atopisches Ekzem bzw. Neurodermitis

allgemeine Informationen


Synonym

  • atopische Dermatitis (AD)
  • endogenes Ekzem (EE)
  • AE bzw. ND
  • Prurigo Besnier

Definition

  • V.a. im Kindesalter häufige chronisch-wiederkehrende bzw. in Schüben verlaufende trockene, schuppende und juckende Hauterkrankung als eine der 3 Pfeiler des atopischen Formenkreises (neben Asthma und Rhinitis)

ICD

  • L20

Häufigkeit

  • häufigste Hauterkrankung im Kindesalter (Werfel et al. 2014)

Prävalenz

  • 10-15% bis Einschulung (Werfel et al. 2014)
  • 1-2% bei Erwachsenen (Werfel et al. 2014)
  • bei schwerer ND 30% Nahrungsmittelunverträglichkeit bekannt (Werfel et al. 2014)

Ätio(patho)logie

  • Störung im Strukturprotein Filaggrin und damit in Hautbarriere
  • Störung der Synthese von Gamma-Linolensäure aus Omega-Vorstufen (Mangel oder Störung der Delta-6-Desaturase)
  • Einfluß von IgE-bindenden und antigenpräsentierenden dendritischen Zellen, eosinophilen Granulozyten sowie TH-2-Zytokinen IL4,5 und IL13
  • bereits höhere Besiedlung oder gar Superinfektion durch Staphylococcuc aureus mit seinen Toxinen sowie auch Pityrosporum ovale, Candida albicans etc.

Risiko

Provokationsfaktoren (nach Fischer, Ring, Abeck)
irritativ (pseudo-) allergisch mikrobiell psychisch andere
Textilien Stress (positiv/negativ) UV-Licht
Nahrungsmittel Staphylococcus aureus   klimatisch
Waschgewohnheiten Nahrungsmittelzusatzstoffe Malassezia spezies   hormonell
Schweiß Aeroallergene Infekte   
Wasserhärte     

Lokalisation


bis 2 Jahre

  • Milchschorf
  • Aussparung der Windelregion
  • vorwiegend Streckseite des Extremitäten

ab 2 Jahre

  • vorwiegend Beugeseite der Extremtäten

Klinik


Majorkriterien

  • Pruritus, typische Morphe und Lokalisation, chron.-rez. Verlauf

Minorkriterien

  • Xerosis cutis, verstärktes Jucken beim Schwitzen, weißer Dermographismus, Wollunverträglichkeit, doppelte Unterlid- bzw. Dennie-Morgan-Falte, hyperlineäre Palmae, Lichtung der lateralen Augenbraue (Hertoghe-Zeichen), Perléche, Ohrraghaden, Dyshidrose, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Keratosis pilaris, Cheilitis, Mamillenekzem, rez. Konjunktivitis, Pulpitis sicca, Ichtyosis vulgaris, Katarakt der vorderen Augenkammer und Keratokonus

Diagnostik


Hauttest

Prick-Test
  • Nahrungsmittelallergene nach Einführung Breikost oder anamnestischem Hinweis wie Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Weizen, Erdnuss, Haselnuss, Fisch
  • Inhalationsallergene wie Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilbe, Schimmelpilze
  • Kontaktallergene je nach Anamnese

Labor

Serum
  • IgE gegen Lebensmittel oder Zusatzstoffe
  • Elektrolyte und Spurenelemente (v.a. Zink und Selen)
  • Fettsäuren
Stuhl
  • Darmflora (gesund- und krankmachende Mikroorganismen) sowie spezielle Werte wie Alpha-Antitrypsin, Lysozym und PMN-Elastase
Urin
  • Kryptopyrrolurie

Differentialdiagnostik

  • irritatives Ekzem
  • allergisches Ekzem
  • mikrobielles Ekzem
  • kutanes T-Zell-Lymphom
  • Psoriasis
  • Tinea
  • Immundefekte (Hyper-IgE-Syndrom, Wiskott-Aldrich-Syndrom, Omenn-Syndrom, Netherton-Syndrom)

Therapie


kausal

  • mindestens 4 Monate Stillen bzw. Gabe von Hydrolysaten
  • Verzicht auf Kuhmilch(produkte) bei Stillender und nach Abstillen beim Kind
  • früher Einführung von Breikost und Fisch
  • keine übertriebene Hygiene
  • Verschiebung Impftermin bei Schub
  • je nach Reaktion vom Sofort-Typ und nachgewiesenen IgE-Antikörpern (Die Allergie)

symptomatisch

  1. Basistherapie
    • Reduktion von Provokationsfaktoren, jedoch keine "wilden Diäten", außer Zurückhaltung gegenüber Zitrusfrüchten
    • Hautpflege gegen Austrocknung (außer bei Säuglingen mit Harnstoff und Glycerin)
  2. Antiinflammation
    • topische Glucocorticoide Klasse 1 (Säuglinge) und 2 sowie feuchte Umschläge bzw. "Kammern" (aus persönlicher Erfahrung auch mit Zinkoxid)
    • topische Calcineurininhibitoren (hier jedoch leichtes Brennen und Risiko für Herpes)
    • evtl. UV-Licht ab 12. LJ
  3. Schub
    • topische Glucocorticoide Klasse 3 (Säuglinge) und 4
    • evtl. UV-Licht ab 12. LJ
  4. chronisch
    • zusätzlich Ciclosporin A oder Azathioprin
weiteres
  • zusätzlich je nach Labor auf TNF-alpha, IL1,6 usw. Biologica
mikrobiologische Therapie
  • Vorschlag für ein Programm über 3-4 Jahre
  • 4 Wochen vor Beginn einer Allergie ProSymbioflor 2 x 5 Tropfen beginnend und bis 2 x 20 Tropfen steigern (über 4 Wochen)
  • parallel in jedes Auge und Nasenloch je einen Tropfen täglich
  • dann ProSymbioflor 2 x 20 Tropfen und Symbioflor 1 2 x 20 Tropfen (über 8 Wochen)
  • je nach Akutphase Impfstoff aus Stuhl-Labor (Autovaccine) über 5 Tage spritzen oder einreiben und Colibiogen spritzen mit evtl. Wiederholung nach 2 Tagen Pause
  • schließlich Symbioflor 1 2 x 20 Tropfen und Symbioflor 2 2 x 5 Tropfen beginnend und bis 2 x 20 Tropfen steigern (über 8 Wochen)
  • evtl. nochmal je nach Akutphase Impfstoff aus Stuhl-Labor (Autovaccine) über 5 Tage spritzen oder einreiben und Colibiogen spritzen mit evtl. Wiederholung nach 2 Tagen Pause
  • zusätzlich Lymphomyosot, Luffa-comp., Galium-Heel, Allergie-Injectopas 2-3 x 20-30 Tropfen
  • evtl. Eigenbluttherapie mit Histamin-Injeel
  • bei Wohlbefinden nach 2-3 Jahren "Auffrischung"
orthomolekulare Medizin
  • nach Dr. Gaston Schley (persönliche Mitteilung) auf Defizite bzw. Mangel und damit ausreichende Zufuhr von Omega-3-Säuren der Haut und des Darmes achten
  • weitere Empfehlungen bzw. eigenen Erfahrungen: andere freie Fettsäuren wie Gamma-Linolensäure, Eicosapentaesäure (EPA) und Decosahexaesäure (DHA), Vitamin B 12 und andere B-Vitamine, Vitamin A, Zink (Die orthomolekulare Medizin)
  • Klino- bzw. Zeolithe, Silymarin usw. (Leberfunktionsstörungen)
Neuraltherapie
  • alle antiken 5. Punkte, v.a. Bla40, aber auch Lu5, Di11, Ma36, M/P9, He3, Dü8, Ni10, Pe3, 3E10, Ga34 und Le8
  • LG20 und ExKH1
  • Nabel
  • Tonsillen und NNH einschl. Mastoid, Sinus sphenoidalis und Adenoide je nach dolenten Nackenreflexpunkten nach Adler und Langer
  • nach Empfehlung von Dr. Rainer Wander auch Ganglion cervicale superius (GCS)
  • Ganglion coeliacum (Methoden der Neuraltherapie)

Komplikation

  • durch falsche Diäten
  • Infektionen (Molluska contagiosa, Eczema herpeticatum, Staphylokokkus-assoziierte Erkrankungen)
  • Depression
  • Angststörung

Verlauf

  • wechselhaft

Literatur

  1. Werfel T, Schwerk N, Hansen G, Kapp A (2014) Diagnostik und Stufentherapie der Neurodermitis. Dt. Ärztebl. 29-30: 509-19
  2. www.wikipedia.de
      
Aktualisiert: 07.12.2014
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben