Die Krampfadern

allgemeine Informationen für Patienten


  • Eine Krampfader ist eine Vene, welche den Rückfluß des Blutes aufgrund einer Erweiterung des Innendurchmessers, Verdickung der Gefäßwand bzw. Veränderung des Verlaufes (geschlängelt) zum Herzen erschwert bzw. verlangsamt.
  • Jeder zweite Mensch über 50 leidet daran.
  • Die Ursache ist mannigfaltig und in der Gefäßwand bei verschiedenen Stoffwechsel- bzw. Hormonstörungen, Entzündungen sowie Verletzungen zu suchen. Oft stören äußere Einflüsse im Brustkorb, Bauch und Beckenraum sowie eine schwache Muskelaktivität bzw. -pumpe den Rückfluß des Blutes.
  • Da ca. 63% des Blutes eines Menschen in Venen verweilen und stehende bzw. sitzende Berufshaltungen dominieren, verwundert es nicht, dass Krampfadern bzw. Varizen v.a. an den Beinen vorkommen.
  • Im Laufe eines Tages kommt es zu Schmerzen, Krämpfen und Schwellungen. Später folgen Hautverfärbungen, Pigmentveränderungen und Stauungsentzündungen.
  • Ob es sich um Besenreiser, netzförmige oder eine Stamm-Varicosis handelt, ist bei der Untersuchung durch zahlreiche noch immer gültige Tests, moderne Ultraschallverfahren und immer seltener anzuwendende Kontrast-Röntgen herauszufinden und dann einer Lymph-, Kompressions-, Verödungs- oder operativen Behandlung zuzuführen.
  • Neben der Strumpfbehandlung (Hilfsmittel) , welche viel zu oft im Schrank liegen, ist die tägliche Förderung der Muskelpumpe durch Gymnastik, Schwimmen, Bäder, Saunen, Güsse, Wassertreten (Wasserbehandlung bzw. Hydrotherapie) usw. die preiswerteste und nebenwirkungsärmste Methode.
  • Die Thrombose ist die häufigste Komplikation. Das offene Bein bzw. Geschwür ist als Folge einer venösen Thrombose zu vermeiden. Da helfen auch keine Krautblätter mehr.

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • varicosis
  • venöse Insuffizienz

ICD-10

  • I83

Definition

  • erschwerter Rückfluß des Blutes

Häufigkeit

  • 15% (ab 50. LJ bis zu 50%)
  • Frauen : Männer = 4 : 1
  • familiäre Häufung

Ätiologie


primär
  • Varicosis (verdickte Wand)
sekundär
  • Stau von innen durch Phlebitiden und Thrombosen
  • Kompression von außen durch thorakale, abdominelle und pelvinen Erkrankungen
  • Gefäßverletzungen und -verschlüsse anderer Genese
Risiko
  • BG-Schwäche
  • Schwangerschaft
  • stehende Berufe

Pathogenese

  • 63% des Blutvolumens in Venen
  • Venendruck der Füße in Ruhe ca. 2 kPa, bei Belastung 7 - 27 kPa
  • Venenwand sehr dünn, Venenklappen nur in unterer Extremität
  • neben Atmung mit Exspiration und Inspiration, Herztätigkeit mit Systole und Diastole Muskulatur für Rückstrom des venösen Blutes zum rechten Herzen verantwortlich (Muskelpumpe)
  • im Stehen erhöht sich hydrostatischer Druck mit Entstehung von Ödem
  • entweder primäre Störung der Gefäßwand durch hormonell gesteuerte Schwäche der glatten Muskelzellen mit Stase
  • oder ???

Lokalisation

  • v.a. untere Extremität

Symptomatik

  • im Laufe des Tages Schmerz (dolor) und "Krämpfe", Schwellung (tumor) durch Ödem bei sicht- und tastbaren Venenkonvoluten (Krampfadern), gel. Hautverfärbung (eher livide (cyanosis), auch Pigmentveränderung (wenn braun, dann Z.n. Thrombose mit Hämosiderin-Ablagerung), ansonsten als Corona phlebektatica (münzgroße Flecken am Fußrand) und als Teleangiektasien bzw. bleibenden Venenerweiterungen, Stauungsdermatitis bis zum Geschwür bzw. ulcus cruris venosum)

Klinik

  • Schmerz (dolor), "Krämpfe", Schwellung (tumor), Ödem, Venenkonvoluten (Krampfadern), Hautverfärbung, Teleangiektasien, Stauungsdermatitis, Geschwür (ulcus)

Diagnostik


Anamnese
GA
  • Schwangerschaf
t FA
  • BG-Schwäche
SA
  • stehender Beruf

Status
Inspektion
  • Schwellung (tumor) durch Ödem bei sicht- und tastbaren Venenkonvoluten (Krampfadern)
Palpation
  • Venenkonvolut
Messung
  • Umfänge beider Extremitäten
Test
  • nach Perthes (am stehenden Pat. ober- und unterhalb KG Stau, gehen, bei Nichtleerung der Varizen Insuffizienz des tiefen Systems)
  • nach Trendelenburg (am liegenden Pat. Varizen ausstreichen und Stau oberhalb Leiste bei V.saphena magna und Poplitea bei parva, aufstehen, Stau weg und schnelle Auffüllung der Varizen bei Klappeninsuffizienz)
  • nach Pratt (am liegenden Pat. Bein auswickeln und oben Stau, nun von proximal abwickeln und 5 cm danach von proximal wieder wickeln, Auffüllung der Varizen an der Stelle, wo Vv. communicantes sive perforantes insuffizient)
  • nach Cooper (am liegenden Pat. oberhalb Leiste, ober- und unterhalb KG Stau, aufstehen, bei Auffüllung am US Insuffizienz der Cockett-Gruppe, nun unterhalb KG Stau weg, bei Auffüllung US Insuffizienz der V. saphena parva, nun oberhalb KG Stau weg, bei Auffüllung Insuffizienz der Dodd-Gruppe, schließlich oberhalb Leiste Stau weg, bei Auffüllung Insuffizienz der V. saphena magna)
Labor
  • nur bei Komplikationen

Ultraschalldiagnostik (USD)
Doppler-Sonographie
  • als direktionales Verfahren (nahezu aller venösen Gefäße mit optischer (graphisch und farblich) Darstellung der Richtung und der Qualität (Wirbelbildung) des Blutflusses)
Duplex-Sonographie
  • als real-time Sonographie der Weichteilstrukturen mit Doppler-Sonographie nahezu aller Gefäße mit optischer Darstellung der Richtung und der Qualität des Blutflusses sowie zweidimensionale Helligkeitsdarstellung von Pathologien (Wandverdickungen) in Graustufen

Radiologie
Phlebographie
  • als konventionelle Aufnahme zur bedingt räumlichen Darstellung von Gefäßveränderungen

Einteilung


klinisch nach Marshall
  • Teleangiektasien und Pinselfiguren
  • Besenreiservaricosis (spider vein)
  • retikuläre Varikosis
  • Ast- und Stammvaricosis
  • tiefe Varikosis
  • Anomalien (z.B. Klippel-Feil-Trenaunauy-Syndrom)
paraklinisch nach Hach
  • Stadium I - IV (siehe S. 230/1 aus Sturm A, Redemeister JC 1988)

Differentialdiagnostik

  • AVK

Therapie


kausal
  • Kinesitherapie mit Krankengymnastik, Gesundheitstraining und Sporttherapie

symptomatisch
konservativ
  1. Physiotherapie mit Lymphdrainage etc.
  2. Verband nach H. Fischer (Kompressionsverband)
  3. Technik mit Kompressionstherapie (Socke, Kniestrumpf, Strumpf, Strumpfhose etc.)
  4. Pharmakotherapie
  5. Injektionstherapie (Verödung mit Alkohol etc.)
operativ
  • stripping

Prophylaxe

  • Blutverdünnung?

Komplikation

  • Thrombembolie
  • postthrombotisches Syndrom
  • Erysipel

Literatur

  1. Rabl CRH, Nyga W (1994) Orthopädie des Fußes. 7., neu bearb. Aufl. Ferdinand Enke, Stuttgart 323-33
  2. Sturm A, Redemeister JC (1988) Checkliste Gefäßsystem. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork
  3. Zilch H (1989) periphere Gefäßerkrankungen. In Zilch H, Weber U (Hrsg.) Orthopädie mit Repetitorium. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 249-50
      
Aktualisiert: 21.08.2012
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben