Übersäuerung bzw. Acidose

allgemeine Informationen für Patienten


  • Eine Definition der Übersäuerung bzw. Acidose ist aus medizinischer Sicht sehr schwierig. Die Schulmedizin erkennt nur die Übersäuerung des Blutes mit entsprechend schwerem Krankheitsbild bei Schäden der Atmung (respiratorische Acidose) oder des Stoffwechsels (metabolische Acidose) sowie die örtliche Acidose bei einer Entzündung an. Bekannt ist auch die ursächliche Erkrankung der Niere und teilweise auch der Leber (nur bei Veränderung der Blutwerte) sowie die messbare Anhäufung von Harnsäure im Blut, wobei die Gicht nicht nur die Gelenke befällt.
  • Entscheidend ist der so genannte ph-Wert (ph bedeutet potentia hydrogeni und entspricht dem negativen dekadischen Logarithmus der molaren Konzentration an Wasserstoffionen) in einem Milieu. Der normale bzw. neutrale ph-Wert beträgt 7. Vom sauren Milieu spricht man bei einem ph-Wert von <7 und basischen bzw. alkalischen Milieu dementsprechend >7. Im menschlichen Blut bewegt sich der Normwert zwischen 7,38 und 7,42 (also leicht basisch). Der ph-Wert der anderen Flüssigkeiten sowie der Gewebe ist dagegen sehr unterschiedlich. So beträgt er im Magensaft 1 - 2, in Galle sowie Sekret von Dünndarm und Bauchspeicheldrüse 7,5 - 8,8 und im Urin bzw. Harn 4 - 8.
  • Durch die moderne, bequeme bzw. bewegungsarme Lebensweise mit der pflanzenarmen und zu fleisch- und fetthaltigen Ernährung, immer stärkerer werdenden Umwelteinflüssen durch Schadstoffe und Elektrosmog bzw. zunehmendem psychosozialen Streß wird der Organismus "sauer". Diese Übersäuerung kann örtlich oder allgemein, plötzlich, vorübergehend oder aber auch chronisch bzw. versteckt, schleichend also latent sein. Diese latente Acidose kann nicht mit einer ph-Wert-Untersuchung des Blutes festgestellt werden. Sie findet quasi zwischen den Zellen im Bindegewebe statt.
  • So kommt es zur Veränderung der Verkettung der Kollagene, was nicht nur mit einem Wassermangel, sondern vor allem mit einem Salzmangel zusammenhängt. Die Fettsäuren spielen hierbei eine untergeordnete Rolle, so dass auch bzw. gerade "dünne" bzw. normalgewichtige Menschen übersäuert sind.
  • Immer näher rückt der Zusammenhang zwischen chronischer bzw. latenter Acidose und Knochenschwund, Rheuma bzw. Arthrose, wobei die Gicht nur eine Sonderform darstellt. Nicht zu unterschätzen sind die Erkrankungen der Weichteile wie Muskel, Sehne, Bandapparat und Gelenkkapsel ("Weichteilrheuma"). Noch unklar ist die Bedeutung des vegetativen Nervensystems bzw. der Psyche ("Ich bin sauer").
  • Da nur wenig Örzte über das Wissen und Können bzw. ein Budget für die Untersuchung vom ph-Wert verfügen, kommt der Untersuchung des ph-Wertes vom Urin bzw. Harn eine hohe Bedeutung zu. Da hier der ph-Wert zwischen 4 und 8 schwankt, sollte er mehrmals am Tag und in Beziehung zu den Mahlzeiten gemessen bzw. dokumentiert werden.
  • Bei der Messung sollte der Mittelstrahl-Urin verwendet werden (bei Toilettenbenutzung einen Teststreifen aus Lackmus-Papier bereithalten, ersten Urin ablassen, dann kurz Teststreifen im Mittelstrahlurin benetzen). Nach kurzer Trocknung kann die Verfärbung des Teststreifens mit einer Farbskala auf der Packung der Teststreifen vergleichen und der zugehörige Zahlenwert gleich aufgeschrieben werden, wobei auf die Uhrzeit zu achten ist. Danach kann der Teststreifen entsorgt werden.
  • Sollte der nüchterne bzw. morgendliche Urin- bzw. Harn-ph-Wert an 5-7 Tagen über 7 sein, ist keine weitere Messung nötig.
  • Sollte dieser Wert 6,8 und niedriger sein, dann könnte eine Übersäuerung bzw. Acidose des Körpers vorliegen, welche bei Nichtbehandlung zu den o.g. Erkrankungen führen kann bzw. deren Verschlechterung bewirkt.

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • Azidose

Definition

  • ph-Wert des Blutes liegt unter dem Normbereich
  • Senkung des ph-Wertes unter 7,38 bzw. Steigerung der Wasserstoffionenkonzentration des Bluts (Pschyrembel 1986)
  • Störung des Säure-Basen-Gleichgewichtes … durch ein Defizit … an Hydrogenkarbonat … bzw. … ein Anstieg des Sauerstoff-Partialdrucks … des Blutes … (Buddecke 1994)
  • pathologische Ansammlung von Säuren im Körper oder … Verlust von Basen (Burckhardt und Dudziak 1994)

ICD-10

  • E87.2 Azidose
  • Laktat-
  • metabolisch
  • respiratorisch

Häufigkeit

  • unklare Datenlage
  • latente Azidose aus eigener Erfahrung von mehr als 500 Patienten (Stand 2008) ca. 90%! aller Erwachsenen mit muskuloskelettalen Beschwerden und Erkrankungen

Ötiologie

  • Eine Einteilung nach topographischen, organischen und histologischen Gesichtspunkten ist nicht sinnhaft, da die Ursache einer Acidose (die Erhöhung der Säuren durch vermehrte Aufnahme oder Bildung bzw. verminderte Ausscheidung oder Abbau bzw. die Verminderung der Basen durch verminderte Aufnahme oder Bildung bzw. vermehrte Ausscheidung oder Abbau) selten isoliert und monokausal, sondern "chaotisch" und latent stattfindet

Erhöhung der Säuren durch vermehrte Aufnahme

  • im Gegensatz zu unseren Vorfahren, welche einerseits Früchte und Körner bzw. Pflanzen aßen, besteht unsere moderne Nahrung vorwiegend aus tierischem Eiweiß (v.a. schwefelhaltige Amino-, Harn-, Schwefel- und Salpetersäure), Fett (v.a. gesättigte Fettsäuren und Triglyceride) und "Süßigkeiten" (Essigsäure) sowie Getränken mit zuviel Kohlen-, Phosphor- und Gerbsäuren sowie unnatürlichen Konservierungsmitteln und künstlichen Aroma- und Farbstoffen. Der tägliche Säureüberschusses (50-100 mmol/Tag) ist auch durch den sauren Regen begründet.

Erhöhung der Säuren durch vermehrte Bildung

  • Streß mit erhöhtem Umsatz von Zucker bzw. anaerober Glykolyse nach Erschöpfung der Sauerstoffreserve und erhöhter Ketocarbon- bzw. Oxo- und Milchsäure (Laktat) durch erhöhten Sympathikotonus, vermehrte Muskelarbeit (Einführung in sportliche Leistungsfähigkeit), Hunger, Fieber, chronische Infektionen, Karies, rheumatische Erkrankungen, (Poly)Traumen, Wunden, Verbrennungen, Vergiftungen, Hypoxämien bei Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, AVK (arterielle Verschlußkrankheit) etc., metabolische Syndrome mit Diabetes, Adipositas, Hyperlipidämie…
  • erhöhte Harnsäure durch Purine aus tierischer Nahrung (v.a. Haut und Innereien) sowie Kaffee und schwarzer Tee und aus Nukleinsäuren (v.a. Adenin und Guanin) bei vermehrtem Zellabbau als Hyperurikämie bzw. Gicht,
  • aber auch Zystinose, Homocysteinämie bzw. Homocysteinurie, alle Hepatose und Zirrhosen bei Abusus von Alkohol, Pharmaka usw.,
  • schließlich (Para)Neoplasien mit Verschiebung des Proteingleichgewichtes

Erhöhung der Säuren durch verminderte Ausscheidung

  • pulmonale Erkrankungen mit Hyperkapnie bei gestörtem Atemantrieb bzw. Hypoventilation wie Sheyne-Stoke-, Kussmaul-Atmung usw. (zentralen Störungen, Vergiftungen, Pharmaka, Drogen, Bewusstseinstörungen, Koma, künstliche bzw. Langzeit-Beatmung, Myelopathien, Phrenicusläsionen, Diaphragmalähmungen, Hämato-Pneumothorax, Thoraxtraumen, Herzinsuffizienz, Ödem, Pneumonien und COPD)
  • nephrogene Erkrankungen mit verminderter Ausscheidung von Zitronensäure (Citrat), Protonen und Ammoniak (aus Glutamat) u.a. Säuren bei Störung der Carboanhydrase, tubulärer Acidose Butler-Albright-Lightwood, Fanconi-Syndrom, Abusus von Analgetika und Tetrazyklinen, Amyloidose, Fibrosen (z.B. nach Gabe von Gadolinum), Entzündungen, Nekrosen, Tumoren, Transplantationen

Erhöhung der Säuren durch verminderten Abbau

  • verminderter Abbau von Ketocarbon- bzw. Oxosäuren, Kohlensäure usw. nach Erschöpfung der Puffersystems (Bindung von Protonenüberschuß mit Verminderung der Basenreserven Bikarbonat, Hämoglobinat, Proteinat und Phosphat)
  • Mangel an Mangan mit Schwächung der Pyruvatkarboxylase zum Abbau von Milchsäure (Laktat)

Verminderung der Basen durch verminderte Aufnahme

  • pflanzenarme Ernährung (fast food) bzw. Mangel an Basen wie Kalium, Magnesium, Calcium, Zink usw. in den Böden durch sauren Regen, Monokulturen, pausenlosen Landwirtschaft mit Raubbau und mangelnder Natur- bzw. Gründungen bzw. Erholung des Bodens

Verminderung der Basen durch verminderte Bildung

  • Zink-Mangel, Hypochlorhydrie oder Protonen-Mangel durch Protonen-Pumpen-Hemmer, chronische Gastritiden (Helicobacter u.a.), Z.n. Resektionen bzw. Gastrektomie mit Störungen der Karboanhydrase,
  • Hämoglobinopathien mit Anämien bei Hepatosen, Mangel an Eisen, Kupfer, Hämolysen, Blutungen, Entzündungen jeglicher Art… ,
  • nitro- und oxidativer Streß mit Mitochondriopathien und Störung des Adenosin-Phosphat,
  • Pankreatopathien mit Mangel an Enzymen und Malassimilation von schwefelfreien und stickstoffhaltigen Aminosäuren wie Glutamin

Verminderung der Basen durch vermehrte Ausscheidung

  • pulmonale Erkrankungen mit Hypokapnie bei Hyperentilation wie Streß, Schock, Hysterie usw. mit Tetanie
  • nephrogene Erkrankungen mit vermehrter Ausscheidung von K, Mg, Ca, Zn, Phosphat, Bikarbonat, Hämoglobien und Proteinen bei nephrotischem Syndrom, Abusus von Analgetika und Tetrazyklinen, Amyloidose, Fibrosen, Entzündungen, Nekrosen, Tumoren, Transplantationen

Verminderung der Basen durch vermehrten Abbau

  • alle Hämolysen mit Hämoglobin- und Mitochondriopathien mit Phosphat-Mangel

Pathogenese

  • Die Regulation des pH-Wertes in den Zellen sowie der Grundsubstanz (Bindegewebe) ist eine wesentliche Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit der enzymatisch gesteuerten Stoffwechselvorgänge des Organismus.
  • Das Verhältnis von Säuren zu Basen ist nicht nur für einen gesunden Stoffwechsel von Bedeutung, sondern entscheidet auch über die Ötiologie und Prognose von Krankheiten.
  • Beim gesunden Menschen wird der Blut-pH in den engen Grenzen zwischen 7,37 und 7,43 gehalten.
  • Die Puffersysteme binden und neutralisieren entsprechend der Säure- bzw. Basenbelastung hinzukommende Protonen (H+-Ionen) bzw. Hydroxidionen (OH--Ionen) und entziehen sie zunächst ihrem Einfluss auf den Stoffwechsel.
  • Für diesen konstanten Blut-pH ist in erster Linie das Bikarbonatsystem verantwortlich, aber auch Plasmaproteine sowie Hämoglobin und der Phosphatpuffer sind als H+- bzw. OH--Fänger beteiligt.
  • Neben den Puffereigenschaften des Blutes sowie der extra- und intrazellulären Kompartimente, sind der Gasaustausch in der Lunge und die Ausscheidungsmechanismen der Niere wesentliche Bestandteile dieses Regulationssystems, die alle miteinander in einem funktionellen Gleichgewicht stehen.
  • Die besonders effektive Reaktionsfähigkeit der Blutpuffersysteme bewirkt eine außerordentlich schnelle und konstante Regulation des Blut-pH.
  • Um die Funktionsfähigkeit und damit die Pufferkapazität des Systems langfristig erhalten zu können, ist der Organismus auf die ständige Regeneration der Puffersysteme angewiesen. Dies setzt allerdings eine exakte Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts voraus, an der mehrere Faktoren beteiligt sind. Wenngleich über die Kohlendioxid-Abatmung eine akute Azidose in der Regel vermieden werden kann, so dient primär die Niere zur Netto-Ausscheidung der beim Abbau verschiedener Säuren freigesetzten H+-Ionen.
  • Erhöhte Ausscheidung von Ammonium-Ionen (NH4+):
  1. Ammoniak (NH3), der in den Tubuluszellen hergestellt wird und frei durch Membranen diffundieren kann, verbindet sich im Primärharn mit H+-Ionen zu Ammonium (NH4+), das kaum zurückdiffundiert und mit dem Urin ausgeschieden wird. NH3 entsteht in der Tubuluszelle aus dem Abbau der stickstoffhaltigen Aminosäure Glutamin. Bei einer Azidose ist die Aktivität der Glutamin-abbauenden Enzyme erhöht. Entsprechend kommt es zu einem erhöhten Verbrauch von Glutamin und nachfolgend anderer stickstoffliefernder Aminosäuren. Eine latente Azidose führt deshalb auch zu einer erhöhten Aktivität der proteinabbauenden Systeme in der Muskulatur, mit einem entsprechendem Verlust von Muskelprotein.
  2. Erhöhte H+-Ionen-Sekretion in den Nierentubuli: Bereits durch eine leichte Azidose wird die Menge und Aktivität des Na+/H+-Ionenaustauschers in der Niere erhöht, wodurch es zu einer vermehrten Ausscheidung von H+-Ionen bei gleichzeitiger Na+-Rückresorption kommt.
  3. Die Citratausscheidung im Urin: Die relative Rückresorption von Citrat3-, dem Anion der Citronensäure, aus dem Primärharn ist bei einer Azidose erhöht. Die Adaptation erfolgt durch zwei Mechanismen: Die Aufnahme von Citrat3- in die Tubuluszelle erfolgt bevorzugt in der protonierten Form H-Citrat2-. Die Aktivität der Citrat-Transporter ist deshalb bei vermindertem pH erhöht. Intrazellulär wird Citrat3- nach Anlagerung von weiteren Protonen zur ungeladenen Citronensäure, die dann pH-neutral zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut wird. Durch die Aufnahme von einem Molekül Citrat3- aus dem Primärharn können also 3 H+-Ionen entfernt werden. Als Folge sinkt die Konzentration von Citrat3- im Primärharn. Citrat3- ist jedoch auch in der Lage Calciumionen (Ca2+) zu komplexieren. Diese fehlende Ca2+-Komplexbildung erhöht die Konzentration freier Ca2+-Ionen und damit das Risiko für die Bildung von Nierensteinen (Nierenfunktionsstörungen).
  4. Vermehrte Freisetzung von Mineralstoffen aus den Knochen: Die leichte Azidose führt einerseits physikalisch zu einer Ablösung von Mineralstoffen von der Knochenmatrix, andererseits wird durch die Azidose die Aktivität der knochenabbauenden Osteoklasten erhöht und die Aktivität der knochenaufbauenden Osteoblasten gehemmt. Insgesamt kommt es zu einer vermehrten Ausscheidung von Ca2+-Ionen über die Niere mit den bereits unter 3. beschriebenen Auswirkungen eines erhöhten Risikos für die Bildung von Calcium-Nierensteinen (Nierenfunktionsstörungen).

Folgen

  • Meist liegt innerhalb des Normbereiches eine geringfügige Verschiebung des Blut-pH zum Sauren hin vor. Der Terminus "latent" weist auf einen chronischen Zustand hin, der allerdings nur über die Bestimmung der intrazellulären und extrazellulären Pufferkapazität sowie der Netto-Säureausscheidung über die Niere klinisch erfassbar ist und ohne spezifische Symptome verläuft.
  • Bei gleichbleibender Ötio-Pathogenese kommt es deshalb zu einer latenten Übersäuerung.
  • Eine erhöhte Zufuhr säurebildender Nahrungsmittelinhaltsstoffe - vor allem die schwefelhaltigen Aminosäuren - bei insgesamt geringem Basenanteil in der Nahrung führt zu negativer Calciumbilanz.
  • Andererseits wird der Säure-Basen-Haushalt durch Fasten/Diäten (erhöht durch die gesteigerte Bildung von Ketosäuren aus dem Fettsäureabbau die Säurebelastung des Körpers) sowie hohe körperliche Aktivität (unter anaeroben Bedingungen im Sport gesteigerte Milchsäureproduktion als Endprodukt der Glykolyse) belastet.
  • In der ersten Phase erschöpfen sich die Puffersysteme.
  • Dann verändert sich der Kalium-Wasserstoff-Quotient und Speicherung von Protonen im Bindegewebe mit einer dadurch verminderten Wasserbindungsfähigkeit und der Funktionsbeeinträchtigung im Knorpelgewebe, Sehnen und Bändern.
  • Schließlich führt eine latente Azidose zur Freisetzung von Mineralstoffen aus dem Knochen.

Diagnostik

Labor

Blut
  • ph-Wert, Pco2, Bikarbonat und Basenüberschuß
  • Test nach Jörgensen
  • Elektrolyte im Serum und Vollblut (Na, K, Ca, Mg)
  • Spurenelemente im Serum und v.a. Vollblut (Zink, Kupfer, Bor…)
  • Verhältnis von schwefelhaltigen und -freien bzw. stickstoffhaltigen und -freien Aminosäuren
  • Parathormon, Calcitonin, alkalische Phosphatase, Ostase
  • Syntheseparameter der Leber- (Cholesterin, LDL-Cholesterin, DHEA, Vit D 25 bzw. Calcifediol, Albumin, Insulin, Aldosteron) und Nierenfunktion (Cystatin, Vit D 1,25 bzw. Calcitriol, Erythropoetin)
  • Lungenfunktionstests zur Ermittlung des Sauerstoff-Öquivalents in Ruhe und bei Belastung einschl. Schleimhautparameter wie Surfactant, sIgA, retinolbindendes Protein (RBP), AK lungenspezifischer Erreger wie Mycoplasmen und Chlamydia pneumoniae
Urin
  • ph-Wert
  • Aziditätsquotient und Basenreserve (Test nach Sander)
  • Elektrolyte (v.a. Ca, Mg)
  • Citrat
  • Ammoniak
Magensaft
  • ph-Wert
  • Chlorid

Diffentialdiagnostik

Therapie

kausal

  • höherer Basengehalt der Nahrung durch pflanzliche Lebensmitteln mit organischen Anionen (mit hohem Anteil von Obst, Gemüse und Salat)
  • purinarme Kost und symptomatische Therapie bei Hyperurikämie bzw. Gicht
  • optimale Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes mellitus
  • Optimierung Energiestoffwechsel (aerobe Glykolyse) im Muskel im Leistungs- und Ausdauersport durch Erkennen und Vermeiden von Über- und Fehlbelastung bzw. Training (einschl. Herz-Kreislauf)
  • Stärkung und Training des Immunsystems (mikrobiologische bzw. probiotische Therapie, 4.5.2.) sowie Vermeidung von "septischen" Verletzungen

symptomatisch

  • lt. Rote Liste 2009 unter 03 Acidosetherapeutika nur 3 Einzelstoffe angegeben (Acetolyt®, bicaNorm® und Nephrotrans® bei metabolischer Azidose , evtl. in Kombination mit Nephropathie) und auf Infusionen zur Therapie der Azidose verwiesen (Natriumhydrogencarbonat 4,2 und 8,4% also 0,5 bzw. 1 mol und Trometamol 36,36, 72,68 und 363,4% also 0,3, 0,6 bzw. 3 mol bei metabolischer Azidose und/oder Hypernatriämie bzw. Vergiftung mit Barbituraten und/oder Salicylaten)
  • biologische Ernährung mit basischer Dominanz durch Obst, Gemüse und Salate
  • Reduktion von anorganischen Säuren wie Schwefelsäure (Sulfate), Kohlensäure (Carbonate) und Phosphorsäure (Phosphate)
  • Zufuhr von orthomolekularen Substanzen aus Salzen von organischen Säuren wie Zitronensäure (Citrate), Asparaginsäure (Asparaginate), Glycinsäure (Glycinate), Picolinsäure (Picolinate), Orotsäure (Orotate) usw. mit Kalium, Natrium, Kalzium, Magnesium u.a. ein- bzw. zweiwertigen Kationen 30 min vor oder 120 min nach dem Essen
  • Streßmanagement mit geregeltem Schlaf (mind. 2 h vor Mitternacht unter Beachtung "Morgenstund hat Gold im Mund"), Zeit für körperlichen Eutress zur Anregung des Sympathikus einschl. Nebenniere durch "Morgengymnastik bzw. Frühsport" unter Zufuhr von Wasser, ausgedehntes und vielseitiges "kaiserlich-königliches" Frühstück mit Zufuhr von Proteinen, Fetten und Kohlehydraten zwischen 7 und 9.00 Uhr MEZ (Maximalzeit des Magens in der TCM), aktive Gestaltung des Vormittages unter Beachtung körperlich-geistiger Monotonie bzw. entsprechenden körperlich-geistigen Pausen und Zufuhr von gesalzten Flüssigkeiten ohne Kohlensäure (am besten isotonische Lösungen mit den o.g. Mineralien) sowie leicht verdaulichen Speisen, "bürgerliches" Mittagessen bzw. Lunch unter Restriktion der kurzkettigen Kohlenhydrate bzw. tierischen Fette bzw. Reduktion der langkettigen Kohlenhydrate sowie tierischen Proteine, kurze Mittagspause mit entsprechendem Ausgleich der o.g. Belastung zwischen 11 und 15.00Uhr MEZ (entweder Ruhen oder Gehen), aktive Gestaltung des Nachmittages unter Beachtung körperlich-geistiger Monotonie bzw. entsprechenden körperlich-geistigen Pausen und Zufuhr von gesalzten Flüssigkeiten ohne Kohlensäure (am besten isotonische Lösungen mit den o.g. Mineralien) und leicht verdaulichen Speisen unter Restriktion von Rohkost zwischen 15 und 19.00 Uhr MEZ (Maximalzeit der Blase und Niere der TCM), körperlich-geistiger Tagesausklang (z.B. in Badeanstalten und Saunen) einschl. "ärmlichem" Abendessen bzw. Dinner unter Restriktion von jeglichen Kohlenhydraten, tierischen Fetten und Proteinen sowie Rohkost (also nur pflanzliche Fette und Proteine) unter Zufuhr von Wasser vor 23.00 Uhr MEZ und schließlich "gute Nacht" …
    • wichtig sind auch die Unterstützung von Eltern, Alleinerziehenden, Behinderten und Betreuern von Familienmitgliedern und Nachbarn (die eben zu wenig "Zeit" haben), wobei es hier weniger auf "Finanzielles" vom "Staat", sondern auf das "Zeitliche" ankommt (frühere bzw. längere Öffnungszeiten von einzuführenden Kinderkrippen, Kindergärten, einheitlichen Schulen einschl. Hort sowie Behörden, kürzer Wege durch Dezentralisierung bzw. Entglobalisierung von Verkaufseinrichtungen, Ausleihstätten und Kulturanbietern)
    • Überdenken von Schichtarbeit (hier sollten nur Krankenhäuser und Betreuungseinrichtungen eine Ausnahme sein und entsprechend Löhne zahlen), Mindestlohn und Krediten, welche immer einen existenziellen Streß auslösen!
    • zum Streßmanagement gehören auch das Gestalten von familiären, privaten, sozialen und beruflichen Terminen außerhalb von Schlaf- , Ruhe- und Essenzeiten, wobei nicht nur das Wetter und der Verkehr zum Absagen animieren, sondern auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad und das Gehen (der Mensch ist auf 20km Gehen täglich genetisch "programmiert") zurückgegriffen werden sollte
    • auch die Informationsflut (jegliche Werbung! außer klare Information über den physikochemischen Inhalt eines Verkaufsgegenstandes) muß stark reduziert werden, wobei das zwischenmenschliche Gespräch in Partnerschaft, Familie, Freundschaft, Beruf und Nachbarschaft ausreicht (Ausnahme: das Schreiben und das Lesen fördern zusätzlich geistige Fähigkeiten)
    • faire Diskusssion und übergeordnete Önderung der unnatürlichen Umwelt wie Abgase, Strom, Radio- u.a. Wellen bzw. "künstliche" Schwingungen einschl. aller "Laborentwicklungen" wie Dünge-, Konservierungs- und Duftmittel (Elektro- und Chemie-Smog!)

Verlauf

  • schwankend, da "chaotische" Zusammenhänge mit chron. Verlauf (Artheriosklerose, Arthrose, Osteoporose) und akuten Rezidiven bzw. Schüben (Sodbrennen bzw. pyrosis, Muskelkrämpfe und -verspannungen bzw. Triggerpunkte, rheumatische Erscheinungen, Migräne, Hörsturz, Hautreaktionen von Juckreiz bzw. pruritus, Schwitzen, über Schweiß und Ekzemen bis Schuppenflechte und Neurodermitis, Zahn- und Gefäßplaque… bis hin zu Thrombembolien)

Komplikationen

  • siehe Verlauf

Prognose

  • abhängig von Compliance und Regeneration, also von heilbar bis infaust

Literatur

  1. Bushinsky DA und Frick KK (2000) Der Säureeinfluss auf die Knochen. Curr Opin Nephrol Hypertens 9:369-379
  2. Buddecke E (1994) Grundriss der Biochemie. 9. Aufl. deGruyter, Berlin NewYork 276-80
  3. Burckhardt G, Dudziak R (1994) Säuren-Basen-Haushalt. In Hierholzer K, Schmidt RF (Hrsg.) Pathophysiologie des menschen. Chapman & Hall London Glasgow Weinheim NewYork Tokyo Melbourne Madras
  4. Doenecke D, Koolman J, Fuchs G, Gerok W. (2005) Karlsons Biochemie und Pathobiochemie. 15. kompl. überarb. und neugestalt. Aufl. Thieme Stuttgart NewYork
  5. Jörgensen HH (1985) Säure-Basen-Haushalt - Ein praxisnahes Meßverfahren zur Bestimmung der Pufferkapazität. Acta med. emp.
  6. Martin M (2002) Diagnostik und Therapie bei Störungen der Säure-Basen-Regulation. Naturheilpraxis
  7. Pschyrembel W (1986) Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 255. Aufl. deGruyter, Berlin NewYork
  8. Sander FF (1999) Der Säure-Basenhaushalt des menschlichen Organismus. Hippokrates, Stuttgart
  9. Tiedt N, Zwiener U (1982) Taschenbuch der Pathophysiologie. Fischer, Jena 352-71
  10. Vormann J und Goedecke T (2002) Latente Azidose: Übersäuerung als Ursache chronischer Erkrankungen. Scheiz Zschr Ganzheitsmedizin
  11. Worlitschek M (1996) Praxis des Säuren-Basen-Haushaltes. Haug, Heidelberg
      
Aktualisiert: 03.04.2010
 
 
 
 
 
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