Das Übergewicht

allgemeine Informationen


Synonym

  • Adipositas
  • Fettsucht

ICD-10

  • E66

Definition

  • Das Körperfett eines Menschen überschreitet das normale Maß im Vergleich (Body Mass Index bzw. BMI).

Häufigkeit


Prävalenz
  • in USA bis zu 11% bei Kindern
  • seit 1989 in neuen Bundesländern stark ansteigend (Wabitsch 2003)

Ätiologie

  • ideopathisch
  • hereditär (zahlreiche Gene bekannt, familiäre Häufung bis zu 60%)
  • sekundär
Risiko
endogen
  • Leptin-, Leptinrezeptor-, Prohormone-Convertase-I-, pro-Opio-Melanocortin-, Melanocortin-4-Rezeptor- und Perioxosome-proliferator-activated-receptor-γ-(PPARγ)-Gen
exogen
  • psychosoziales Milieu (Familie, Bildung, Armut usw.)
  • nutritiv (fast foot)
  • Verhalten (kaum körperliche Bewegung, Fernseher, Gameboy, PC etc.)

Pathogenese

  • Energieaufnahme ist größer als Energieabgabe. Auf der einen Seite steht nur die Nahrung selbst. Auf der anderen stehen
    • der Grundumsatz (bei Säuglingen bis 53 kcal/kg/d, bei Erwachsenen ca. 24 kcal/kg/d),
    • das Wachstum (pro g Zuwachs 4 kcal + 1 kcal für Synthese),
    • die Thermogenese (ca. 5% der Energiezufuhr für Verdauung, Resorption, Transport, Umbau und Speicherung der Nährstoffe),
    • die Infektabwehr (bei Fieber 10% Energieverbrauch pro °C)
    • und die körperliche Bewegung (38 - 94 kcal/kg/d).
  • Neben der Nahrung, welche aus Wasser, Proteinen (einschl. Aminosäuren), Kohlehydraten (Mono-, Oligo- und Polysaccharide), Fetten (Cholesterin sowie Triglyceride mit gesättigt und ungesättigte Fettsäuren einschl. Eicosapentaesäure (EPA) und Docohexaesäure (DHA)), Elektrolyte, Minerale und Spurenelemente (Natrium, Chlorid, Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Jod, Zink, Selen, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän …) sowie Vitaminen (Beta-Carotin bzw. Retinole (A), Thiamin (B1), Riboflavine (B2), Niacin bzw. Nicotinamid (B3), Pantothensäure (B5), Pyridoxine (B6), Folate (B9), Biotin (B10), (Cyano)Cobalamin (B12), Ascorbate (C), (Chole)Calciferole (D1-3), Tocopherole (E), Phyllochinone (K), im Alter individuell auch Coenzym Q10 (Vitamin Q) und Carnithin (Vitamin T)…) sowie sekundären Pflanzen- und Balaststoffen bestehen sollte (Die Ernährung, Die orthomolekulare Medizin, Das Wasser, Einführung in die Phytotherapie) ist die vom Willen abhängige körperliche Bewegung mit Aktivität aller nicht glatten Muskeln (Gesundheitstraining und -schulen, Der Muskel) großen Schwankungen und Einflüssen ausgesetzt.
  • Die Regulation der Aufteilung der Nahrung bzw. deren Speicherung durch Speichel, Sekrete, Salzsäure, Enzyme, Gallesäuren, Schleimhautzellen, Transportstoffe, Parenchymzellen etc. ist noch unklar.
  • Alles andere (Sättigungsgefühl, Grundumsatz, Thermogenese, Fettoxidation, Aktivität des Vegetativums sowie Adipozytendifferenzierung und weitere endokrine Regelkreise) scheint genetisch fixiert.
  • Kurzfristige (Magen-Darm-Trakt und Nahrungsmetabolite) und langfristige (Hypothalamus) Kontrollen sollen Bilanz zwischen Aufnahme und Abgabe stabilisieren.
  • Hormone und Neurotransmitter wie Neuropeptid Y (Appetitstimulator), α-Melanozyten-stimulieendes Hormon (MSH), Dopamin und Serotonin (Appetitshemmer) regulieren auch die Energiehomöostase.
  • Nicht zu unterschätzen ist der Zusammenhang von Psyche und Hunger ("Frustfraß").
  • Nur die Größe des Adipozyten ist zum Ende des 1. Lebensjahres erreicht. Aber die Anzahl ist von Insulin, IGF-I, Glucocorticoiden, Wachstumshormonen und Fettsäuren abhängig.

Einteilung


nach Nosologie
primär
  • keine Ursache bekannt
sekundär
  • Grundkrankheit liegt vor

Diagnostik


Status
Inspektion
  • Habitus (Pykniker)
Messung
  • Körpergewicht
  • Körpergröße
  • Biologische Impedanz-Analyse (BIA) mit Messung von Wasser-, Fett- und Körperzellverteilung bzw. -anteil
  • Messung der Hautfaltendicke

Differentialdiagnostik

  1. kongenital
  2. konnatal
    • Sotos-Syndrom, Wiedemann-Beckwith-Syndrom, Simpson-Golabi-Behmel-Syndrom, diabetische Fetopathie
  3. sekundär
    1. endokrin
    2. hypothalamisch-hypophysär
    3. andere

Therapie


kausal
konservativ
  • Veränderung der psychosozialen Faktoren, der Nahrung und der körperlichen Bewegung
  • Hier ist wohl der schwierigste Ansatz, da die Menschheit mit anderen Dingen beschäftigt ist und Hunger leidet… (Hunger nach Macht, Kapital und passivem Genuß auf der einen und dem nach Essen, Trinken, Frieden, Schlaf, Familie bzw. Gemeinschaft, Harmonie, aktivem Streßausgleich usw. auf der anderen Seite). Dazwischen existiert die Mehrheit, des es nicht zur einen Seite schafft, jedoch auch nicht durch Wohlstand auf der anderen Seite existieren müssen, jedoch zu passiv in ihrer Lebensweise sind und dem Genuß und Spaß verfallen (aus Zucht wurde Sucht). Das geht jedoch auf Kosten von erarbeitetem Wert und Gesundheit. So sind die 3 o.g. Faktoren zu Ungunsten von Psychostreß (Sucht, Abusus, Depression, Burn Out, ADHS…), falscher Ernährung (Konsum von Süßem und Geschmack(stoffen), welche ungehindert und großangelegt an den Kunden bunt und schillernd per Werbung durch Medien, Dienste, Angebote usw. gelangen) und falsche körperliche Bewegung bzw. Ausgleich von o.g. beiden Faktoren (einerseits ist Menschheit aufgrund der Abstammung auf mind. 20km Fußmarsch bzw. Gehen programmiert und andererseits müsste der Mensch bei seinem Psycho- und Ernährungsstreß noch mehr körperlich ausgleichen … ) gekippt. Da reichen die so genannten Diät- und Fitness-Ideen (welche auch nur der einen Seite helfen) nicht allein aus!
symptomatisch
konservativ operativ
  • gastric-banding?
  • alle "Absaugtechniken" und diverse kosmetische Operationen

Komplikationen

Prognose

  • hängt von Nahrung (Ernährung) und von Energieabgabe (körperliche Bewegung) ab

Literatur

  1. info@labor-bayer.de
  2. Schöch G, Kersting M (2003) Normale Ernährung von Neugeborenen, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. In Lentze MJ, Schaub J, Schulte FJ, Spranger J (Hrsg.) Pädiatrie. 2. überarb. und erw. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Hongkong London Mailand Paris Tokio 181-205
  3. Wabitsch M (2003) Adipositas. In Lentze MJ, Schaub J, Schulte FJ, Spranger J (Hrsg.) Pädiatrie. 2. überarb. und erw. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Hongkong London Mailand Paris Tokio 212-8
      
Aktualisiert: 16.02.2012
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben