprophylaxe (Thrombose und Embolie)
11. Kontrolle bei Symptomatik ("Der Patient im Gips hat immer Recht") bzw. spätestens nach 24h
12. Dokumentation sowie Beschriftung des Gipses mit Diagnose, Gipsdatum, Wechsel- oder Abnahmedatum
Methoden
  • Fingerschiene bzw. -flinte
  • Daumenschiene
  • früher Navikularegips heute Scaphoidgips bzw. zirkulärer UA-Gips mit Daumeneinschluß in Abduktion
  • Faustschiene
  • UA-Longuette bzw. -schiene
  • zirkulärer UA-Gips
  • OA-Longuette bzw. -schiene
  • zirkulärer OA-Gips
  • Epaulettengips
  • Poelchen-Gips
  • hangig cast
  • Thoraxabduktionsgips
  • Gipskragen (kleiner Minerva-Gips)
  • Diademgips (großer Minerva-Gips)
  • Gipskorsett
  • Rückenlagerungs-Gipsbett
  • Gipshose
  • Beckengips nach Fettweiß
  • Becken-Bein-Gips
  • Becken-Bein-Fuß-Gips (BBF)
  • OS-Longuette bzw. -schiene
  • zirkulärer OS-Gips
  • OS-Gipshülse (Tutor)
  • Sarniemento-Gips
  • US-Longuette bzw. -schiene
  • zirkulärer US-Gips
  • Gipsstiefel
  • Klumpfußgips nach Ponseti:

Komplikation

  • Thrombose und Embolie
  • Frakturkrankheit mit sympathischer Reflex- bzw. Algodystrophie Sudeck-Leriché, Muskelatrophie, Ankylose und Osteoporose
  • Dekubitus

Literatur

  1. Debrunner AM (1995) Orthopädie. 3. vollst. überarb. Aufl. Hans Huber, Bern Göttingen Toronto Seattle
  2. Zechel HG (1992) Verbandstechnik. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 117-25
  3. Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni-Med, Lorch 46-7
      
Aktualisiert: 02.07.2010
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben