Die Störung des Bewußtseins

allgemeine Informationen für Patienten


  • Wenn ein Mensch nicht mehr ansprechbar ist bzw. auf akustische Reize durch Ansprechen bzw. Schreien, optische Reize durch Licht in die Augen bzw. Pupillen und mechanische Reize wie Berühren, Anstoßen, Schlagen ja sogar Kneifen nicht mehr adäquat reagiert, dann ist sein Bewußtsein gestört.
  • Zu solchen nicht adäquaten Reaktionen zählen auch nicht zusammenhängende Worte bzw. Sätze ("Kauderwelsch"), unkorrekte Angaben zu Name, Geburtsdatum, Ort und Zeit.
  • Dies stellt einen medizinischen Notfall dar.
  • Sofort ist per Telefon 112 anzuwählen und der Notfall mit Angabe von Ort, Zeit und Art des Vorfalls bzw. Anzahl der Erkrankten sowie Name des Melders bekanntzugeben.
  • Es ist sofort Erste Hilfe zu leisten.
  • Das Ziel dieser Hilfe ist es, die sogenannten Lebens- oder Vitalfunktionen wie Atmung und Kreislauf aufrecht zu halten.
  • Die Kontrolle der Atmung erfolgt durch
    • das Freimachen von Mund und Nase bzw. Rachenraum (lockere Zahnteile, Prothesen, Speisereste entfernen bzw. ausspucken lassen),
    • das Abhören der Atmungsgeräusche,
    • das Beobachten des Brustkorbes und Bauches, welche sich bewegen müssen,
    • das Fühlen des Atems (am besten mit der eigenen Hand oder Wange) sowie
    • das Testen der Feuchtigkeit des Atems (am besten mit Spiegelglas).
  • Die Kontrolle des Kreislaufes erfolgt durch
    • Abhören des Herzschlages und
    • das Fühlen des Pulses der Schlagadern (am besten mit den Kuppen aller Langfingern am seitlichen Hals vor einem tastbarem Muskelbauch des Kopfwenders sowie daumenseitig auf der Innenseite des Unterarmes unterhalb des Handgelenkes)
  • Sind beide Funktionen stabil, ist der Geschädigte in eine stabile Seitenlage zu bringen. Dabei legt man zuerst den Geschädigten auf den Rücken, den Arm und das Bein der Seite, zu der er gedreht werden soll, bleiben gestreckt, das andere Bein wird so aufgestellt, daß das Knie einen Winkel von ca. 90° Grad bildet. Nun dreht man den Geschädigten zur Seite, indem man am aufgestellten Knie und am bisher nicht genannten Arm zieht. Die Hand des unten liegenden gestreckten Armes muß hinterm Gesäß zu sehen sein. Das gebeugte Knie verhindert durch sein Abstützen das weitere Drehen des Geschädigtem. Schließlich wird der oben liegenden Arm im Ellenbogen so gebeugt, dass die flache Hand unterm Kopf plaziert werden kann und Mund bzw. Nase frei liegen.
  • Wenn eine Vitalfunktion bei einem nicht ansprechbarem Patienten nicht nachweisbar ist, muß man sofort mit einer Wiederbelebung (Reanimation) beginnen: das heißt, nach der sogenannten ABC-Regel zu verfahren.
    1.Atemwege frei machen (Reste von Speisen, Erbrochenem, Gebiß schnell entfernen bzw. Zunge mit der Hand vorholen)
    2.Beatmung (Mund-zu-Mund, Mund-zu-Nase) durchführen (mit beiden Händen den Kopf leicht nach hinten überstrecken, Mund oder Nase zu halten und vorsichtig aber kräftig Luft in die andere Öffnung einblasen und dabei auf Brustkorb und Bauch des Geschädigten schielen - der Brustkorb sollte sich heben!)
    3.Cardiopulmonale Reanimation (5:1, 15:2) bis zum Eintreffen des Arztes beginnen (alleinig 2 x beatmen und 15 x Herzmassage bzw. zu zweit 1 x beatmen und 5 x Herzmassage durch Aufsetzen eines Handballens auf das untere Drittel des Brustbeines und das Darüberlegen der zweiten Hand sowie das Eindrücken des Brustkorbes mit gestreckten Armen und der Kraft des ganzen Oberkörpers in einer Frequenz von ungefähr 1 Massage pro Sekunde)
    - Es wird solange beatmet bis ein Sanitäter oder Notarzt eintrifft, welcher dann alles weitere entscheidet.
    4.Drugs zur Kreislaufstützung (Adrenalin bei Asystolie, Dopamin (5-10 µg/Kg x min) oder Dobutamin bei Hypotonie), Ödemprophylaxe bzw. -therapie (Mannitol, Dexamethason oder Methylprednisolon), Analgesie (Opioide), Insulin oder Glucose
    5.EKG
    6.Fibrillation bei Kammerflimmern oder -flattern
    7.Gegengifte (Antidota) bei Vergiftung bzw. Intoxikation
    8.Hyperventilation mit Atemfrequenz von 15 ml/Kg x min
    9.Infusion zur Kreislaufstützung und Hämodilution (Ringer-Lactat, Elektrolyt-Lösung, HAES®)
    - J
    10.Katheder zur Kontrolle der Ausscheidung
    11.Lagerung (Oberkörperhochlagerung zur Hirndruckprophylaxe bzw. -therapie)
    12.Magensonde
    13.N atrium-Bikarbonat zur Pufferung

Literatur

  1. Rossi R, Dobler G (1993) Notfall-Taschenbuch für den Rettungsdienst. 7. überarb. und erw. Aufl. Verlagsgesellschaft Stumpf & Kossendey, Edewecht
      
Aktualisiert: 17.02.2009
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben