Die arterielle Verschlusskrankheit

allgemeine Informationen für Patienten


  • Die arterielle Verschlusskrankheit bzw. AVK ist eine Erkrankung, welche mit Bildung von Blutgerinseln in den Schlagadern einhergeht.
  • Als Arteriosklerose bzw. Gefäßverkalkung (Arterienverkalkung bzw. Artheriosklerose) ist sie die häufigste Erkrankung in Deutschland und auf die Risiken des Nikotins sowie der Zivilisationskrankheiten Übergewicht, Bluthochdruck, Zucker und Gicht (Bluthochdruck bzw. arterieller Hypertonus, Übergewicht bzw. Adipositas, Die Fettstoffwechselstörung, Die Gicht, Zuckerkrankheit bzw. Diabetes mellitus) zurückzuführen. Selten sind Gefäßverletzungen sowie vererbte Störungen bei jüngeren Patienten vorhanden. Das chronische Infektionen sowie Mangel an Vitaminen, Enzymen und Hormonen eine Rolle spielen ahnt jeder, wird jedoch unter den Tisch gekehrt. Ein noch größerer Irrtum ist, dass fälschlicherweise das Cholesterol bzw. Cholesterin für gefährlich gehalten und nur zu 1% in Verkalkungen gefunden wird und Homocystein viel gefährlicher und bei Mangel an den Vitaminen B6, 9 und 12 (Die orthomolekulare Medizin) gefunden wird.
  • Am meisten sind die Herzkranzgefäße, das Gehirn und das Bein (so genanntes Raucherbein) betroffen. Durch Einlagerung von überflüssigen Nahrungsbestandteilen bei gleichzeitigem Wassermangel kommt es zur Ablagerung an den Gefäßwänden und somit zur Einengung der Ader (Stenose). Dies führt unter Belastung mit erhöhtem Sauerstoffbedarf zu Schmerzen (Angina pectoris). Wenn jetzt nichts passiert, kann es zur lebensgefährlichen Verstopfung einer Ader kommen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Bein "stirbt ab").
  • Die Notfallmedizin ist dafür gut ausgerüstet. Sofort werden Maßnahmen zur Blutverdünnung eingeleitet. Diese müssen dann zum Teil sehr lange durchgeführt werden, was wiederum Nebenwirkungen macht (z.B. Vitamin K Mangel mit Osteoporose (Knochenschwund bzw. Osteoporose) durch Falithrom® und Marcumar®).
  • Schwieriger wird es bei chronischen Durchblutungsstörungen. Hier helfen neben der Blutverdünnung (Blutverdünner) und Gefäßerweiterung (Bäderbehandlung bzw. Balneotherapie, Die Neuraltherapie, biologische Regulations- und Komplementärmedizin) langfristige Maßnahmen mit Gefäßtraining (Gesundheitstraining und -schulen).
  • Nur ob das ausreicht bzw. wann erneut eine Komplikation auftritt hängt natürlich vom Patienten und dessen Vorsorge ab. Diese besteht neben der Einnahme von geringen Mengen an Medikamenten (z.B. Rheumamittel) vor allem im sofortigen Absetzen von Nikotin sowie in einer basischen Diät (Übersäuerung bzw. Acidose) oder wasser- und vitaminreichen Ernährung (Die orthomolekulare Medizin).

allgemeine Informationen für Kollegen


Synonym

  • AVK

ICD-10

  • I20-25 (Herz)
  • I63, 65 (Hirn)
  • I70, 73, 74, 77 (Gefäße)

Definition

  • nach Ratschow im Gegensatz zum altersbedingten Elastizitätsverslust der Gefäßwand ohne Durchmesserveränderung (Physiosklerose) alle Erkrankungen mit Elastizitätsveränderung, Einengung (Stenose oder Obliteration) oder Erweiterung (Aneurysma oder Dilatation) der Wand bzw. des Lumens eines Gefäßes (Pathosklerose)

Häufigkeit

  • 1,8 Mill. In D
  • 90 TSD diabetische Fußsyndrome (DFS) mit Angiopathie (Dohmen et al. 2012)

Ätiologie

  • Arteriosklerose
  • Arteritiden, Angitiden bzw. Vaskulitiden (Endangitis bzw. Thrombangitis obliterans Winniwarter-Bürger, Takayasu-Krankheit, Arteritis temporalis Horton-Magath-Brown, Raynaud-Syndrom, Pan- bzw. Periarteritis nodosa, Wegener-Klinger-Granulomatose, Sklerodermie, systemischer Lupus erythematodes bzw. SLE)
  • Kompression von außen
  • Gefäßverletzungen und -verschlüsse (Embolien) anderer Genese
Risiko
exogen
  • Nikotinabusus
  • Adipositas
endogen
  • arterieller Hypertonus (AH)
  • Diabetes mellitus (DM) mit 70% aller Indikationen zur Amputation (Dohmen et al. 2012)
  • Hyperlipoproteinämie (HLP)
  • Hyperurikämie (HU)
  • latente Acidose

Pathogenese

  • akute oder chronische Einengung des Lumens eines arteriellen Gefäßes mit Durchblutungsstörung (Ischämie) und mangelnder Sauerstoff-Versorgung (Hypoxie) im Versorgungsgebiet
  • je nach Aktualität bzw. Chronizität, Restdurchblutung durch Kollateralen und Ischämietoleranz des nachgeschalteten Organs (Herz, Gehirn, Darm bzw. jedes Körperteil) klinische Symptomatik

Lokalisation

  • eigentlich am häufigsten die koronaren Gefäße des Herzens
  • nicht zu vergessen die Gefäße des Gehirns
  • zu 80% untere Extremität (Zilch 1989)
  • aber auch als thoracic outlet syndrome bzw. TOS TOS (Das Schulter-Arm-Syndrom)

Klinik

  • Infarkt bzw. Apoplex mit irreversiblem Ausfall von Zellen eines Organs oder Claudicatio mit reversibler belastungs- bzw. hypoxie-abhängiger Funktionsstörung eines Organs oder Region (z.B. Angina pectoris Syndrom (APS) bei Befall des Herzens, von transitorischer ischämischer Attacke (TIA) bzw. little stroke über prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit (PRIND) bzw. progressive stroke bis complete stroke (Das Schulter-Arm-Syndrom) bei Befall des Gehirns, angina abdominalis bzw. Symptomkomplex nach Ortner bei Befall des Darms, claudicatio intermittens bzw. "Schaufenster-Krankheit" bei Befall der unteren Extremität, subclavian steal syndrome oder thoracic outlet syndrome (TOS) bei Befall der oberen Extremität)

Stadien der AVK der unteren Extremität


nach Fontaine und Ratschow
  • I asymptomatisch mit pathologischem Palpationsbefund
  • IIa Latenzschmerz z.B. als Claudicatio intermittens mit Gehstrecke >100m
  • IIb <100m
  • III Ruheschmerz mit ersten trophischen Störungen
  • IV feuchte oder trockene Gangrän mit Sekundär-Infektion
nach Rutherford
  • I - VI

Diagnostik


Anamnese
JA
  • Länge einer Gehstrecke
  • zeitliche Belastungsgrenze
  • bestimmte Auslösemechanismen
EA
  • metabolisches Syndrom mit Adipositas, HLP, HU, DM, AH etc.
FA
  • Infarkt bzw. Apoplex
  • metabolisches Syndrom mit Adipositas, HLP, HU, DM, AH etc.
Inspektion
  • Behaarung
  • Nagelveränderungen
  • Hautfarbe, -nekrosen, -ulkus
  • Gangrän
Palpation
  • Pulsstatus über Artt. carotes, radiales, femorales, popliteae, tibiales posterior et dorsale pedis mit Beurteilung der Frequenz (hoch als pulsus frequenz oder niedrig als pulsus tardus), der Spannkraft (hart als pulsus durus oder weich als pulsus mollis) sowie des Volumens (groß als pulsus altus oder klein als pulsus parvus) mit Seitenvergleich
  • Schwirren oder Pulsationen über shunts und Aneurysmen
  • kapilläre Venenfüllung
  • Temperatur
Auskultation
  • Stenosegeräusche (über Stenosen, Shunts und Aneurysmen)
Messung
  • Blutdruck nach Riva-Rocci (RR) über Arm und Bein (sonographie-gestützt) im Vergleich in Ruhe sowie nach Tests
Tests
  • 20 Zehenstände und RR-Messung
  • Test bzw. Lagerungsprobe nach Ratschow (Teil I mit 30 min Fußrollen bei erhobenem Bein über 2 - 4 min und Teil II mit Hinsetzen und Beine hängen lassen)
  • Gehversuch (120 Schritte/min)
  • Faustschlussprobe (60 mal in 2 min unter Kompression der Artt. radialis et ulnaris)
  • Test nach Allen (20 mal Faustschluss unter Kompression der Art. ulnaris oder radialis)
  • Test nach Adson usw. (Das Schulter-Arm-Syndrom)
  • Kälte- und Wärmetest (vgl. Tab. 2 S. 5/6 aus Sturm und Redemeister 1988)
Labor
  • z.A. Risiko, Differentialdiagnostik, Komplikation
Elektrophysiologie
  • EKG, Belastungs-Ergometrie, 24-h bzw. EKG nach Holter
Ultraschalldiagnostik
Doppler-Sonographie
  • als nicht-direktionales Verfahren (zur RR-Messung an Artt. radialis, ulnaris, tibialis posterior et dorsalis pedis mit Registrierung des systolischen Pulsgeräusches bei Ablassen des Druckes der angelegter Manschette an OA oder OS im Seitenvergleich mit und ohne Belastungstests und Ermittlung des RR-Index (normal: syst. RR am Bein ca. 20 - 40 mm Hg höher als syst. RR am Arm, (Index Bein : Arm = >1), pathologisch: syst. RR am Bein bei normalem RR am Arm um 100 mm Hg (Index 0,9 - 0,75), 90 - 60 mm Hg (Index 0,75 - 0,5) bzw. < 60 mm Hg (Index < 0,5) (vgl. Tab. 3 S. 7 aus Sturm und Redemeister 1988)
  • als direktionales Verfahren (nahezu aller arteriellen und venösen Gefäße einschl. Hirnarterien mit akustischer Registrierung des Pulsgeräusches sowie optischer (graphisch und farblich) Darstellung der Richtung und der Qualität (Wirbelbildung) des Blutflusses)
Duplex-Sonographie
  • als real-time Sonographie der Weichteilstrukturen mit Doppler-Sonographie nahezu aller Gefäße der Extremitäten sowie Organe mit akustischer Registrierung des Pulsgeräusches, optischer Darstellung der Richtung und der Qualität des Blutflusses sowie zweidimensionale Helligkeitsdarstellung von Pathologien (Wandverdickungen) in Graustufen
Radiologie
Magnetresonanz-Angiographie
Szintigraphie
  • z.B. als Myocard-Szinti mit kappillarpermeablen oder muskelaffinen Stoffen mit und ohne Belastung bei KHK
Oszillographie
Angiographie
  • als konventionelle Aufnahme mit digital-gesteuerter Serien-Aufnahmen als Subtraktionsverfahren mit KM (DSA) oder CO2-Angiographie zur bedingt räumlichen Darstellung von Gefäßveränderungen unter Beachtung der GFR (Nierenfunktionsstörungen)

Differentialdiagnostik

  • akute Ischämie bei Embolie bzw. Thrombose (auf 6 "P" (pain, pallor, paraesthesie, paralysis, pulslessnes, und prostration) achten)
  • thoracic outlet und inlet syndrome (Das Schulter-Arm-Syndrom)
  • claudicatio spinalis bei Spinalstenose

Therapie


kausal
konservativ
  1. Nikotinrestriktion
  2. Gewichtsreduktion bzw. Therapie eines metabolischen Syndroms mit AH (Bluthochdruck bzw. arterieller Hypertonus), DM (Zuckerkrankheit bzw. Diabetes mellitus), Nahrungsergänzung mit Vitamin B 6 , 9 und 12 zur Senkung eines erhöhten Blutspiegels an Homocystein sowie basische Diät oder gar Procain-Basen-Infusionen
  3. Physiotherapie
    • Kinesi- bzw. Bewegungstherapie (z.B. Gesundheitstraining)
    • Mechanotherapie (z.B. Bindegewebsmassage)
    • Hydrotherapie (z.B. Waschungen, Abreibung, Abklatschung, Umschläge, Wickel, Packungen, Auflagen, Aufschläge, Kompressen, Güsse, Blitzgüsse, Duschen bzw. Teilbäder mit thermischem bzw. hydrostatischem (Hauffe-Bad) oder elektrischem Reiz (Stanger-Bad))
    • Balneotherapie (z.B Sauna, Kuren)
symptomatisch
konservativ
  1. Reflexmedizin
    • Neuraltherapie (i.a. sowie Ggll. mit "Sympathektomie")
    • Schmerztherapie (Die Schmerztherapie) einschl. Neurochirurgie mit spinal cord stimulation (SCS)
  2. Pharmakotherapie
    • vasoaktive Substanzen (Vasodilatantien) einschl. PGE-1
  3. interventionelle Radiologie
    • im Gegensatz zur Neuraltherapie Nutzung von Bildgebung und Pharmarka mit höherer Wirk- und NW-Breite wie LA vom Estertyp, Alkohol, Kortison, Opiate u.ä. zur "Sympathektomie"
    • perkutane Angioplastie (PTA) bzw. interventionelle Revaskularisierung mit klein. Erfolg von 70-90%, jedoch Rezidiv von 65% (Dohmen et al. 2012)
operativ
  • klass. Sympathektomie (is out)
  • Thrombendarteriektomie, stent bzw. bypass nach TASC II Kriterien (Dohmen et al. 2012)

Komplikation

Prognose

  • selten gut

Literatur

  1. Becker HM (1992) Durchblutungsstörungen. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 604-12
  2. Dohmen A, Eder S, Euringer W, Zeller T, Beyersdorf F (2012) Chronische kritische Extremitätenischämie. Dt. Ärztebl. 109/6: 95-101
  3. Sturm A, Redemeister JC (1988) Checkliste Gefäßsystem. Georg Thieme, Stuttgart NewYork
  4. Zilch H (1989) periphere Gefäßerkrankungen. In Zilch H, Weber U (Hrsg.) Orthopädie mit Repetitorium. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 249-50
      
Aktualisiert: 07.12.2014
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben