Die Wunde

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Definition

  • Zusammenhangsverlust von Zellen, Gewebe und Organen durch äußere Einwirkung

Ätiologie

mechanisch
  • direkte oder tangentiale stumpfe Gewalt (von Schürf-, über Riß-, Platz-, Quetsch- bis Ablederungs- oder Skalpierungsverletzung)
  • direkte oder tangentiale stumpf-scharfe Gewalt (von Biß-, über Hieb- bis Pfählungs- und Abtrennungsverletzung bzw. Amputation)
  • direkte oder tangentiale scharfe Gewalt (von Schnitt- bis Stichverletzungen)
  • Geschosse (Schußverletzungen)
thermisch
  • Überwärmung bzw. Hitze, Verbrennung oder Verbrühung
  • Unterkühlung bzw. Kälte
elektrisch
  • Elektrounfall mit Nieder- und Hochspannung bzw. Schwach- und Starkstrom
chemisch
  • Säure (Koagulationsnekrose)
  • Lauge (Kolliquationsnekrose!)
aktinisch

Pathogenese

Wundsetzung
  • Trauma mit Begleitumständen (Polytrauma, Schock, Schmerz, Kontamination)
Blutung
  • Austritt von Blutzellen und Plasma je nach Größe, Art und Anzahl der verletzten Gefäße
Wundheilung
exsudative Phase
  • (1.-3. Tag)
  • Blutstillung (Hämostase) durch
  1. Gefäßkontraktion (glatte Muskelzellen der größeren Gefäße)
  2. Thrombozyten-Aggregation (Kontakt mit defekten und gegenteilig geladenen Endothelzellen bzw. freigewordenem Kollagen bei Anwesenheit von Willebrand-Faktor und ATP) und Freisetzung zahlreicher Mediatoren (Gerinnungsfaktoren, Thromboxan, Leukotriene und Prostaglandine)
  3. Blutgerinnung durch Aktivierung von
    • Blutthromboplastin bzw. Kallikrein, F XII (Hagemann-Faktor), F XI (Rosenthal-Faktor bzw. antihämophiler Faktor C), F IX (Christmas-Factor bzw. Autothrombin II) bei Anwesenheit von F X (Stuart-Prower-Factor bzw. Autothrombin III) und F IV (Ca2+) bei Anwesenheit von F VIII (antihämophiles Globulin), F IV (Ca2+) und Phospholipid als intrinsischer Weg
    • F III (Gewebethromboplastin bzw. Thrombokinase), F VII (Prokonvertin bzw. Autothrombin I) und F X bei Anwesenheit von F IV (Ca2+) und Phospholipid als extrinsischer Weg
    • F II (Prothrombin) bei Anwesenheit von F X (Stuart-Prower-Factor bzw. Autothrombin III), F VI (Akzelerin), F V (Proakzelerin), F IV (Ca2+) und Phospholipid zu Thrombin
    • F I (Fibrinogen) über Fibrinmonomer und -polymer zu Fibrin bei Anwesenheit von F IV (Ca2+) und F XIII
  4. Bildung eines Thrombus aus Thrombozyten, Fibrin und Fibronektin
    • erste Entzündungsreaktionen über Komplement- sowie Kinin-Kallikrein-System sowie Infiltration von Granulozyten und Monozyten mit Phagozytose von Mikroorganismen und Proteinen sowie Freisetzung weiterer Mediatoren (Wachstumsfaktoren und Zytokine) (Marzi 1999)
proliferative Phase
  • (3.-14. Tag)
  • Granulation durch Migration und Aktivierung von Fibroblasten (Bildung von Matrix aus Mucopolysacchariden (Glucosamine, Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure), Fibronektin, Kollagen Typ I, III und IV unter Einfluß von Vitamin C), Angioblasten und Epidermiszellen (Bildung von Laminin, Kollagen Typ IV und V) und Aktivierung von Myoblasten
regenerative bzw. Differenzierungs-Phase
  • (14.-180. Tag)
  • Remodelling durch Zellteilung und Produktion von Matrix sowie Differenzierung bzw. Vernetzung des Kollagens durch Einbau von Hydroxyprolinsulfat
Begleitsymptomatik

Einteilung

offene Wunde
geschlossene Wunde
oberflächliche Wunde
  • meist Haut und Subkutis
tiefe Wunde
  • auch Faszien, Muskulatur, Sehnen, Kapseln, Gelenke, Knochen, Gefäße und Nerven sowie Körperhöhlen

Arten

  1. Schürfwunde (nur Epidermis, schmerzhaft, kapilläre Blutung)
  2. Platzwunde (über Knochen, Blutung, unregelmäßiger Rand, schlechte Durchblutung, Infektionsgefahr)
  3. Rißwunde (zerfetzter Rand, schlechte Durchblutung, Infektionsgefahr)
  4. Quetschwunde (unregelmäßiger Rand, Verletzung tiefer Schichten, schlechte Durchblutung)
  5. Ablederungswunde (Avulsion oder D&eacut;collement) an Gliedmaßen bzw. Skalpierungswunde am Kopf (großer unterminierter Rand, schlechte Durchblutung, Nekrose- und Infektionsgefahr)
  6. Abtrennungswunde (traumatische (sub)totale Amputation einer Gliedmaße, Gefäß-Nerven-Verletzung, Blutung, Nekrosegefahr)
  7. Hiebwunde (glatter oder unregelmäßiger Rand, Verletzung tiefer Schichten, schlechte Durchblutung, Infektionsgefahr)
  8. Schnittwunde (glatter oder unterminierter Rand, Blutung)
  9. Stichwunde (glatter Rand, Verletzung tiefer Schichten mit Gefahr der Gefäß-Nerven-Verletzung, Blutung)
  10. Pfählungswunde (unregelmäßiger Rand, Verletzung tiefer Schichten mit Gefahr der Gefäß-Nerven- und Organ-Verletzung, Blutung, Nekrose- und Infektionsgefahr)
  11. Schußwunde (unregelmäßiger Rand, Verletzung tiefer Schichten mit Gefahr der Gefäß-Nerven- und Organ-Verletzung, Blutung, Nekrose- und Infektionsgefahr, Austrittswunde?)
  12. Bißwunde (unregelmäßiger Rand, Verletzung tiefer Schichten, Nekrose- und Infektionsgefahr, Tollwut!)

Symptomatik

  • Schmerz bzw. dolor je nach Stupor (Zustand völliger Schmerzfreiheit) bzw. Ätiologie und Lokalisation der Wunde
  • Blutung mit Hämatombildung je nach Größe der Gefäßverletzung bzw. offener oder geschlossener Wunde
  • Schwellung bzw. tumor durch Blutung, Ödem und Entzündungsreaktion
  • Funktionsstörung bzw. functio läsa, Schwäche, Lähmung sowie Gefühlsstörung je nach Lokalisation der Wunde, Begleitverletzung bzw. Komplikation
  • Fehlstellungen und deformitäten je nach betroffenem Gewebe

Diagnostik

  • ich frage häufig Hr. Krüger (Facharzt für Allgemein- und Visceral-Chirurgie)
Anamnese
  • Unfallanamnese
Status
Inspektion
  • Wundausmaß (Größe, Tiefe, Rand, Grund)
  • Begleitverletzung (Blutung)
Palpation
  • z.A. Fremdkörper, Fraktur und Weichteilverletzung
Messung
  • Neutral-Null-Methode (NNM)
  • immer Motorik, Sensibilität und Durchblutung (MSD) z.A. von Nerven-, Muskel- und Sehnenverletzungen
Radiologie
Röntgen
  • z.A. Fremdkörper, Luft, Fraktur und Weichteilverletzung

Therapie

Komplikation

Literatur

  1. Engelhardt GH (1991) Wunden. In Engelhardt GH (Hrsg.) Unfallheilkunde für die Praxis. 2. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 41-2
  2. Marzi I, Mutschler W(1999) Pathophysiologie des Traumas. In Mutschler W, Haas NP (Hrsg.) Praxis der Unfallchirurgie. Georg Thieme, Stuttgart NewYork
  3. Müller M (1994) Chirurgie. 2. Aufl. Med. Verlags- und Informationsdienst, Breisach 1-2
  4. Pschyrembel W (1986) Klinisches Wörterbuch. 255., völlig überarb. und stark erw. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 215-6
  5. Reifferscheid M (1989) Die Lehre von der Wunde. In Reifferscheid M, Weller S (Hrsg.) Chirurgie. 8. neubearb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart New York 28-40
  6. Schmitt W (1979) Allgemein Chirurgie. 9. Aufl. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 249-330
      
Aktualisiert: 18.02.2011
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben