Der Unfall

allgemeine Informationen für Patienten


  • Nach dem VII. Sozialgesetzbuch handelt es sich dann um einen Unfall, wenn ein zeitlich begrenztes, von außen auf den menschlichen Körper schädigend einwirkendes unfreiwilliges Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden (bzw. zum Tod) führt, stattgefunden hat.
  • Passiert dies während der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit, dem Weg zur Tätigkeit bzw. nach Hause (von Haustür zu Haustür), dem Aufenthalt bzw. Tätigkeit in Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten, Weiterbildungen, Qualifikationen, Sprechstunde, Behandlung, Rehabilitation, Kur und allen anderen "versicherten" Gelegenheiten, spricht man vom Betriebs-, Arbeits- bzw. Wegeunfall. Alles andere stellt einen Freizeit- und Privatunfall dar. Hierzu zählen v.a. Unfälle zu Hause sowie beim Freizeit- und Vereinssport. Letztendlich muß ein Verbrechen mit Körperverletzung aus Sicht des Opfers als Unfall gewertet werden.
  • Ein Unfall stellt immer noch die häufigste Todesursache bei Kindern dar. Hier hilft vor allem Vorbeugung durch Aufsicht!, Sicherung von Betten, Fenstern, Balkons, Treppen (Gitter mit max. Abstand von 10 cm), Gehschulen, Steckdosen, Kabeln, elektrischen Geräten einschl. Bügeleisen und -brett, Herd (Ofen und Gitter für Töpfe), vor Einklemmen in Fenstern und Türen, eckigen Kanten, heißem Wasser, Chemikalien, Medikamenten, Giftpflanzen, Alkohol, Zigaretten (auch Kippen!), Feuer jeder Art, spitzen und scharfen Gegenständen, Plastikbeuteln, Schnüren jeder Art, Truhen (von innen zu öffnen!), Wasserfässern, Rasenmähern u.ä., aber auch Kindersitze für Auto und Fahrrad (hier Kinderhelm)!
  • Je nach Art des Unfalles kann die Folge der Tot, ein Schock (mit und ohne Bewußtseinsstörung) sowie eine körperliche und seelische Wunden mit mehr oder weniger Dauerschäden (Gutachten) sein.
  • Je nach Verletzung sollte man 1. Hilfe leisten, Wunden versorgen, den Notarzt per Telefon (112) rufen oder die Rettungsstelle eines Krankenhauses aufsuchen. Bei Vergiftungen kann man gleich die Giftnotrufzentrale in Berlin unter 030/19240 bzw. www.giftnotruf.de erreichen.

    spezielle Informationen für Kollegen


    Synonym

    • adäquates Trauma
    • Verletzung
    • Wunde

    ICD-10

    • S00-99 (Verletzungen)
    • T00-19 (Verletzungen mit Beteiligung mehrerer Körperregionen (Polytrauma) und Folgen)

    Definition

    • nach §8 SGB VII zeitlich begrenztes, von außen auf den menschlichen Körper schädigend einwirkendes unfreiwilliges Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden (bzw. zum Tod) führt
    • Polytrauma als Syndrom von mehreren Verletzungen (Organe und Körperregionen), wobei eine oder die Kombination mehrerer Verletzungen lebensbedrohlich ist

    Einteilung

    Arbeitsunfall
    • Betriebsunfall
    • Unfall während Weiterbildung
    • Schulunfall in Unterricht und Pause
    • Unfall in Kindertagesstätte (Kita), Heim o.ä.
    • Unfall während ambulanter und (teil)stationäre Behandlung und Heilverfahren (AHB, HV, BGSW)
    • Unfall während "Nachbarschaftshilfe", wenn durch BG abgesichert
    • Sportunfall als Profi- und Vereinssportler (je nach Versicherungsstatus durch eigene Berufsgenossenschaft (BG))
    • Wegeunfall auf direktem Weg (mit wenigen Ausnahmen, wie Kita o.ä.) von Haustür bzw. Grundstücksgrenze bis zum Arbeitsplatz (zu Pkt. 1.-6.)
    Freizeit- und Privatunfall
    • (natürlich auch "Schwarzarbeit")
    Verbrechen mit Körperverletzung

    Arten

    • Körperverletzung (Verbrechen)
    • Betriebsunfall (als Arbeits- und Wegeunfall)
    • häuslicher Unfall (innerhalb Haushalt)
    • Verkehrsunfall (als Teilnehmer der Straßenverkehrs)
    • Sportunfall (als Beruf- oder Freizeitsportler)
    • Freizeitunfall (Feierabend, Hobby, Wochenende, Urlaub außerhalb Haushalt, nicht im Straßenverkehr und kein Sport)

    Häufigkeit

    • häufigste Todesursache beim Kind (112 von 230.000) durch Verkehrsunfall (50%, davon wiederum 50% als Pkw-Insasse und 32,4% als Fußgänger), zu Hause (43,8%) und in der Schule (6,2%) durch Sturz, Verbrennung, Verbrühung, Vergiftung, scharfe Gegenstände, Ertrinken
    • bei Vergiftungen (Ingestation) von Kindern v.a. Chemikalien, Kosmetika und Medikamente (66%)

    Ätiologie

    • plötzliche und zeitlich begrenzte Einwirkung durch mechanische, thermische, elektrische, chemische und aktinische Gewalt
    Risiko
    endogen
    • reduzierte Gefahrenerkennung, Wahrnehmung, Geschwindigkeitseinschätzung, Geräuschlokalisation, Größenvorstellung, Rechts-Links-Orientierung
    • Hyperaktivität, Trotzzeitalter, Persönlichkeitsmerkmale (impulsiv…)
    exogen
    • gestörtes Milieu
    • falsche Erziehung
    • psychosoziale Belastung
    • Streß

    Pathogenese

Literatur

  1. Kurz R, Höllwarth ME (2003) Unfälle. In Lentze MJ, Schaub J, Schulte FJ, Spranger J (Hrsg.) Pädiatrie. 2. überarb. und erw. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Hongkong London Mailand Paris Tokio 168-74
  2. Marzi I, Mutschler W (1999) Pathophysiologie des Traumas. In Mutschler W, Haas NP (Hrsg.) Praxis der Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart New York 34-54
  3. Mollowitz GG (1998) Der Unfallmann. Springer, Berlin Heidelberg New York
  4. v. Mühlendahl KE (2003) Vergiftungen. In Lentze MJ, Schaub J, Schulte FJ, Spranger J (Hrsg.) Pädiatrie. 2. überarb. und erw. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Hongkong London Mailand Paris Tokio 175-80
  5. Rompe G, Erlenkämper A (1998) Begutachtung der Haltungs- und Bewegungsorgane. Thieme, Stuttgart New York
  6. Trentz O, Ertel W (1995) Grundlagen und Störungen der Knochenbruchheilung. In Rüter A, Trentz O, Wagner M (Hrsg.) Unfallchirurgie. Urban & Schwarzenberg, München Wien Baltimore 5-31
      
Aktualisiert: 18.02.2011
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben