Wundheilungsstörung und -infektion

allgemeine Informationen für Patienten


  • Jede Wunde kann eine gestörte Heilung zeigen und sich infizieren. Verantwortlich sind zahlreiche Faktoren im Gewebe (Mangel an Sauerstoff, Kupfer, Enzymen und Vitaminen) sowie Mikroorganismen wie Bakterien und ihre Gifte mit unterschiedlicher Auswirkung auf den Gesamtorganismus eines Menschen.
  • Dabei gilt jede nicht während einer Operation entstandene Wund als infiziert, da sich auf der Haut eines Menschen immer Erreger befinden und in die Wunde eindringen. Besonders gefährdet sind Bißwunden von Mensch und Tier.
  • Abhängig von der Aggressivität des Erregers (vgl. Tetanus) und der Stärke des Immunsystems (vgl. Alte, Diabetiker, Herz- bzw. Lungenkranke) kommt es zu einer örtlichen (Schmerz, Rötung, Überwärmung und Schwellung) oder allgemeinen Infektion (Blutvergiftung mit Fieber, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Bewegungseinschränkungen).
  • So sollte jede Wunde genau inspiziert, eventuell gesäubert und steril abgedeckt werden (Der Verband).
  • Bei einer Infektion muß sie chirurgisch behandelt werden. Dazu gehören eine Spülung mit Kochsalz-Lösung, eine gründliche Desinfektion, gegebenenfalls das Ausschneiden unter örtlicher Betäubung, ein Verband, die Ruhigstellung (Gipsverband), eine Behandlung mit Antibiotika und eventuell eine Naht (Wundbehandlung und-verschluß).
  • So können gefährliche Krankheiten wie Blutvergiftung, Gasbrand, Tetanus, Lepra, Milzbrand oder Tollwut, aber auch Gelenk- und Knochenentzündungen verhindert werden.

allgemeine Informationen für Kollegen


Definition

  • Komplikation nach einer Wundsetzung durch ein Trauma bzw. im Rahmen einer Wundheilung durch äußere und innere Einflüsse einschl. einer Infektion durch Mikroorganismen, ihrer oder fremder Gifte, Toxine bzw. Stoffe und unterschiedliche Auswirkung auf den Gesamtorganismus

Formen

Serom
  • mit Gewebswasser bzw. Wundsekret und Lymphe gefüllter Hohlraum im Wundbereich
Hämatom
  • durch verletzte Gefäße angesammeltes Blut im Gewebe mit unterschiedlicher Auswirkung auf Nachbargewebe und Organismus durch Druck und Resorptionsvorgänge
Nekrose
  • unvollständige Wundheilung in proliferativer und regenerativer Phase mit Absterben der an der Wundheilung beteiligten Zellen und möglicher Sekundär-Infektion
Dehiszenz
  • spontanes Aufreißen einer inkomplett verheilten Wunde
Wundinfektion

Ätiologie

lokal
  • Durchblutung (Verletzung, Kompression und Erkrankung von Gefäßen)
  • Kontamination bzw. Infektion (primär bei Wundsetzung, durch hämatogene Absiedlung bzw. sekundär während Wundbehandlung)
allgemein
  • Immunität (Alter, Immunsuppression, HIV, Malignom)
  • Stoffwechsel (Kachexie, Hypoproteinämie, Hypo- oder Avitaminose, Anämie, Diabetes mellitus, Kollagenosen, Hepatopathie) mit Mangel an Nährstoffen und Kofaktoren
Gift
  • Tierbisse und -stiche (Schlangen, Zecken, Insekten)
  • Fremdkörper (Tinte, Metalle)
Erreger
  • Bakterien und ihre Toxine bzw. Zerfallsprodukte wie pyogene (Staphylococcus, Streptococcus, Escherichia, Pseudomonas, Neissheria und Salmonellen), putride (Proteus, Streptococcus, Clostridium und Escherichia), anaerobe (Clostridium) und toxische (Corynebacterium) Erreger
  • Viren
  • Pilze

Pathogenese

  • abhängig von Zellen der Wundheilung (Die Wunde)
  • Entwicklung einer lokalen oder systemischen Infektion abhängig von Pathogenität, Virulenz des Mikroorganismus und Immunität des Makroorganismus durch lokale (Verletzung, Kompression und Erkrankung von Gefäßen) und systemische (Alter, Immunsuppression, HIV, Malignom, Kachexie, Hypoproteinämie, Hypo- oder Avitaminose, Anämie, Diabetes mellitus, Kollagenosen, Hepatopathie) Faktoren

Lokalisation

  • häufiger an unterer Extremität
  • Dehiszenz nach Laparotomie

Symptomatik

  • je nach Grunderkrankung
  • Schmerz bzw. dolor je nach Stupor (Zustand völliger Schmerzfreiheit) bzw. Ätiologie und Lokalisation der Wunde
  • Blutung mit Hämatombildung je nach Größe der Gefäßverletzung bzw. offener oder geschlossener Wunde
  • Schwellung bzw. tumor durch Blutung, Ödem und Entzündungsreaktion mit unterschiedlicher Sekretion (Detritus, Eiter etc.) sowie Geruch
  • Rötung bzw. rubor durch Hämatombildung
  • Überwärmung oder "Hitze" bzw. calor
  • Funktionsstörung bzw. functio läsa, Schwäche, Lähmung sowie Gefühlsstörung je nach Lokalisation der Wunde, Begleitverletzung bzw. Komplikation bestimmt

Diagnostik

Anamnese
  • Schmerz bzw. dolor je nach Stupor (Zustand völliger Schmerzfreiheit) bzw. Ätiologie und Lokalisation der Wunde
  • Grunderkrankung
Status
Inspektion
  • Blutung mit Hämatombildung je nach Größe der Gefäßverletzung bzw. offener oder geschlossener Wunde
  • Schwellung bzw. tumor durch Blutung, Ödem und Entzündungsreaktion
  • Rötung bzw. rubor durch Hämatombildung
  • cave: subkutaner Platzbauch
Palpation
  • Überwärmung oder "Hitze" bzw. calor
Messung
  • Funktionsstörung bzw. functio läsa, Schwäche, Lähmung sowie Gefühlsstörung je nach Lokalisation der Wunde, Begleitverletzung bzw. Komplikation bestimmt
    • Temperatur (mind. 3xtgl.)
    Labor
    • BSG, CrP, BB oder Diff-BB, Prot, Alb, BZ, ASAT, ALAT, GGT, AP, BILI, CHE, Fib, AT III, F XIII, Vit A, C, E, Zn, Fe, Cu
    • Blutkultur (bei septischer Temperatur über 38°C)
    • Wundabstrich
    Radiologie
    Röntgen
    • Röntgen bzw. Fistulographie
    Sonographie
    • zum Ausschluß Abszedierung
    Szintigraphie
    • als Mehrphasenszintigraphie mit leukozytenaffinen (markierte lipophile Verbindungen oder Antikörper (z.B. HMPAO, Oxin, NCA 95) oder kapillarpermeablen Stoffen (markierte Mikro- oder Nanokolloide (z.B. Pertechnetat)

    Differentialdiagnostik

    • systemische und lokale Infektionen (Sepsis, Ost(eomyel)itis, Osteo-Arthritis, Phlegmone, Abszeß, Erysipel)

    Therapie

    • Ausschluß Sepsis
    • Inspektion
    • ggf. Punktion von Serom und Hämatom bzw. Eröffnen der Wunde
    • dann offene Wundbehandlung (Spülung mit physiologischer Kochsalz(NaCl)-Lösung, evtl. Drainage (Redon o.ä.)), Ausschneiden (außer Gesicht und Hand), Situationsnaht bei Gesicht und Hand,
    • Verband, Ruhigstellung, systemische Antibiose und evtl. Sekundärnaht (Wundbehandlung und-verschluß)
    • tägliche Wundkontrollen

    Komplikation

    • Sepsis bzw. septischer Schock
    • Gasbrand, Tetanus, Diphtherie, Tuberkulose, Syphilis oder Lues, Lepra oder Aussatz, Rotz oder Malleus, Milzbrand oder Anthrax, Tollwut oder Lyssa bzw. Rabies (Schmitt 1979)
    • Arthritis
    • Ost(eomyel)itis
    • Narbe (Das Störfeld)

Literatur

  1. Engelhardt GH (1991) Wunden. In Engelhardt GH (Hrsg.) Unfallheilkunde für die Praxis. 2. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 42-50
  2. Müller M (1994) Chirurgie. 2. Aufl. Med. Verlags- und Informationsdienst, Breisach 1-2
  3. Müller-Lange, P. und F. M. Hasse: Klinikleitfaden Chirurgie. Jungjohann Verlag, Neckarsulm, Stuttgart (1995)
  4. Reifferscheid M (1989) Die Lehre von der Wunde. In Reifferscheid M, Weller S (Hrsg.) Chirurgie. 8. neubearb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart New York 28-40
  5. Schmitt W (1979) Allgemein Chirurgie. 9. Aufl. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 249-330
      
Aktualisiert: 18.02.2011
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben