Zuckerkrankheit bzw. Diabetes mellitus

allgemeine Informationen für Patienten


  • Der Name dieser Volks- bzw. Zivilisationskrankheit entstand aufgrund von Ablagerung oder besser Ausscheidung von süßen Substanzen im Urin, welcher nun mal süßer schmeckte (ja es gab Zeiten, da wurde der Urin nicht nur gegen das Licht gehalten, sondern auch gekostet…). Die Tatsache, dass diese Patienten häufiger Wasserlassen gab der Krankheit den Namen Diabetes ("Durchfluss“) mellitus („honigsüß“) bzw. DM.
  • Sie ist gekennzeichnet durch die vermehrte Konzentration von Glucose, dem Einfach-Zucker (Monosaccharid bzw. Hexose) im Blut (Hyperglycämie), welcher zwar von Gehirn, Nebennierenmark und rotem Blutkörperchen als der Energielieferant dient, jedoch diese entweder nicht erreicht oder nicht verwertet werden kann und somit vermehrt im Blut auftritt und zu Schäden im Gefäß und Gewebe führt (Arterienverkalkung bzw. Artheriosklerose, Thrombose und Embolie, Die arterielle Verschlusskrankheit).
  • Die Ursache des DM liegt einerseits in den Langerhans- bzw. Insel-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Entzündungen, Auto-Antikörper, Tumore, Verletzungen, Operationen als Typ I bezeichnet) oder in der Tatsache, dass durch Stress (Adapatations- und Stresssyndrom) zu viele Hormone wie Thyroxin der Schilddrüse, Adrenalin/Noradrenalin und Kortisol der Nebenniere, Glucagon der Leber usw. (Leberfunktionsstörungen, hormonelle Störungen) den Energieträger Zucker aus Eiweißen und seltener aus Fetten mobilisieren (Gluconeogenese), was zu einer Hyperglycämie führt und somit die Bauchspeichel zwingt, Insulin zu produzieren und ins Blut vermehrt zu senden. Nur dieses Insulin bringt quasi den Zucker in die Zelle, hemmt Glucagon und aktiviert die Glycogenspeicherung in Leber und Muskulatur. Aber zu viel Insulin (Hyperinsulinämie) macht erneut Hunger oder sogar Heißhunger auf Süßes, sondern lässt die Insel-Zellen ermüden bzw. die Zielzelle verwöhnen. Sie nimmt es irgendwann nicht mehr war (Insulinresistenz) und lässt den Zucker im Blut (Typ II), was die Fettproduktion aus Zucker (für den Ernstfall) ankurbelt. Was mit diesem Fett passiert, sollte jedem klar sein (Übergewicht bzw. Adipositas).
  • Wenn nicht rechtzeitig der erhöhte Blutzucker bzw. BZ erkannt wird (immer nüchtern Blut abnehmen lassen (normal bis 110 mg/dl oder besser 6,1 mmol/l) und ggf. einen Glucosetoleranztest (BZ nach 2h bis 140 bzw. besser 7,8) durchführen), kommt es nicht nur zum Anstieg des Hämoglobin A1c (>7,5% gegenüber normalem roten Blutfarbstoff), zum Ausscheiden von Urinzucker (je nach Nierenschwelle ab 120 bis 200mg/dl), sondern sogar zum Koma. Da reichen auch eine zuckerfreie Diät bzw. Zuckerersatzstoffe nicht aus. Hier setzen spezielle Medikamente zur Zuckerverwertung und natürlich das Insulin (vom Schwein oder Labor) an, welches unter die Haut vor, nach und zwischen den Mahlzeiten als kurz- oder langwirkendes Hormon gespritzt bzw. gepumpt wird (Vorsicht bei Insulingabe ohne Essen: es droht ein Schock, welcher nur durch ein Stück Zucker (welches man in der Tasche haben sollte) oder den Notarzt (Die Bewusstseinsstörung) zu beherrschen ist). Um auch hier einer Verwöhnung entgegenzuwirken, muss der Stoffwechsel einer jeder Zelle so aktiviert werden, dass sie den Zucker restlos "verbrennt" bzw. die Fettreserven des Übergewichtigen verbraucht (Lipolyse). Ausdauer- und Kraftsport zur Erhöhung der Insulinempfindlichkeit aller Muskelzellen ist der Schlüssel dazu (Die Rehabilitation, medizinisches Krafttraining bzw. Trainingstherapie, Die Krankengymnastik (KG), Gesundheitstraining und -schulen).
  • Um die Komplikationen an den Gefäßen einschl. Gefäßverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall zu vermeiden, sollte die Prophylaxe schon vor dem Zuckertest erfolgen: Impfung gegen Mumps (kann Pankreatitis also Bauchspeicheldrüsenentzündung mit Tod der Inselzellen im Alter hervorrufen), Hände weg vom Naschen, einen großen Bogen um den Bäcker und diverse Regale von Supermärkten bzw. Discounter, nicht süße bzw. langkettige Zucker bzw. Kohlehydrate essen (low carb- bzw. LOGI-Diät), keinerlei Zucker (v.a. Fünfach-, Obst- bzw. Fruchtzucker) in der 2. Tageshälfte, wozu nahezu alle farbigen Getränke gehören (Die Ernährung), schmackhafte Fette nur als ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzen, richtig dosiertes Cholesterin (was sehr wichtig für die Zellwände und Hormone ist Die Fettstoffwechselstörung) in Verbindung mit leberschützenden Substanzen wie Algen, Klinolithe, Ballaststoffe, Darmflora, Silymarin,Vitamin A, Lecithin, Coenzym Q10, Bitterstoffen u.a. in der 1. Tageshälfte, Zink, Selen und Chrom als Nahrungsergänzung für Insulinproduktion, Antioxidantien (Die orthomolekulare Medizin) und Stressmanagement (Adapatations- und Stresssyndrom, Übersäuerung bzw. Acidose), körperlicher Ausgleich mit Verbrennung von jedem Zuckergenuss...

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Synonym

  • Zuckerkrankheit („honigsüßer Durchfluß“)

ICD-10

  • E10-14

Prävalenz

  • in D > 5Mill ()

Ätiologie

  • bei Typ 1
  • bei Typ 2 metabolisches Syndrom (bauchbetonte Adipositas, erniedrigtes HDL, erhöhte TG, RR und Insulinresistenz)

Pathogenese

  • Hypertrophie von Adipozyten, Akkumulation von Fettsäuren, Infiltration von Makrophagen, Freisetzung von u.a. Adipokine wie Adiponektin, Leptin, Resistin, Visfatin und Omentin
  • ROS u.a. induzieren Gewebsschäden
  • nichtenzymatische Glykierung mit Entstehung von Advanced Glycation Endproducts (AGE) und weitere Entzündungskaskade (Neumann 2012)

Einteilung

  • Typ 1 (autoimmunvermittelt)
  • Typ 2 (Insulinresistenz bzw. mangelnde Sekretion)
  • heterogene Gruppe
  • Gestationsdiabetes

Komplikationen

  • erhöhte Inzidenz bei Periarthropathie wie frozen shoulder, Morbus Dupuytren undLedderhose, Karpaltunnel- u.a. Engpaßsyndrome sowie Ten(d)ovaginitiden (u.a. Digitus saltans), Tod durch kardiovaskuläre Erkrankungen bei 50-70% (Neumann 2012)

Literatur

  1. Neumann T (2012) Diabetes und rheumatische Erkrankungen. arthritis-rheuma 32: 148-53
      
Aktualisiert: 07.12.2014
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben